Autor und Satiriker Wiglaf Droste tot

Einer der bekanntesten Söhne Herfords ist tot. Droste starb nach schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren im fränkischen Pottenstein.

veröffentlicht

Trauer um Wiglaf Droste: Der Satiriker ist im Alter von 57 Jahren gestorben. - © Ulf Hanke
Trauer um Wiglaf Droste: Der Satiriker ist im Alter von 57 Jahren gestorben. (© Ulf Hanke)

Herford. Einer der bekanntesten Söhne Herfords, der Autor und Satiriker Wiglaf Droste, ist tot. Droste starb nach schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren im fränkischen Pottenstein, meldete die Zeitung junge Welt unter Berufung auf den engsten Familienkreis.

Der Wortakrobat, bekannt für satirische Schärfe und Nachdenklichkeit, wurde 1961 in Herford geboren und besuchte dort das Gymnasium. 1983 ging er nach Berlin - blieb aber der Region mit zahlreichen Auftritten treu. Einer seiner letzten Auftritte in der Region fand im Dezember 2018 im Bielefelder Bunker Ulmenwall statt, wo er während seiner traditionellen "Bielefelder Winterreise" mit Journalist Friedrich Küppersbusch und "Frau Ado und die Goldkante" unter anderem ausgewählte Schätze der Unterhaltungsmusik seit den 30ern vortrug.

Er war Redakteur bei der Titanic und der Tageszeitung taz, schrieb Bücher und Kolumnen und trat als Sänger auf. Seine Polemik war legendär - und mitunter verletzend. So eckte er beispielsweise mit Beiträgen an, die als Sexismus gewertet wurden, Feministinnen und Autonome störten in den 1990ern seine Lesungen. An der sprachlichen Qualität seiner Texte, an der er bis ins Detail feilte, gab es dagegen nie Zweifel. Selbst seine Kritiker gestanden ihm einen formvollendeten Wortwitz zu, der ihm zur satirischen Zuspitzung und Polarisierung seiner Themen diene.

"Tucholsky unserer Tage"

Von 1999 bis 2013 gab er zusammen mit Sterne-Koch Vincent Klink die kulinarische Vierteljahreszeitschrift "Häuptling eigener Herd" heraus. Legendär auch seine Zusammenarbeit mit dem "Spardosen-Terzett", das Droste als Sänger und Texter bereicherte: "Frauen nicht mehr klammern / In der Gruppe jammern / Männergruppe gründen / Gründe dafür finden".

Zu den Auszeichnungen, die der Künstler erhielt, gehörte 2005 der Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis. Drostes umfangreiches Werk zeuge von so hoher "sprachlicher Virtuosität", dass sich Vergleiche mit Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Heinrich Heine aufdrängten, hieß es damals. Der Preisträger habe seine Vorgänger jedoch nicht kopiert, sondern einen eigenen, unverwechselbaren Ton gefunden. Im Juni 2018 wurde ihm der Satirepreis "Göttinger Elch" für sein Lebenswerk verliehen.

Auf die Frage, was er gerne über sich in der Zeitung lesen würde, antwortete Droste einmal: "Das Allerschönste ist, wenn nichts in der Zeitung steht. Wenn ich irgendwann nicht mehr als öffentliche Figur auftauche, steht dem Glück nichts mehr im Wege."

Aus dem Büro des Herforder Bürgermeisters, Tim Kähler, erreichte die NW folgende Stellungnahme: "Seine Kunst, seine Literatur waren bitterböse, unverblümt und doch voller Witz und Ironie. Er war einer der Autoren die gerne in neuen Formaten und Kunstformen dachten. Dass Musik und Literatur sich nicht ausschließen, bewies er in vielen Formen auf der Bühne. Auch in Diskussionsrunden war Wiglaf Droste ein angenehmer Diskutant. Mit pointierter Meinung und Haltung stritt er für Gerechtigkeit. Er lebte in vielen Städten - Düsseldorf, Leipzig, Berlin, aber immer wieder kam er gerne in seine Geburtsstadt Herford zurück."

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.