Interview mit Greta Silver: Model, Buchautorin und Youtuberin mit 70 Jahren

Leseherbst: Am Dienstag, 27. November, um 20 Uhr stellt Greta Silver im Altstadthotel ihr Buch »Wie Brausepulver auf der Zunge« vor. Sie sagt: „Man muss den Schalter umlegen“

Silke Derkum-Homburg

Glücklich sein ist keine Frage des Alters, behauptet Greta Silver und möchte am kommenden Dienstag beim Leseherbst auch viele Versmolderinnen und Versmolder davon überzeugen.  - © Lotta Fotografie
Glücklich sein ist keine Frage des Alters, behauptet Greta Silver und möchte am kommenden Dienstag beim Leseherbst auch viele Versmolderinnen und Versmolder davon überzeugen.  (© Lotta Fotografie)

Frau Silver, Sie werben für das Alter als eine der schönsten Zeiten des Lebens. Hatten Sie nie Angst?

GRETA SILVER: Ich hatte mit 17 gedacht, dass mit Ende 30 der Spaß im Leben vorbei ist, wenn alles in gewohnten Bahnen läuft und sich bis zu meinem Tod nichts mehr ändert. Als ich dann 35 war, merkte ich, so schlimm ist es ja gar nicht und diese Erkenntnis zog sich immer weiter bis heute.

Sie finden es klasse, 70 zu sein.

SILVER: Ja, dass im Alter so die Post abgeht, hätte ich nicht gedacht. Und es war mir vorher auch nicht bewusst, dass die Zeit von 60 bis 90 genauso lang ist wie die von 30 bis 60. Man bekommt noch mal genau die gleiche Lebenszeit, nur vorher war es Pflicht und jetzt ist es Kür. Und das gilt auch für die Lebenserfahrung, die mich so reich macht. Jeder ältere Mensch darf sich mit geradem Rücken hinstellen und sagen, ich habe viel erlebt und viele Krisen überstanden. Und ich habe daraus gelernt. Und das ist so wichtig, das kann man als junger Mensch noch nicht draufhaben.

Von außen betrachtet stehen Sie auf der Sonnenseite des Lebens. Haben Sie denn nicht einfach nur Glück gehabt? Oder kann jeder so positiv ins Alter blicken?

SILVER: Ich behaupte, das kann jeder. Ich werde oft auf mein Aussehen angesprochen. Aber wenn Sie sich mein Gesicht vorstellen, wenn ich verbittert wäre, dann wäre diese Ausstrahlung nicht da. Ich sage, man muss selber etwas tun, um nicht verbittert zu werden, denn verletzt werden wir alle in unserem Leben. Die Frage ist nur, wie werde ich das wieder los? Es gibt so viele Stellschrauben, wo wir einfach nur die Blickrichtung unserer Gedanken verändern müssen. Und manchmal reicht das schon. Es sind nicht immer die großen Veränderungen.

„Einfach mal die Blickrichtung zu ändern", das ist ja nicht für jeden so leicht. Haben Sie Tipps für die Menschen, die von dem Punkt, an dem Sie stehen, noch weit entfernt sind?

SILVER: Ja, zum Beispiel bei der Angst, die so viele von uns vor der Zukunft haben. Man muss verstehen, dass Angst ein Marketinginstrument ist, mit dem man Wahlen gewinnt. Sie kann manchmal sinnvoll sein, aber meistens vermiest sie einem die schöne Zeit im Jetzt. Man muss mal gucken, wie oft man in seinem Leben schon Angst vor etwas hatte, das gar nicht eingetreten ist. Und wenn man das verstanden hat, dann kann man den Schalter umlegen.

Aber genau das ist für viele ja gar nicht so leicht.

SILVER: Ich kenne das auch, dieses Gedankenkarussell. Da gibt es einen guten Trick. Ich denke dann an eine schöne Situation aus der Vergangenheit und überlege: Was hatte ich an? Wie war das Wetter? Wie sah der Raum aus? Drei Minuten reichen und die negativen Gedanken sind weg. Und von solchen Tipps wimmelt mein Buch.

Das Gespräch führte Silke Derkum-Homburg

Greta Silver stellt am Dienstag, 27. November, um 20 Uhr im Altstadthotel ihr Buch »Wie Brausepulver auf der Zunge« vor. Eintrittskarten zum Preis von 12 Euro gibt es in der Stadtbibliothek und in der Buchhandlung Krüger.

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