2.000 Radler aus Gütersloh und Bielefeld protestieren gegen Ausbau der B 61

Der Aufruf zum Protest kommt an. 2.000 Menschen radeln über die Bundesstraße und fordern die Politik zum sofortigen Umdenken auf.

Jeanette Salzmann

Ingold Klee steigt in Ummeln von seinem Fahrrad, holt ein Schild vom Gepäckträger und fordert alle 2.000 Protestanten zur "Verkehrswende" auf. - © Andreas Frücht
Ingold Klee steigt in Ummeln von seinem Fahrrad, holt ein Schild vom Gepäckträger und fordert alle 2.000 Protestanten zur "Verkehrswende" auf. (© Andreas Frücht)

Gütersloh. Auf dem Pappschild steht mit Pinsel gemalt: "Verkehrswende". Ingold Klee steigt in Ummeln von seinem Fahrrad, holt das Schild vom Gepäckträger, stellt sich mitten auf die Bundesstraße 61 und hält es hoch: „So Leute, jetzt machen wir eine 180-Grad-Verkehrswende!" Der kilometerlange radelnde Demonstrationszug folgt der symbolischen Aufforderung – schließlich sind sie genau deswegen hier.

„Dafür, dass ich diese Fahrrad-Demo erst vor 18 Tagen angemeldet habe, sind verdammt viele zusammengekommen", freut sich Initiatorin Anette Klee aus Isselhorst. 2.000 Radler aus Gütersloh und Bielefeld zählt die Polizei. Aus beiden Richtungen kommen sie geradelt. Die Gütersloher starten vom Konrad-Adenauer-Platz.

Fahrraddemo in Gütersloh gegen den vierspurigen Ausbau der B61

Fällung der Linden ist nicht gewollt

Auf dem Sattel sitzend wird gegen den geplanten vierspurigen Ausbau der B61 demonstriert. Damit einher geht wohl die Fällung der Linden entlang der Bundesstraße. 480 an der Zahl von der Ausbautrasse Süd in Ummeln bis nach Gütersloh – gezählt von der Gemeinschaft „Bürger für Ummeln". 25.000 Jungbäume müsse man pflanzen, wolle man den CO2-Wert dieser Bäume ersetzen. „Was man hier kaputt macht, kann man schon rein flächenmäßig gar nicht wieder aufbauen", erklärt Jürgen Hartmann.

Ingold Klee hat sich die Pläne von Straßen NRW angesehen und sagt: „25 Meter werden gebraucht, um den Ausbau vornehmen zu können. Das geht nur, indem die Bäume gefällt werden." Der Elektro-Ingenieur weiß, dass der Verlust der Linden die Leute emotional betroffen macht. „Vermutlich wären heute deutlich weniger Menschen hier, wäre die Öffentlichkeit durch die Bemalung der Bäume vor zwei Wochen nicht wachgerüttelt worden."„Straßen fressen Bäume" ist wieder zu lesen – die schwarze Folie über den weißen Schriftzügen auf der Baumrinde ist auf Bielefelder Gebiet an einigen Linden entfernt worden. „Wir wollen den Ausbau nicht", spricht Anette Klee ins Mikrofon, „ nicht jetzt und nicht später. Und auch nicht 200 Meter weiter weg. Wir wollen eine echte Verkehrswende." Donnernder Applaus auf der Kreuzung Isselhorster Straße/B61, wo die Demonstranten von beiden Städten zur Kundgebung zusammenkommen. „Ich habe immer geglaubt, das machen die nie. Die Idee des B61-Ausbaus ist ganz weit weg. Ist sie aber nicht. Wir haben keine Zeit mehr. Deshalb fordern wir sofort Investitionen in alternative Radstraßen und den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs."

Vergangene Wochen waren arbeitsreich

Sechs Mitorganisatoren hat das Ehepaar Klee. In den vergangenen drei Wochen war viel zu tun. „Wir haben an jeder Haustür entlang der B61 geschellt und mit den Bewohnern gesprochen", erklärt Ingold Klee. Gespräche mit den Hauseigentümern hätten kaum stattgefunden, denn „die meisten Wohnungen entlang der Straße sind vermietet." Die Mieter hingegen seien nur begrenzt in Sorge, denn im Zweifel könnten sie der Situation entkommen.

Werner Wörmann kann nicht entkommen. Er wohnt in seinem Haus Nr. 372 auf Bielefelder Grund. „Es ist wahnsinnig laut", sagt er. Will er mit dem Auto nach Ummeln, fährt er zunächst Richtung Gütersloh und dreht auf dem Parkplatz des Einzelhändlers gegenüber. „Sonst kommt man hier nicht vom Grundstück." Den Ausbau der B61 sowie die Ortsumgehung Ummeln sieht er kritisch. „Schon vor 40 Jahren wollte man den Ostwestfalendamm an der Bahnschiene Richtung Gütersloh weiterführen", erinnert er und fügt an: „Die Bielefelder haben es nicht geregelt bekommen und die Gütersloh haben irgendwann den Ortsteil Avenwedde-Bahnhof ausgebaut."

„Wir können nicht um jeden Stau den wir erkennen eine Straße drumrumbauen", sagt Ingold Klee. Die Zeit sei vorbei. Straßen NRW prognostiziert, dass nach dem vierspurigen Ausbau der B61 das Verkehrsaufkommen um weitere 7.000 Fahrzeuge pro Tag steigt. Die Fahrrad-Aktivisten sprechen eine Befürchtung laut aus: „Als nächstes kommt dann die Ortsumgehung Gütersloh."

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