Friederike hinterlässt Lücke in der Versmolder Skyline

Melanie Wigger

Geknickt: Klaus Kuhlemeiers Rekordantenne wurde durch den Sturm zerstört. - © Melanie Wigger
Geknickt: Klaus Kuhlemeiers Rekordantenne wurde durch den Sturm zerstört. (© Melanie Wigger)

Versmold-Hesselteich. So mancher hat ein paar Dachpfannen verloren, ärgert sich über Schäden am Auto oder über den Verlust lang gehegter Bäume: Klaus Kuhlemeier betrauert sein „Lebenswerk“, wie er sagt. Das Sturmtief Friederike hat die gigantische Antenne zerstört. „Ich habe das noch nicht verkraftet“, sagte Kuhlemeier.

Das Ende, der nicht nur stadt-, sondern auch internationalbekannten Amateurfunkanlage – weltweit die drittgrößte ihrer Art: Das „Monster“, wie die Sonderanfertigung von vielen in der Amateurfunker-Szene anerkennend genannt wird, hat zwar 2007 Kyrill überlebt, doch Friederike hatte kein Erbarmen. Die 80 Meter hohe und 1,7 Tonnen schwere Antenne wirkt wie von einer gigantischen Hand umgeknickt.

Gutachter entscheidet über sechsstelligen Schaden

Teile der Masten haben sich in den angrenzenden Bäumen verhakt, sich unter den Rasen in Kuhlemeiers Garten gegraben oder sind beim Aufprall zerbrochen.

Ein Gutachter sei für die Versicherung bereits vor Ort gewesen, um den Schaden zu schätzen. „Ursprünglich hat er mit 5000 Euro kalkuliert – doch als er hier vor Ort war, meinte er, da kommen sicher noch zwei Nullen hinten dran.“ Mit welcher Summe die Gebäudeversicherung für den Schaden aufkommt, wird noch geprüft.

Mehr als 200.000 Euro sind seit den 90ern in den Aufbau geflossen. „Aber inzwischen sind ja die Aluminiumpreise gestiegen. Deshalb würde eine neue Anlage deutlich mehr kosten“, schätzt Kuhlemeier.

Doch unabhängig von der finanziellen Frage plagen den Amateurfunker noch andere Probleme: Er weiß nicht, wie die zerstörte Anlage in seinem Garten abgebaut werden kann. „Das ist sehr gefährlich. Die Antenne ist nicht ausbalanciert. Die einzelnen Teile könnten unberechenbar kippen, sobald man an irgendeiner Stelle etwas anhebt.“ Dafür sei ein statisches Hintergrundwissen gefragt.

Früher hätte er in einem solchen Fall das Unternehmen um Hilfe gebeten, das ihn beim Aufbau begleitet hat. Doch seitdem der Geschäftsführer in den Ruhestand gegangen ist, fehlt Kuhlemeier ein Ansprechpartner mit der nötigen Kompetenz.

Dieser Umstand zieht ein weiteres Problem mit sich: Wie soll der 78-Jährige sich je wieder so eine einzigartige Antenne aufbauen? Darin stecken nicht nur 25 Jahre Arbeit, sondern das sehr spezifische Wissen des beteiligten Unternehmers. Darüber hinaus können Kuhlemeiers ehemalige Zulieferer ihm die erforderlichen Teile nicht mehr liefern: Die Firmen seien nach Finnland abgewandert und nehmen aus der Ferne nur noch Massenabnahmen an.

„Und selbst wenn ich das trotz all dieser Hindernisse doch noch mal machen könnte, wüsste ich nicht, wie ich die neue Antenne für einen nächsten Sturm dieser Art entsprechend schützen könnte.“ Und dass sich ein solches Sturmtief in der Region wiederholt, wolle der Hesselteicher nicht ausschließen.

Amateurfunker schicken Kondolenzbriefe

Was dieser Verlust für einen Amateurfunker bedeutet, können wohl am besten Gleichgesinnte erahnen. Und diese melden sich seit Tagen mit Kondolenzschreiben für Kuhlemeier und bedauern mit ihm den Einschnitt in die „Versmolder Skyline“. Nicht nur Freunde, auch ihm unbekannte Funker rund um den Globus melden sich, nachdem sich die Zerstörung der bekannten Anlage herumgesprochen hat. Eine Mail kam sogar aus Hawaii.

Ein Kieler Experte, der das Funken unterrichtet, war so erstaunt darüber, dass eine solche Antenne überhaupt brechen könne, dass er per Mail schon angefragt hat, ob der den Vorfall als Diskussionsgrundlage in seinem Unterricht behandeln darf.

Trotz aller Widrigkeiten – vom Wettbewerbsgeschehen will sich der Spitzenfunker dennoch nicht abbringen lassen. Mit seiner verbleibenden Ausrüstung und einer kleineren Antenne wird weiterhin von Hesselteich aus in die weite Welt gefunkt.

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