Zwischen dem Medien-Rummel: Profi-Bergsteiger Jost Kobusch genießt den Heimatbesuch

Florian Gontek

Sicher rauf und wieder runter: Jost, 72 Kilo schwer, wurde von Yasin, Jan, Hannes und Timo mit aller Kraft gesichert. - © Florian Gontek
Sicher rauf und wieder runter: Jost, 72 Kilo schwer, wurde von Yasin, Jan, Hannes und Timo mit aller Kraft gesichert. (© Florian Gontek)

Borgholzhausen. Jost Kobusch werden an diesem Montag viele Fragen gestellt. Der WDR dreht in seinem Elternhaus, später ruft der Deutschlandfunk an. Thema: Massentourismus am Everest. Große, deutsche Nachrichtenmagazine werden ihn in nächster Zeit mit Erzählgeschichten covern. Da tut ein bisschen Normalität gut. Borgholzhausen. Heimat. Familie. Dort, wo alles angefangen hat: Das Klettern, der gelebte Traum; dort, wo alle den Jost kennen – und andere Fragen gestellt werden.

"Kann man Wolken essen?"

„Kann man Wolken essen?", will ein Schüler der 5 Viola an diesem Montagmorgen von Jost wissen. „Das hat mich noch nie jemand gefragt", sagt der Profi-Extrembergesteiger lachend, der vor zwei Jahren sein erstes Buch geschrieben hat.

Jost (26) ist an die Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule nach Borgholzhausen gekommen, um von seinem Weg zu erzählen. Hier machte er 2012 als Bester seines Jahrgangs mit einem Schnitt von 1,2 sein Abitur. Ulrich Fälker, der Klassenlehrer der 5 Viola, hat Jost eingeladen. Fälker nahm Jost – damals zwölf Jahre alt – in seiner Kletter-AG einst die Angst vor der Höhe und zeigte ihm später, im Erdkunde-LK, die Berge, die Jost selbst einmal besteigen sollte. Ama Dablam. Pik Lenin. Annapurna.

Josts Weg fasziniert die Schüler – ob Fünftklässler oder Zwölftklässler

Jost beantwortet an diesem Vormittag nicht nur Fragen, er zeigt auch Fotos und Videos. Erzählt von Momenten auf dem Gipfel und davon, wie zermürbend der Weg dorthin manchmal sein kann. Das fasziniert. Die Fünftklässler oder am Nachmittag Ulrich Fälkers Erdkunde-LK aus der Zwölf, von denen viele im Juni auf Alpen-Exkursion aufbrechen.

Der Sonne entgegen: Jost Kobusch kletterte am Montagmittag gemeinsam mit den Fünftklässlern der Peter-August-Böckstiegel Gesamtschule am Kletterturm der Schule. - © Florian Gontek
Der Sonne entgegen: Jost Kobusch kletterte am Montagmittag gemeinsam mit den Fünftklässlern der Peter-August-Böckstiegel Gesamtschule am Kletterturm der Schule. (© Florian Gontek)


Die kommt für Mohamad (12) noch etwas zu früh – dennoch ist er gebannt von dem, was er am Vormittag erlebt hat. „Mich interessiert einfach, wie Jost das hinbekommen hat?", sagt er. Ein Dreivierteljahr klettert Mohammad im offenen Mittagsangebot mit, das Ulrich Fälker am Kletterturm der Schule anbietet. „Klettern ist Mut, aber auch Verantwortung füreinander", sagt Fälker. Fast alle von seinen Schülern aus der 5 Viola sind dabei. Und staunen, wenn Profi Jost die Wand hochgeht. „Man ist schon aufgeregt", sagt Yasin (11), der Jost gemeinsam mit Jan, Hannes und Timo sichert. „Lasst mich vorsichtig runter", ruft Jost.

Er muss gesund sein für das, was in nächster Zeit auf ihn wartet. Erst segeln in abgelegenen Regionen der Arktis. Dann, im September, wartet wohl der nächste große Gipfel. Welcher das ist, möchte Jost noch nicht verraten. Ein paar Fragen, die sollen schon noch offen bleiben – Heimat hin oder her.

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