HalleKeine freien Betten im Krankenhaus

Die Kliniken im Kreis und im Umfeld sind überlastet

Uwe Pollmeier

Einfahrt verboten: Gerade in Zeiten saisonaler Erkrankungen, wie etwa in der Grippezeit zu Jahresbeginn, muss auch das Klinikum Halle der Leitstelle eine Überlastung melden. Diese stoppt dann für acht Stunden die Einlieferung in das Klinikum. Durchschnittlich etwa einmal pro Monat melden sich alle Kliniken im Kreis gleichzeitig ab. - © Foto: Uwe Pollmeier
Einfahrt verboten: Gerade in Zeiten saisonaler Erkrankungen, wie etwa in der Grippezeit zu Jahresbeginn, muss auch das Klinikum Halle der Leitstelle eine Überlastung melden. Diese stoppt dann für acht Stunden die Einlieferung in das Klinikum. Durchschnittlich etwa einmal pro Monat melden sich alle Kliniken im Kreis gleichzeitig ab. © Foto: Uwe Pollmeier

Halle. Überlastungen zwingen Kliniken zur Abmeldung bei der Leitstelle. Eine Wertheranerin mit Grippesymptomen wartet deshalb zwei Wochen auf einen Krankenhausplatz. Ein Klinikdirektor kritisiert den geplanten Bettenabbau.

„Das ist eine Situation, die so einfach nicht sein kann", sagt Dr. Matthias Stratmann. Der Allgemeinmediziner aus Werther hat kürzlich für eine Patientin mit Influenza-Symptomen vergeblich einen Krankenhausplatz gesucht. „Halle, Gütersloh, Bielefeld, Wiedenbrück, Melle und Warendorf hatten sich komplett abgemeldet", sagt Stratmann. Die Patientin ging schließlich wieder nach Hause, fand erst zwei Wochen später einen Platz in Halle.

„Es geht doch immer nur um die Wirtschaftlichkeit. Und die ist eben nicht gegeben, wenn ein Krankenhaus lediglich zu 70 Prozent ausgelastet ist", kritisiert Stratmann. Krankheiten seien aber nun einmal zeitlich nicht immer gleichmäßig verteilt. Mal bleiben Betten frei, mal brauchte man mehr.

Dass derzeit das NRW-Gesundheitsministerium plant, 188 Betten in den fünf Krankenhäusern im Kreis Gütersloh zu streichen (das HK berichtete), erscheint, angesichts der von Dr. Stratmann geschilderten und nach seiner Aussage nicht selten vorkommenden Situation, noch unverständlicher. Im Klinikum Halle fiele die Reduzierung um zehn Betten auf dann 170 Plätze noch recht moderat aus, dennoch gibt es offensichtlich auch hier schon jetzt kaum Spielraum.

Suche nach freien Betten dauert Stunden

„Wir können doch die Patienten nicht auf dem Dach lagern", sagt Dr. Hanraths, Ärztlicher Direktor des Klinikums Halle. „Wir sind nicht in der Situation, dass wir einen Bettenüberschuss haben", stellt Hanraths klar. Er sei manchmal ein bis zwei Stunden am Tag damit beschäftigt, ein Bett für einen Patienten zu finden. „Wir sind knapp auf Kante genäht", sagt der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. Darin läge, so der Mediziner, der einzige Grund für derartige Engpässe.

Dass sich ein Krankenhaus mal bei der Rettungsleitstelle abmeldet, ist sinnvoll, um Notfälle gezielter behandeln zu können. Er begrüßt somit auch das System, dass der Kreis Gütersloh vor einigen Jahren als einer fünf Pilotkreisen in NRW eingeführt hat. Das Problem sei, dass Kliniken überhaupt so häufig voll belegt seien.

„Krankenhäuser stoßen punktuell an ihre Kapazitätsgrenzen", sagt Thomas Kuhlbusch. Leiter des Fachbereichs Gesundheit, Ordnung und Recht beim Kreis Gütersloh. Über die kostenlose Internetplattform Krankenhaus-Kapazitätsnachweis im Informationssystem Gefahrenabwehr NRW (IG.NRW) können die einzelnen Krankenhäuser eine Überlastung anzeigen. „Wir sprechen bewusst von Überlastmeldungen und nicht von Abmeldungen, denn die sind gesetzlich nicht vorgesehen", sagt Kuhlbusch.

Notfälle sollen nicht abgewiesen werden

Dadurch werde vermieden, dass Notfälle direkt vor der Tür abgewiesen werden müssen. „Wir wollen den Patienten möglichst schnell die richtige Hilfe zukommen lassen", sagt Kuhlbusch. Ausgenommen davon sind akute Notfälle. „Die Verpflichtung zu helfen besteht", sagt Kuhlbusch. „Unser Rettungsdienst disponiert so, dass man schnellstmöglich Hilfe erhält."

Die Kriterien dafür legen die Kliniken selbst fest. Sie können dabei jedoch nicht den Status anderer Kliniken sehen, dieser Vergleich ist einzig und allein den Leitstellen vorbehalten. So wird ausgeschlossen, dass aus Bequemlichkeit Arbeit an andere abgegeben wird.

„Die Taktung ist sehr eng. Jeweils nach acht Stunden wird die Klinik automatisch wieder angemeldet", sagt Hanraths. Es müsste dann erneut eine Überlastmeldung erfolgen, die wiederum acht Stunden gültig wäre.

Zu beachten seien, so Hanraths, auch infektiöse Patienten. Bei diesen sei kein weiterer Patient im Zimmer möglich, so dass das zweite dort stehende Bett zwar leer bleibt, aber dennoch als belegt anzusehen ist. Somit sinkt die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze.

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