Peinliche Panne lässt Betrüger auffliegen

Er kassierte Provision für Objekte, die gar nicht existierten. Das Gericht verurteilte deshalb einen Versicherungsagenten zur Geldstrafe

Herbert Gontek

Symbolfoto. - © Pixabay
Symbolfoto. (© Pixabay)

Versmold. 3.788 Euro Provision soll ein 44-jähriger Versicherungsagent zu Unrecht kassiert haben. Und zwar für Objekte in Versmold, die es nicht gab. Dafür musste er sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht Halle verantworten. In sechs Fällen soll er Verträge für nicht vorhandene Bauprojekte angelegt haben, teils mit Namen aus der Kundschaft, deren Unterschriften aber nicht echt waren.

„Ja, ich habe handwerkliche Fehler gemacht, aber nicht mit dem Hintergrund, zu betrügen. Die Provision hätte ich sowieso nicht bekommen, die wäre mir wieder abgezogen worden," stellte der Angeklagte fest.

Im Zeugenstand war ein 55-jähriger Hausbesitzer, ihm wurden Unterschriften mit seinem Namen gezeigt. „Nein, so unterschreibe ich nicht", stellte der Mann sicher fest. Auch eine 41-jährige Architektin tauchte namentlich unter den Verträgen auf. Peinliche Panne des Fälschers, er schrieb ihren Namen falsch. Die junge Frau berichtete vor Gericht: „Wir sind langjährige Kunden bei der Agentur, aber diese Vorgänge haben mit uns nichts zu tun."

Adressen existierten gar nicht

Ein 55-jähriger Kripobeamte schilderte, dass der Angeklagte den Vorwurf des Betruges geleugnet habe. Der Mann habe die Vernehmung allerdings nicht ohne anwaltlichen Rat zu Ende bringen wollen.

Mit der Echtheit der Objekte befasste sich ein 59-jähriger Kripobeamter. Er stellte fest, dass die in den Verträgen genannten Adressen nicht existierten. Ein Kundenname mit womöglich albanischer Herkunft konnte von der Kripo nicht ermittelt werden. Eine 42-jährige Mitarbeiterin aus der Rechtsabteilung der Versicherung berichtete, dass die Sache aufgefallen sei, weil aus den Verträgen keine Beiträge flossen. Bei der Recherche habe sich dann der Betrugsverdacht ergeben, deshalb sei Strafantrag gestellt worden. Der Agent hat inzwischen keine Schulden mehr bei der Versicherung, der Schaden wurde mit ausstehenden Provisionen verrechnet.

Zusätzlich Urkundenfälschung

Indes stehen dem inzwischen gekündigten Außendienstler noch Abfindungszahlungen zu, deren Höhe die Versicherung allerdings von Verlauf des Verfahrens abhängig machen wollte.

Zwei der sechs Fälle wurden eingestellt. In vier Fällen wurden ihm aber Betrug, davon zweimal mit Urkundenfälschung, vorgeworfen. Für den Staatsanwalt stand fest, dass er sich kurzfristig Liquidität verschaffen wollte. Er forderte ein Strafe von 120 Tagessätzen à 15 Euro.

Das Urteil: 90 Tagessätze über 15 Euro. Die Richterin sagte, der Mann habe sich strafbar gemacht, weil er wissentliche falsche Urkunden eingereicht habe, auch wenn er die Manipulationen nicht vorgenommen habe.

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