LokalsportKein Teamsport im Lockdown: Wie stark leiden Kinder wirklich unter den Folgen?

Wissenschaftler, Sportfunktionäre und auch Eltern sind sich einig: Die neuen Einschränkungen der Politik, die unter anderem das Fußball- oder Handballtraining untersagen, schaden der Entwicklung des Nachwuchses. Doch wie denken eigentlich die Betroffenen darüber?

Dennis Bleck

Den jungen Fuß- und Handballern fehlt der Sport derzeit besonders. Das zeigen auch die Zitate. - © Sven Hauhart
Den jungen Fuß- und Handballern fehlt der Sport derzeit besonders. Das zeigen auch die Zitate. © Sven Hauhart

Altkreis Halle. Es sind schwierige Zeiten für Sportdeutschland. „Bitte bleibt mit uns zusammen aktiv", hat Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes jüngst in einer Videobotschaft gesagt. Ein fast flehender Appell. Und einer, der Fragen aufwirft. Wie soll das in einer Zeit gehen, in der Sportanlagen, Fußballplätze, Turnhallen oder Schwimmbäder für den Vereinssport geschlossen sind? Wie sollen sich vor allem Kinder motivieren, allein in Bewegung zu bleiben? Schnürt ein achtjähriger Fußballer jetzt die Laufschuhe?

Wohl kaum, da sind sich Sportwissenschaftler, hochrangige Verbandsfunktionäre aber auch Ehrenamtler an der Basis einig. Gerade der Nachwuchs braucht den Sport, braucht die Bewegung. Er leidet besonders unter dem neuen Lockdown. Rufe nach Lockerungen der Einschränkungen im Amateur- und Jugendsport werden daher immer lauter.

In anderen Bundesländern ist das Trainieren weiter erlaubt

Einen Vorstoß hat Mecklenburg-Vorpommern gewagt. Das Bundesland hat die beschlossenen Lockdown-Regeln nicht Eins-zu-Eins umgesetzt. Dort dürfen Kinder und Jugendliche im organisierten Freizeit- und Amateursport auch mit der Mannschaft trainieren. Für die Übungseinheiten gilt die Einteilung fester Gruppen und die Einhaltung der Hygieneregeln. In Berlin ist Kindern bis zwölf Jahren das Training an der frischen Luft in festen Gruppen von bis zu zehn Personen erlaubt.

Auch in den Niederlanden und der Schweiz, in der Kontaktsportarten wegen Corona derzeit ebenfalls verboten sind, gibt es Ausnahmen für Kinder und Jugendliche. Zumindest der Trainingsbetrieb ist dort möglich. Können diese Beispiele als Vorbilder für NRW dienen?

DFB appelliert an die Politik: Training erlauben!

Wenn es nach Hans Feuß, Vorsitzenden des Kreissportbundes, geht, dann schon. Im Interview mit dem Haller Kreisblattforderte er erst am Samstag, dass die Politik im Dezember zumindest den Trainingsbetrieb unter Auflagen wieder erlaubt. Die Signale, die er diesbezüglich aus Düsseldorf empfange, seien allerdings positiv, so Feuß.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und seine Landesverbände haben dieser Tage einen dringlichen Appell an die Politik gerichtet, zumindest das Training im Freien wieder zu zulassen. „Nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen und Zahlen birgt die Ausübung von Freiluftsport- auch in Mannschaftssportarten – kaum ein Ansteckungsrisiko", sagt DFB-Präsident Fritz Keller. Der Sport sei kein Treiber des Virus. Vielmehr trage er zum seelischen und gesundheitlichen Wohlbefinden bei. Vor diesem Hintergrund und in Verbindung mit den bewährten Hygienekonzepten sei es wichtig, vor allem den Kindern und Jugendlichen schnell wieder die Möglichkeit zu bieten, ihren Bewegungsdrang gemeinsam im sportlichen Trainingsbetrieb auszuüben.

Studien belegen: Lockdown schadet der Entwicklung

Laut einer Studie der Universität Münster, die sich mit der Bewegung von 1.060 Kindern und Jugendlichen in Zeiten von Kontaktbeschränkungen befasste, hatte bereits der erste Lockdown im Frühjahr fatale Folgen für den Nachwuchs: Der Medienkonsum stieg erschreckend an, während die sportlichen Aktivitäten gleichzeitig drastisch abnahmen. Die Folgen sind Übergewicht, Krankheiten, sogar Depressionen.

Schon vor Corona hieß es in einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation, dass vier von fünf Kindern und Jugendlichen in Deutschland die empfohlene Bewegung von mindestens 60 Minuten am Tag nicht erreichen. Insbesondere Mädchen aus sozial schwachen Familien sind davon betroffen.

Das sagen die Betroffenen selbst über die Maßnahmen

Oskar Hawes (12), Handballer bei der JSG Hesselteich-Loxten: „Ich finde es doof, dass der Amateursport aktuell verboten ist, weil mir Sport Spaß macht. Ich trage während des gesamten Unterrichts eine Maske, beim Handball, Fußball und Tennis habe ich mich immer an die Regeln gehalten, keiner in meinem Umfeld hat sich infiziert – mich nervt das."

Hanna Springer (13), Handballerin bei der JSG-Hesselteich-Loxten: „Ich finde das total doof. Ich habe kein Verständnis dafür, dass man mit den gleichen Mädchen in der Schule sitzt und nachmittags nicht zusammen trainieren darf."

Andjelina Vesovic (13), Handballerin bei JSG Hesselteich-Loxten: „Sehr schade, dass wir nicht trainieren dürfen. Es fehlt mir sehr. Überfüllte Busse und Bahnen sind in Ordnung, aber Training nicht. Warum darf zum Beispiel Profi-Fußball gespielt werden? Es wird einem alles genommen. Nur die doofe Maske bleibt."

Tom Ludewig (14), Handballer bei der JSG Hesselteich-Loxten: „Gesundheit geht vor! Dann wird eben mal wieder individuell joggen gegangen."

Yannik Loos (14), Handballer bei der JSG-Hesselteich-Loxten: „Kein Handball spielen zu dürfen, ist ziemlich doof. Ich hoffe, wir können mit der Saison im Januar starten, ansonsten wird es echt langweilig."

Tom Eckstein (13), Handballer bei der JSG Hesselteich-Loxten und Fußballer bei der JSG Oesterweg/Peckeloh: „Du stehst morgens auf und hast – außer Schule – nichts vor. Wie doof ist das denn?!"

Noel Stefanizzi (13), Handballer bei der JSG Hesselteich-Loxten: „Als Mannschaftssportler fehlt mir in der Corona-Zeit einfach das Teamgefühl, das kann kein Joggen wegmachen."

Liz Eckstein (13), Handballerin bei der JSG-Hesselteich-Loxten: „Die Serie ist gerade gestartet und wird direkt wieder ausgesetzt. Wir haben so darauf hintrainiert – echt blöd!"

Jean-Michel Krapp (14) Fußballer bei der JSG Peckeloh/Oesterweg: „Ich finde es gut, dass die Trainer sich etwas überlegt haben, um uns in Bewegung zu halten. Ich finde aber nicht fair, dass die Profis weiterspielen dürfen und wir dürfen es nicht. Ist Corona nur im Amateursport gefährlich? Corona kann nicht unterscheiden, ob Profi oder Amateure."

Ben Hamann (9), Fußballer beim SC Halle: „Ich finde das Sportverbot richtig blöd. Ich vermisse die Jungs aus meiner Mannschaft."

Luis Crespo (13), Fußballer bei der JSG Peckeloh/Peckeloh: „Ich finde es blöd, dass kein Training mehr ist. Sich alleine zu motivieren, ist manchmal ganz schön schwer – gerade, was das Laufen angeht."

Julius Ellerweg (12), Handballer, „Ich vermisse mein Handballtraining. Alleine Sport machen ist doof."

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.