Die Todeszone schreckt den Borgholzhausener Jost Kobusch nicht

Ekkehard Hufendiek

Gipfelstürmer: Jost Kobusch zeigt beim Pressetermin in Schulzes Ladencafé Bilder und Videos vom imposanten Bergmassiv. - © Ekkehard Hufendiek
Gipfelstürmer: Jost Kobusch zeigt beim Pressetermin in Schulzes Ladencafé Bilder und Videos vom imposanten Bergmassiv. (© Ekkehard Hufendiek)

Borgholzhausen. Oberhalb von 7.000 Metern ist die Luft so dünn, dass der Körper nicht mehr regenerieren kann. Die Luft zum Atmen hat sich im Vergleich zur Meereshöhe halbiert. In dieser Höhe beginnt die Todeszone. Je länger sich ein Bergsteiger darin aufhält, desto näher ist er dem Tod. Jost Kobusch schreckt das nicht. Er ist Profibergsteiger und will in dieser Höhe mehrere Tage klettern, bis auf den Gipfel des Mount Everest – ein wagemutiges Vorhaben. „Ich will ans Maximum gehen", erklärt er am Donnerstag während eines Pressegespräches im Ladencafé Schulz.

"Alpinismus ist für mich der Aufbruch ins Unbekannte"

Jost Kobusch hat bislang einen Achttausender bestiegen: die Annapurna. Einen Berg, der mit 8.091 Metern der zehnthöchste Berg der Welt ist und als einer der gefährlichsten gilt. In den kommenden Wintermonaten will der 27-jährige Borgholzhausener höher hinaus. Solo und ohne zusätzlichen Sauerstoff ist der Mount Everest bereits bestiegen worden. In Kombination mit dem Winter gelang das aber noch keinem.

Ihm gehe es darum, Dinge zu tun, die vorher kein Mensch getan hat. „Alpinismus ist für mich der Aufbruch ins Unbekannte. Es bedeutet, Exploration zu betreiben", fügt er hinzu. Deswegen habe er die relativ einfache Normalroute über den Südgipfel für sich ausgeschlossen. Denn die ist mittlerweile annähernd touristisch erschlossen und kann mit viel Hilfe von einheimischen Helfern und reichlich Sauerstoffflaschen auch von weniger Trainierten gemeistert werden. „Das ist für mich kein Alpinismus", sagt Kobusch.

Schon die Ankunft in Nepal ist gefährlich

Am kommenden Sonntag bricht er von Frankfurt aus auf nach Nepal. Schon die Anreise mit dem Flugzeug ist gefährlich. Denn nach Zwischenstationen in Delhi und Kathmandu landet er schließlich auf einem der tückischsten Flughäfen der Welt: dem Tenzing-Hillary-Flughafen im nepalesischen Lukla, benannt nach den Erstbesteigern des Mount Everest, Edmund Hillary und Tenzing Norgay. Der liegt mehr als 2.800 Meter über Meereshöhe und hat nur eine rund 500 Meter lange und 30 Meter breite Landebahn, die vor einem Steilhang endet.

Im Hochgebirge des Himalaya angekommen, beginnt für den Borgholzhausener die lange Phase der Akklimatisierung. Jetzt setzt er alles daran, die drohende Höhenkrankheit zu vermeiden. Denn die roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren, werden erst nach zirka drei Wochen durch das Höhentraining angereichert. Deswegen verbringe er so viel Zeit für die Akklimatisierung.

Bei einem sportlichen Wettkampf wäre es Doping

Er unternimmt zunächst mit seinem Vater und seiner Schwester eine zweiwöchige Wanderung am Annapurna. Später will er sich allein intensiv auf den Soloaufstieg vorbereiten. So werde er einen Sechstausender und einen Siebentausender besteigen, sagt er lapidar, als wären die Berge zwei Stationen eines Bahnreisenden.

Anschließend steigt Kobusch in mehren Tagen bis auf 8.000 Meter hinauf und gleich wieder hinunter. „Mein Hämatokritwert wird später auf einem Wert sein, der bei einem sportlichen Wettkampf als Doping gilt", erklärt Jost Kobusch. Zwischen dem 22. Dezember und dem 29. Februar liegt das Zeitfenster, das er sich selbst gesetzt hat für den endgültigen Auf- und Abstieg.

Ameisensäure und Chilipulver gegen Erfrierungen

Dafür hat er sich eine schwierige Route vorgenommen: Er klettert vom Basislager auf die Westschulter durch das sogenannte Hornbein- Couloir, eine Steilschlucht, die bis etwa 150 Meter unter den Gipfel reicht. Jost Kobusch vertraut auf seine moderne Ausrüstung und seine ausgeklügelte Vorbereitung: „Ich rechne mir auf dieser Route die maximale Erfolgschance aus", sagt er. Um Erfrierungen an den Zehen zu vermeiden, streicht er sie mit Ameisensäure und Chilipulver ein. Einen Tracker hat er im Notfall ebenfalls dabei. Sollte er in der Todeszone festsitzen, drückt er auf einen SOS-Knopf.

Wer Kobuschs Weg zum Gipfel live verfolgen möchte, kann das auf jostkobusch.com tun.

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