Welche Gefahr Smart Toys im Kinderzimmer darstellen

Mit Technik vollgestopfte Smart Toys sind beliebte Weihnachtsgeschenke. Doch die Geräte bergen Risiken. Experten geben Tipps, worauf beim Kauf zu achten ist.

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Roboter sind sehr offensichtlich intelligente Spielzeuge. - © Pexels
Roboter sind sehr offensichtlich intelligente Spielzeuge. (© Pexels)

Bielefeld. Schön eingepackt liegt es am Heiligabend in vielen Wohnzimmern unter den Weihnachtsbäumen: das neue Spielzeug für Kinder. Und es ist mitunter vollgestopft mit Technik. Die Puppe kann reden, das Kuscheltier ist vernetzt und die Vorlese-Lautsprecherbox wird über eine App gesteuert. "Smart Toys" heißen solche Geräte, vor denen die Bundesnetzagentur warnt. Experten geben Rat, worauf man beim Kauf und der Nutzung von intelligentem Spielzeug achten sollte.

Was ist smartes Spielzeug?
Smart Toys sind Spielzeuge, die durch eingebaute Software auf ihre Umgebung und das Kind reagieren. Zum Beispiel, indem sich die Kinder mit dem Spielgerät unterhalten können. Oder das Buch lässt sich mit einem speziellen Stift steuern und macht dann Geräusche. Manche Smart Toys benutzen für das Spielerlebnis integrierte Mikrofone und Kameras. Auch gibt es Geräte, für die eine Anbindung an das Internet notwendig ist. "Das wird immer mehr", sagt die Medienpädagogin Jessica Wawrzyniak vom Bielefelder Verein Digitalcourage.

Welches intelligente Spielzeug ist erlaubt?
Wenn ein Spielzeug über eine Wlan- oder Bluetooth-Schnittstelle vernetzt ist, sollte man genauer hinschauen. "Smarte Spielzeuge sehen oft harmlos aus", sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetz-agentur. "Sobald sie jedoch unbemerkt Ton oder Bild aufnehmen und diese Daten weitersenden können, sind sie verboten." Aufsehen erregte im Jahr 2017 der Fall der Puppe "Cayla", die von der Bundesnetzagentur als versteckte funkfähige Sendeanlage eingestuft wurde. Die Behörde zog die Puppe aus dem Verkehr.

Auch Spielzeug, das keine Ton- und Bildaufnahmen anfertigt oder gar versendet, aber trotzdem Kontakt zum Internet hat, sieht Medienpädagogin Wawrzyniak kritisch. Etwa über verpflichtende Apps, ohne die das Smart Toy nicht funktioniert, würden Daten über das Nutzungsverhalten gesammelt. "Das landet dann meist auf Servern in den USA und in China", sagt Wawrzyniak. „Schon Kinder werden zu gläsernen Menschen."

Sind erlaubte Smart Toys sicher?
"Ich würde für kein Gerät, das die Verbindung nach außen sucht, die Hand ins Feuer legen", sagt Heiko Franke, IT-Sicherheitsexperte aus Gütersloh. Dies beträfe die Wlan-Steckdose wie den Mähroboter und das intelligente Spielzeug. Vernetzte Produkte verbinden sich etwa mit dem Internet, um Updates auszuführen, und öffnen dadurch Sicherheitslücken.

Das zeigt ein Test der Sicherheitsfirma IoT Inspector. Das Unternehmen hat sechs potenzielle Weihnachtsgeschenke untersucht, 7.339 Schwachstellen hat es festgestellt. Laut IoT Inspector würden grundlegende Sicherheitsmaßnahmen oft nicht eingehalten. "So nutzen die Hersteller für ihre Updates teilweise unverschlüsselte Transportwege", heißt es. Cyberkriminelle könnten dann den Datenverkehr umleiten und Malware einschleusen.

Worauf sollte beim Kauf geachtet werden?
Vor dem Kauf sollte man überlegen, ob das Smart Toy einen wirklichen Mehrwert liefert, meint Jessica Wawrzyniak. "Man muss sich bei jeder Funktion fragen: Ist sie notwendig?" Die Käufer sollten nachschauen, welche Schnittstellen das Spielzeug hat, welche Nutzungs- und Datenschutzbedingungen gelten und ob sich eine eingebaute Kamera oder ein Mikro ausschalten lassen. Eine kurze Internetrecherche könne klären, ob das Produkt bereits negativ aufgefallen ist.

Welche Tipps gibt es für die Nutzung?
Wenn zu dem Spielzeug eine App gehört, sollten deren Einstellungen überprüft und gegebenenfalls Daten-Übermittlungen ausgeschaltet werden, empfiehlt Wawrzyniak. "Und wenn man das Gerät nicht nutzt, würde ich die Batterien entfernen." Sie rät auch dazu, per Mail oder Brief eine Datenabfrage bei dem Unternehmen zu starten. Nach der Datenschutz-Grundverordnung habe jeder das Recht dazu. "Man kann etwa nachfragen: Welche Daten habt ihr von mir? Wann löscht ihr sie?", so Wawrzyniak

Um sich vor Angriffen von außen zu schützen, hat IT-Sicherheitsexperte Franke zudem noch einen Tipp: "Nicht überall den gleichen Benutzernamen und das gleiche Passwort verwenden."

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