Patricia Kelly im Interview: "Ich habe meinem Sohn von der Musik abgeraten"

Die Sängerin kommt mir ihrer Band bald nach Versmold. Und hat mit dem HK über das ländliche Leben, die Kelly Family und ihre nächste Generation gesprochen.

Silke Derkum

Freut sich auf ihr Gastspiel: Patricia Kelly wird in Versmold ganz pur zu erleben sein. - © Patricia Kelly
Freut sich auf ihr Gastspiel: Patricia Kelly wird in Versmold ganz pur zu erleben sein. (© Patricia Kelly)

Patricia, in gut sechs Wochen werden Sie bei den Reinert Open auftreten. Kennen Sie Versmold überhaupt? Wir sind ja nun nicht gerade der Nabel der Welt.

PATRICIA KELLY: Es ist nicht New York oder London, da haben Sie recht. Aber wir sind auf der Straße groß geworden und eins habe ich gelernt: Die Menschen sind im Kern überall gleich. Und auch bei Ihnen in Versmold mag man unsere Musik, sonst würden wir nicht kommen.

Sie mögen die Provinz?
KELLY: Ich lebe selbst ganz bewusst in der Provinz. Alles hat Vor- und Nachteile. Los Angeles, wo ich gerade war, um an neuen Songs zu arbeiten, ist uns bestimmt voraus in einigen Dingen. Aber auf der anderen Seite sind die auch ein bisschen dekadent. Da haben die Menschen, die auf dem Lande leben, immer noch dieses Bodenständige und Verwurzelte. Ich brauche das. Ich reise viel und bin in vielen Kreisen unterwegs, aber wenn ich nach Hause komme, dann will ich Land, Ruhe und ganz normale Menschen.

Da werden Sie sich in Ostwestfalen sicherlich wohlfühlen.
KELLY: Auf jeden Fall, wir freuen uns sehr.

Info

Hier gibt es Karten

•  Das Konzert steigt am Dienstag, 9. Juli, ab 20 Uhr im Tennispark Versmold, Caldenhofer Weg. Karten für die Show im Rahmen der Reinert Open gibt es im Onlineshop unter der Adresse www.reinert-open.de in der Rubrik Events für 32 Euro oder bei der Buchhandlung Krüger.

Ihr Auftritt in Versmold wird im Rahmen eines Tennisturniers sein. Wie sportlich sind Sie? Spielen Sie auch Tennis?
KELLY: Ich gebe zu, ich habe Tennis nie wirklich regelmäßig gespielt. Aber ich bin gerade vor unserem Gespräch gejoggt und das mache ich fünf Tage die Woche. Das ist für mich ein Muss. Außerdem gehe ich sehr gerne wandern. Ich liebe die Berge, ich schwimme gerne. Ich war nie extrem sportlich, wie mein Bruder Joey, aber ich war immer unterwegs und achte sehr auf meine Gesundheit.

Den meisten sind Sie als Mitglied der Kelly Family bekannt. Wie unterscheidet sich Ihre Musik von der der Kelly Family?
KELLY: Natürlich sind meine Wurzeln immer noch Kelly, und ich bin stolz darauf, eine Kelly zu sein. Und ich habe das mit meinen Geschwistern ja auch alles aufgebaut. Nichtsdestotrotz gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Kellys. Wir sind ja alle verschiedene Menschen.

Also, was werden wir hören?
KELLY: Die Musik ist schon Kelly-angehaucht und ich werde auch einige der großen Kelly-Hits singen. Aber im Kern ist es handgemachte Musik. Ich habe tolle Musiker, die alles können, und wir spielen alles mit der Hand. Bei uns gibt es kein Playback, alles ist live.Und was auch typisch Kelly ist, ist diese Energie. Wir sprudeln vor Energie. Wenn wir auf der Bühne sind, dann bleibt keiner mehr sitzen. Es ist Leidenschaft, denn ich liebe meinen Beruf mehr denn je. Ich schreibe meine eigenen Lieder, und es sind alles persönliche Geschichten. Vom Style her ist es Folkpop, vielleicht ein bisschen moderner. Es ist Musik, die jeder verstehen kann.

Erst vor zwei Wochen hat die Musikwelt nach Israel zum Eurovision Song Contest geschaut. Wäre das für Sie eine Option?
KELLY: Ganz ehrlich, ich befürchte, dass wir gar nicht die Zeit haben für so etwas. Wir haben für die nächsten zwei Jahre unsere Tournee fest gebucht und dazwischen bin ich im Studio. Da bleibt höchstens noch Zeit für ein paar Solokonzerte. Aber im Moment ist die Kelly Family sehr erfolgreich. Die letzte CD ist 700.000 mal verkauft worden, auf der Tour waren eine halbe Million Zuschauer. Jetzt kommt die nächste Tour mit Open-Air-Konzerten. Am 1. Juni spielen wir in Berlin auf der Waldbühne, da kommen 22.000 Menschen, und dann ab November haben wir 43 Arenen-Konzerte in sieben Ländern Europas. Deswegen weiß ich gar nicht, ob so eine Sendung wie der Eurovision Song Contest etwas für uns wäre. Ganz ehrlich: Wir brauchen es nicht.

Und Sie wüssten wahrscheinlich auch gar nicht, für welches Land Sie antreten sollten.
KELLY: Das ist auch ein Problem (lacht). Aber wir haben alle einen irischen Pass und dann müssten wir wahrscheinlich für Irland antreten.

Also kein Eurovision Song Contest für Sie?
KELLY: Man muss auch überlegen, wo steckt man seine Energie rein. Wenn man Erfolg hat, kann man sich die Dinge aussuchen. Diese Solokonzerte zum Beispiel sind für mich pure Freude. Ich sage ganz ehrlich: Ich müsste die nicht machen. Aber das ist für mich eine Erfüllung, weil ich es liebe, mit meiner Band andere Lieder zu singen. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich so etwas nebenbei machen kann. Das ist schon was besonderes, weil ich ganz alleine zwei Stunden auf der Bühne stehen muss.

Einer Ihrer Söhne ist musikalisch dabei, in Ihre Fußstapfen zu treten. Sie kennen ja auch die Schattenseiten des öffentlichen Lebens. Haben Sie ihm dazu geraten, sehen Sie das gerne?
KELLY: Nein, ich habe ihm davon abgeraten. Extrem sogar. Ich wollte auch mal testen, ob er es ernst meint. Ich habe meinen Kindern immer gesagt: Folgt eurem Herzen, macht das, wofür ihr brennt. Dann werdet ihr auch Erfolg in eurem Beruf haben. Ganz klar, mein jüngerer Sohn Iggy brennt sehr für die Musik. Ich habe ihm deutlich gesagt, was so ein Künstlerleben bedeutet. Diese Karrieren sind ganz massiv schwankend, nach unten und nach oben, und damit muss man auch klar kommen.

Aber er will es trotzdem?
KELLY: Wir haben uns ganz viel darüber unterhalten, und ich habe gesehen, er meint das ernst. Er liebt die Musik und brennt dafür. Jeden Tag komponiert er drei, vier Lieder. Er ist erst 15 und hat ein neues Lied mit mir komponiert, das ich auch solo singen werde. Das ist sehr faszinierend zu sehen, wie sich das genetisch durchsetzt.

Im vergangenen Jahr war ihr Bruder Joey als Gast bei den Reinert Open. In diesem Jahr sind Sie es. Welches Familienmitglied schicken Sie uns nächstes Jahr?
KELLY (lacht): Das weiß ich nicht. Ich glaube, das ist ein Zufall. Die Dame, die uns eingeladen hat, kennt auch Joey. Das geht meistens über Beziehungen.

Da könnten wir ja eine Tradition begründen.
KELLY: Why not? Vielleicht kommt in ein paar Jahren dann auch mein Sohn zu Ihnen.

Das Gespräch führte
Silke Derkum-Homburg

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