Osning-Bahn droht Insolvenz

Das Verfahren wurde Ende der vergangenen Woche eingeleitet. Den vor etwas mehr als sieben Jahren gegründeten Verein mit Sitz in Halle plagen offenbar die hohen Reparaturkosten. Zudem gibt es Zwist zwischen dem Vorstand und Darlehensgebern

Marc Uthmann

Die Osning-Bahn fährt durch die Region. - © HK
Die Osning-Bahn fährt durch die Region. (© HK)

Halle. Markenzeichen des Vereins und ganzer Stolz ist der orange-weiß-blaue, dreiteilige MAN-Schienenbus. Mit den zwischen 1958 und 1966 gebauten Wagen organisierten die Mitglieder Fahrten durch die Region – zu interessanten Ausflugszielen, Stadtfesten und Weihnachtsmärkten. Zudem konnte der Zug auch gechartert werden. Unter anderem war er auf der für den Personenverkehr stillgelegten Strecke zwischen Hövelhof und Bad Laer über Versmold unterwegs, aber auch auf den Schienen des Haller Willems.

Doch zuletzt stand er häufig in seinem Domizil in Bielefeld am Ringlokschuppen, die geplanten Fahrten zu den Weihnachtsmärkten hatte der Verein abgesagt. Und es erscheint unwahrscheinlich, dass er das zugleich gemachte Versprechen halten kann, 2018 neue Touren anzubieten. Rechtsanwalt Steffen Rudel-Heimann aus Bielefeld wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Hans-Jörg Korn aus dem Vorstandsteam reagiert überrascht auf die Anfrage des Haller Kreisblattes zur drohenden Insolvenz: „Wir hatten die Eröffnung des Verfahrens beantragt, aber dass die Dinge jetzt schon ihren Weg gehen, habe ich bislang noch nicht erfahren." Der Haller bestätigt finanzielle Probleme, die mit hohen Reparaturkosten und Darlehensverpflichtungen zusammenhingen, will sich allerdings mit Hinweis auf ein „schwebendes Verfahren" nicht weiter äußern.

Sein ehemaliger Vorstandskollege Stephan Schröder wird da deutlicher: „Darlehensgeber, zu denen auch ich gehöre, haben ihr Geld zurückgefordert." Um 45 000 Euro gehe es alleine bei ihm, so Schröder, insgesamt seien für den Verein Osning-Bahn 90 000 Euro offen. „Ich habe im November das Vorstandsteam verlassen und bin zum Jahresende aus dem Verein ausgetreten", sagt der Ex-Vorstand.

Es habe zuvor fortlaufende Unstimmigkeiten mit dem verbliebenen Vorstand gegeben, dabei ging es wohl vor allem um die Instandhaltung. „Ein Steuerwagen hatte im Mai 2016 einen Unfallschaden, der ab Jahresende 2016 repariert werden sollte – das wurde 2017 aber abgebrochen", sagt Stephan Schröder. Und im vergangenen Juli habe ein Motorwagen die Hauptuntersuchung nicht geschafft. „Der Verein war zuletzt noch mit zwei Wagen unterwegs, von denen einer geliehen war, ebenfalls nicht in bestem Zustand", kritisiert der Geldgeber.

Aber der Verein Osning-Bahn sei nun einmal auf „40 bis 50 Fahrten im Jahr" angewiesen, um auskömmlich zu wirtschaften. „Und das vergangene Jahr wäre eigentlich kein schlechtes geworden, wenn wir es vernünftig zu Ende gebracht hätten", betont Stephan Schröder. „Ich habe viel Arbeit und viel Geld in den Verein gesteckt. Irgendwann musste ich die Notbremse ziehen." Laut Schröder seien seinem Beispiel weitere Mitglieder gefolgt, von einst 60 nur noch rund 40 übrig.

Hans-Jörg Korn bezeichnet die Lage als „nicht einfach" zu überblicken. Nun ist es am Insolvenzverwalter, bei der Osning-Bahn klar Schiff zu machen. Und dann zu entscheiden, ob der Verein überhaupt eine Zukunft hat.

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