Trotz sinkender Zahlen: Diese Corona-Regeln gelten ab jetzt in Bielefeld

Die Stadt Bielefeld meldet so hohe Infektionszahlen, dass auch ein weiterer Grenzwert geknackt wird. Deshalb werden die Einschränkungen noch einmal verschärft.

Stefan Becker, Ingo Kalischek

Gastronomie, Restaurants und Kneipen dürfen ab jetzt in der Zeit von 23 bis 6 Uhr vorerst nicht mehr öffnen. An Verkaufsständen gilt in dieser Zeit ein Alkoholverbot.  - © Oliver Krato
Gastronomie, Restaurants und Kneipen dürfen ab jetzt in der Zeit von 23 bis 6 Uhr vorerst nicht mehr öffnen. An Verkaufsständen gilt in dieser Zeit ein Alkoholverbot.  (© Oliver Krato)

Bielefeld. Nach zwei Tagen mit sprunghaften Anstiegen bei den Corona-Neuinfizierten sinkt dieser Wert nun erstmals wieder. Wie das Robert-Koch-Institut am Samstagmorgen auf seiner Übersichtsseite mitteilt, meldete das Bielefelder Gesundheitsamt 17 Neuinfizierte an die Behörde. Damit sinkt die Neuinfektionsrate genau auf den Grenzwert von 50.

Seit dem Ausbruch der Pandemie zählt Bielefeld 1.218 Corona-Infektionen. Am Freitag lag die Zahl bei 1.201. Die hohen Infektionszahlen von 49 (Donnerstag) und 43 (Freitag) katapultierten die Neuinfektionsrate in der Stadt auf den Wert von 51,5 und machten Bielefeld über Nacht zum Risikogebiet. Am heutigen Samstag befindet sich Bielefeld für den Moment zwar nicht mehr im roten Bereich. Die Hotspot-Regeln gelten aber weiterhin. Eine Übersicht:

DIE NEUEN REGELN

Ab Samstag, 0 Uhr, gelten für die Bielefelder die Vorgaben aus der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW:

  • Erlaubte Kontakte im öffentlichen Raum werden auf fünf Personen verringert – das betrifft zum Beispiel Spielplätze und Fußgängerzonen.
  • Private Feiern in der Öffentlichkeit dürfen nur noch mit maximal zehn Teilnehmern stattfinden. Für private Feiern zu Hause gibt es weiterhin keine Grenze.
  • Für Gastronomie, Kneipen und Restaurants gilt von 23 bis 6 Uhr eine Sperrstunde. In dieser Zeit müssen sie schließen. Verkaufsstände dürfen in dieser Zeit keinen Alkohol verkaufen.
  • Es gilt eine erweiterte Maskenpflicht. Dort, wo sich viele Menschen auf engem Raum befinden, sollen Masken getragen werden. In Bielefeld trifft das beispielsweise auf Einkaufstraßen und Wochenmärkte zu. Die Stadt erarbeitet derzeit aber noch eine Allgemeinverfügung, in der die konkreten Bereiche für die Maskenpflicht aufgelistet werden. Damit ist am Montag zu rechnen. Der Tierpark Olderdissen teilt mit, dass das Gelände nur noch mit Mund-Nasen-Schutz betreten werden darf.
  • Zu Veranstaltungen – draußen und drinnen – sind maximal 100 Menschen zugelassen. Was das konkret für das Bielefelder Theater bedeutet, konnte der Krisenstab am Freitagnachmittag noch nicht mitteilen. „Wir warten auf verlässliche Informationen vom Land NRW", sagte Schul- und Kulturdezernent Udo Witthaus. Das Event „Hot-Chill-Battle" am Sonntag wurde vom Veranstalter abgesagt.

TESTS FÜR URLAUBER
Im Corona-Testzentrum an der Feldstraße reicht Jannes Siek (r.) Leonie Retemeier ein Informationsblatt.  - © Wolfgang Rudolf
Im Corona-Testzentrum an der Feldstraße reicht Jannes Siek (r.) Leonie Retemeier ein Informationsblatt.  (© Wolfgang Rudolf)

Das Gesundheitsamt bietet Bielefeldern, die in den Urlaub wollen, kostenlose Corona-Tests an – auf dem Gelände von Kahmann und Ellerbrock in der Feldstraße 60 im Osten der Stadt. Dafür müssen diese eine Buchungsbestätigung und die Krankenkassenkarte vorlegen. Bielefelder können sich dort bis zum 25. Oktober täglich zwischen 10 und 12 Uhr testen lassen. Es gibt keine Gewähr dafür, dass das Ergebnis innerhalb von 48 Stunden vorliegt. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Am Freitag war der Andrang innerhalb kurzer Zeit so groß, dass es rund um den Bereich zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kam. Einige Bielefelder berichteten, dass sie mehr als zwei Stunden warten mussten.

KRANKENHÄUSER, HEIME

Von den Bielefelder Krankenhäusern lassen das Evangelische Klinikum Bethel (EvKB) und das Krankenhaus Mara ab Samstag keine Patientenbesuche mehr zu. Das Klinikum Mitte bleibt für Patienten vorerst geöffnet. Auch das Franziskus-Hospital hält an seiner bestehenden Besucherregelung fest. Die AWO bietet in ihren Bielefelder Einrichtungen weiterhin festgelegte Besuchszeiten an – gemäß der Corona-Schutzverordnung. Die Stadt wird ab Montag in Alters- und Pflegeheimen „massiv" Schnelltests durchführen, kündigt Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger an.

DIE ENTWICKLUNG

In den Krankenhäusern sei die Lage derzeit „halbwegs entspannt", sagt Nürnberger. Es gebe dort relativ wenige Schwerkranke im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Zugleich sagt der Krisenstabsleiter: „Wir müssen davon ausgehen, dass wir vielleicht die nächsten Wochen über steigende Zahlen haben werden." Dann werde sich auch die Lage in den Krankenhäusern ändern. Die Infektionen würden aktuell stark in „ganz viele Bereiche" streuen – Haushalte, Schulen und Heime. Die täglichen Zahlen steigen seit knapp zwei Wochen. Der Krisenstab brachte während einer Pressekonferenz mehrfach seinen Unmut über die schlechte Kommunikationspolitik des Landes NRW zum Ausdruck.

Tim, Lenny, Oskar, Hugo auf dem Arm von Mutter Maike Schmelter und Ehemann Sebastian Schmelter (v.l.) tragen im Tierpark Olderdissen Masken.  - © Wolfgang Rudolf
Tim, Lenny, Oskar, Hugo auf dem Arm von Mutter Maike Schmelter und Ehemann Sebastian Schmelter (v.l.) tragen im Tierpark Olderdissen Masken.  (© Wolfgang Rudolf)
ARMINIA BIELEFELD

Am Freitagabend hat die Stadt den DSC Arminia Bielefeld darüber informiert, dass das Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Bayern München am Samstag in der Schüco-Arena wegen des aktuellen Inzidenzwertes komplett ohne Zuschauer ausgetragen werden muss.

DIE EINSCHÄTZUNG

Nürnberger spricht von „erheblichen Einschränkungen für die Bielefelder". Erst, wenn die Stadt sieben Tage lang unter dem Grenzwert von 50 liegt, werden sie gelockert. Zur aktuellen Lage sagt Nürnberger: „Es ist nicht so, dass wir mitten im Orkan stehen. Wir können jetzt alle dafür sorgen, dass daraus keine Katastrophe wird." Er bittet darum, soziale Kontakte zu reduzieren und möglichst oft einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

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