Mehr Schwangerschaften in OWL durch Corona-Lockdown

Hebammen und Frauenärzte in der Region haben gut zu tun. Offenbar haben viele Paare den März und April für die Familienplanung genutzt.

Anneke Quasdorf

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Bielefeld. Viel Zeit zu Hause und viel Zeit zu Zweit – die Bedingungen des Lockdowns in Deutschland und auch in Ostwestfalen-Lippe haben offenbar nicht nur den Kondomverbrauch in die Höhe getrieben. Hebammen und Gynäkologen in der Region verzeichnen derzeit deutlich mehr Schwangerschaften als sonst in dieser Zeit.

Gut ein Drittel mehr Schwangerschaften registrieren die Hebammen. „Wir sind ja untereinander gut vernetzt", sagt Barbara Blomeier, Geburtshelferin aus Bielefeld und Erste Vorsitzende des Hebammenverbandes von Nordrhein-Westfalen. „Ich kriege das von sehr vielen Kolleginnen rückgemeldet und merke auch selbst, dass die Zahl der Schwangerschaften, die in der Zeit des Lockdowns entstanden sein müssen, deutlich angestiegen ist."

Auch der Bielefelder Gynäkologe Alexander Fischer, der eine Gemeinschaftspraxis führt, hat in Sachen Früherkennung und Schwangerschaftsvorsorge erkennbar mehr zu tun. „Wir erheben hier natürlich keine Statistik. Aber so 10 bis 20 Prozent mehr Schwangerschaften als sonst in dieser Zeit dürften es schon sein." Er weist allerdings darauf hin, dass eindeutige Tendenzen erst mit den Geburtenzahlen erkennbar würden. „Aber ich denke schon, dass es sich lohnt, im Dezember und Januar mal genau hinzugucken, was der Lockdown da bewirkt hat."

Endgültige Klarheit erst über Geburtenzahlen

Auch Fischers Kollege Rolf Englisch, Gynäkologe und Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte, registriert in seiner Praxis sehr viele Schwangerschaften. „Wir haben ordentlich zu tun zur Zeit." Er möchte aber, wie Fischer, die Geburtenzahlen abwarten, bevor er wirklich von einem Corona-Babyboom spricht. „Das ist einfach ein viel seriöserer Indikator. Das andere ist eher so eine gefühlte Evidenz."

Dass sich die Menschen während der Zeit des „Social Distancing" durchaus auf erlaubter Ebene auch näher gekommen sind, hatten zuletzt Zahlen des Kondomherstellers Ritex belegt. Corona hat bei dem Bielefelder Kondom-Hersteller für einen Rekord gesorgt.
Das Unternehmen fuhr nach eigenen Angaben im März diesen Jahres den stärksten Umsatz aller Zeiten ein. Rund 12,7 Millionen Kondome wurden verkauft – das sind fast doppelt so viele, wie im März vor einem Jahr.

Der Geschäftsführer begründet das nicht nur mit Hamsterkäufen, sondern auch damit, dass sich Paare während des Lockdowns wieder nähergekommen sind. Mittlerweile habe sich der Absatz aber wieder normalisiert.

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