Neue Eigenmarke: Der Haller Fahrradladen Avanti beteiligt an Rad-Produktion

Unter dem Dach des Verbundes Service und Fahrrad (VSF) entstanden vier verschiedene Modelle

Heiko Kaiser

Matthias Rabe - © Heiko Kaiser
Matthias Rabe (© Heiko Kaiser)
Das neue Markenlogo: Faible heißt das Label, das auf der Querstange der Räder prangt. - © Heiko Kaiser
Das neue Markenlogo: Faible heißt das Label, das auf der Querstange der Räder prangt. (© Heiko Kaiser)

Halle. Avanti ist ein italienisches Wort. Übersetzt heißt es »vorwärts«. Fortbewegung ist seit nunmehr 29 Jahren auch das Thema von Matthias Rabe und seinem Team. Eine Fortbewegung ohne Lärm und Umweltbelastung, die den Menschen fordert und die Natur schont.

Es gehört schon eine große Portion Idealismus dazu, eine gewisse Lebenseinstellung halt, um über all die Jahre den Gesetzen und Forderungen des Marktes zu folgen, ohne dabei seine Ideale zu verlieren. Das wurde für Matthias Rabe, der 1989 mit seinem Freund Hans Hartmann den Fahrrad-Laden Avanti gründete, manchmal zu einer Gratwanderung. Einem Balanceakt zwischen Idealismus und ökonomischen Notwendigkeiten.

Zur idealistischen Seite zählt der Plan, gute Räder auch für Menschen anzubieten, die nur wenig Geld haben. Mit dem gleichzeitigen Gedanken, ein Rad individuell zusammenstellen zu können. Unter dem Dach des Vereins Service und Fahrrad (VSF) schlossen sich Händler in ganz Deutschland zusammen und schufen die VSF-Fahrradmanufaktur.

„Damals war Selbstausbeutung das Prinzip"

Details machen den Unterschied: Eine solche Rohloff-Nabe kostet etwa 1000 Euro. - © Heiko Kaiser
Details machen den Unterschied: Eine solche Rohloff-Nabe kostet etwa 1000 Euro. (© Heiko Kaiser)

„Damals war viel Idealismus dabei, ohne dass es ökonomisch durchdacht gewesen wäre", sagt Rabe und fügt hinzu: „Letztlich sind wir dabei an der Vielfalt eingegangen. Ein rotes Schutzblech, kombiniert mit dem Lenker X und dem Antrieb Y. Wir haben so viel Zeit investiert und letztlich nichts verdient. Da war Selbstausbeutung das Prinzip", sagte er lächelnd. Die Folge: Die VSF-Fahrradmanufaktur musste trotz großer Beliebtheit bei den Kunden an einen Investor verkauft werden.

Doch die Idee blieb. Die Idee, eigene Erfahrungen in den Fahrradbau einfließen zu lassen, eine eigene Marke auf den Markt zu bringen. So entstanden in den 90er-Jahren die »Avanti-Räder«. Gebaut bei Steinkrüger und Becker in Bielefeld, prangte äußerlich die Aufschrift »Avanti« auf dem Rahmen. Noch wichtiger aber: Auch inhaltlich trugen diese Räder die Handschrift des Avanti-Teams. Das aber hatte auch Nachteile: „Die Menschen machten uns persönlich verantwortlich, wenn etwas nicht funktionierte. Das Thema Produkthaftung bekam eine immer größere Bedeutung. Dieses Risiko konnten wir allein nicht mehr tragen. So, dass wir uns schließlich entschlossen, keine eigene Marke mehr anzubieten", sagt Rabe.

Diese Entscheidung folgte letztlich auch der wachsenden Komplexität der Antriebskomponenten. „Wenn ich heute eine bestimmte Kurbel verwende, muss ich einen vorgegebenen Schalthebel nehmen", nennt Rabe ein Beispiel dafür, wie eingeschränkt die Möglichkeiten sind, heute eigene Räder zu konstruieren.

Hinzu kommt die Marktmacht der Hersteller. „Manchmal hatten wir ein Produkt entwickelt und ließen es bei einem Hersteller zusammenbauen. Ein Jahr später dann wurde mit kleinen Abweichungen vom selben Hersteller ein eigenes Rad zu einem niedrigeren Preis auf den Markt gebracht", so der 56-Jährige.

Das soll nun anders werden. Denn seit sechs Wochen kann Rabe in seinem Geschäft an der Lange Straße wieder eine Eigenmarke anbieten. Unter dem Schriftzug »Faible« gibt es vier verschieden Modelle: ein Trekkingrad, ein Stadtrad, ein Sportrad sowie ein E-Bike. Entstanden ist sie erneut aus dem VSF, der sich heute Verbund Service und Fahrrad nennt. Unter seinem Dach sind rund 200 Händler in ganz Deutschland zusammengeschlossen. Matthias Rabe ist einer von 15 Kommanditisten, die in die Faible GmbH und Co. KG investiert haben. Investiert auch in eine alte Idee: eigene Expertise in den Fahrradbau einfließen zu lassen. Entstanden sind Räder für Menschen, die, so Rabe, die ihr Rad intensiv in Alltag und Freizeit nutzen. Das Ziel: Robuste langlebige Alltagsräder auf den Markt zu bringen.

Aber welchen Vorteil bietet es einem Händler wie Avanti? „Wir treffen uns regelmäßig und haben die Möglichkeit, Räder so zu verändern, wie wir es für richtig halten. Darüber hinaus können wir, da diese Räder nur bei VSF-Händlern angeboten werden, Preisstabilität erreichen. Die Faible-Modelle gibt es nicht billiger in irgendwelchen Großmärkten", sagt Rabe.

Hersteller profitieren von Zusammenarbeit mit dem VSF

Der Rahmen wurde entworfen vom renommierten Rahmenbauer Dietmar Hertel. Das Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -sicherheit hat die Modelle zertifiziert. Hergestellt werden sie von Hermann Hartje KG in Hoya an der Weser (Landkreis Nienburg). Die Rahmen der Faible-Fahrräder werden in China gebaut und dort von Hoya-Mitarbeitern regelmäßig auf Qualität geprüft.

„Auch die Hersteller profitieren von der Zusammenarbeit mit dem VSF. Denn wir garantieren, dass die Räder nicht verramscht werden und sorgen so für stabile Preise", sagt Matthias Rabe. Diese Preise liegen zwischen 1000 und 2600 Euro für die unterschiedlichen Modelle und Ausführungen. „Hier haben wir beispielsweise eine Rohloff-Nabe. Sie lagert in Öl. Allein die Nabe kostet bereits 1000 Euro", sagt Matthias Rabe. In seinen Worten schwingt Anerkennung für dieses kleine technische Wunderwerk mit. Und es wird deutlich, mit wie viel Herz er nach all den Jahren noch immer an seine Arbeit herangeht.

Ein Faible-Rad hat er bereits verkauft. Es geht demnächst nach Magdeburg. „Wir haben viele Kunden, die ihr erstes Rad bei uns gekauft haben, dann weggezogen sind und schließlich wieder bei uns kaufen, wenn sie beispielsweise die Eltern besuchen", erklärt er. Sie wissen die gute Beratung zu schätzen und kennen das Faible von Matthias Rabe für seine Räder.

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