Internetanbieter »Servario networks« meldet Insolvenz an - Hesselteicher ärgern sich

Marc Uthmann

Derzeit gehts nur optisch hoch hinaus: Der Richtfunkmast an der Klaren Straße. - © Foto: Marc Uthmann
Derzeit gehts nur optisch hoch hinaus: Der Richtfunkmast an der Klaren Straße. (© Foto: Marc Uthmann)

Versmold. Stutzig wurden viele Nutzer, als der E-Mail-Kontakt zum Unternehmen zuletzt ausblieb. „Wir haben keine Rückmeldungen mehr erhalten – bisher sind wir bei Problemen immerhin vertröstet worden", berichtet Melanie Märländer aus Hesselteich. Nun folgte die Nachricht der drohenden Insolvenz – und die etwa 70 Kunden im Versmolder Raum bangen um ihr schnelles Internet.

Daniel Demmer, Geschäftsführer von Servario networks, bestätigt auf HK-Anfrage die Krise des Unternehmens: „Wir haben einen Insolvenzantrag gestellt, weil die Auslastung unserer Netze zu gering ist." Vor allem die neuen Förderrichtlinien hätten die Pläne des Unternehmens durchkreuzt. „Kurz nachdem wir losgelegt haben, gab es Interessenbekundungsverfahren für den Glasfaserausbau", erklärt Demmer. „Die Kunden warten lieber darauf, obwohl sich abzeichnet, dass gerade die ganz ländlichen Bereiche bei diesem Ausbau nicht zum Zug kommen werden." Das seien jene fünf bis zehn Prozent, für die Servario stehe.

„Für die nächsten drei Monate ist der Betrieb gesichert"

Derzeit gehts nur optisch hoch hinaus: Der Richtfunkmast an der Klaren Straße. - © Marc Uthmann
Derzeit gehts nur optisch hoch hinaus: Der Richtfunkmast an der Klaren Straße. (© Marc Uthmann)

Der Geschäftsführer sieht dennoch eine Perspektive: „Für die nächsten drei Monate ist der Betrieb gesichert, wir haben mit den Lieferanten gesprochen." Demmer hofft auf eine Ausschreibung im August, die dem Unternehmen den Betrieb eines Netzes im Wert von einer Million Euro bringen könnte. „Dann stimmt auch unsere Auslastung wieder." Technische Probleme des Funknetzes in Hesselteich habe man mit baulichen Veränderungen behoben und auch der tagelange Ausfall im Dezember aufgrund eines Problems beim Vorlieferanten sei ausgestanden.

Etwas vorsichtiger optimistisch äußert sich Rechtsanwalt Holger Domeyer von der Kanzlei Alpmann/Fröhlich aus Emsdetten, welche das vorläufige Insolvenzverfahren übernommen hat: „Wir haben einen Massekredit aufgenommen und wollen das Insolvenzgeld vorfinanzieren. Der Betrieb soll fortgeführt werden." Ziel sei es, einen Investor zu finden, der einsteige oder den Betrieb übernehme.

Die Hoffnungen waren groß, als das Nordhorner Unternehmen im Juli 2016 gemeinsam mit der Stadt Versmold den Startschuss zu schnellerem Internet in den Außenbereichen gab. Am 48 Meter hohen Funkturm an der Klaren Straße in Versmold wurde symbolisch der Rote Knopf gedrückt – fortan sollten auch Oesterweg und Hesselteich auf der Datenautobahn unterwegs sein.

Funknetz schwankt stark

Die Türme an der Klaren Straße, an der Kläranlage in Hesselteich und bei Teuto Süd an der B 476 fungieren als Richtfunkanlagen und spannen ein Netz auf, das Oesterweg, Hesselteich, Bereiche von Loxten, das Interkommunale Gewerbegebiet und den Borgholzhausener Süden umspannt. Die Kunden bekommen eine Servario-Schüssel aufs Dach installiert, diese wird per Netzkabel mit dem Router verbunden – und per W-Lan gibt es dann Internet. Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit pro Sekunde im Download offerierte das Unternehmen beim Startschuss.

Die Realität sah allerdings oftmals anders aus. Davon berichten vor allem die Hesselteicher Kunden. „Wir haben 33 Mbit gebucht – wenn es gut läuft, kommen neun bis zehn Mbit an", sagt zum Beispiel Melanie Märländer. Wobei sie betont: „Damit waren wir unter dem Strich sehr zufrieden, denn mit der Hybridlösung der Telekom kommen wir maximal auf zwei Mbit." Probleme machte allerdings die Störungsanfälligkeit des Funknetzes. „Es schwankt stark, immer wieder fällt die Technik mal ein ganzes Wochenende aus." Was natürlich gravierend sei, wenn man wie sie und ihr Mann von zu Haus ein Vertriebsunternehmen führe und auf die Kommunikationswege angewiesen sei.

In der kommenden Woche haben die Verantwortlichen von Servario networks einen Termin im Versmolder Rathaus. „Dort wollen wir besprechen, wie es weitergehen kann, denn daran haben wir ein großes Interesse", sagt Bürgermeister Michael Meyer-Hermann. „Für jene, die an das Funknetz angebunden wurden, war das ein großer Fortschritt." Immerhin hat die Stadt auch die gesamte Infrastruktur zur Verfügung gestellt.

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