VersmoldVersmolder kämpft um Zahlung seiner Berufsunfähigkeitsversicherung

Kerstin Spieker

Traurige Premiere: Johannes Diekriede führt, wie er sagt, zum ersten Mal in seinem Leben einen Rechtsstreit. Er hat nicht einmal eine Rechtsschutzversicherung und bleibt im Falle eines Vergleichs auf nicht unerheblichen Anwalts- und Gerichtskosten sitzen. - © Foto: Kerstin Spieker
Traurige Premiere: Johannes Diekriede führt, wie er sagt, zum ersten Mal in seinem Leben einen Rechtsstreit. Er hat nicht einmal eine Rechtsschutzversicherung und bleibt im Falle eines Vergleichs auf nicht unerheblichen Anwalts- und Gerichtskosten sitzen. © Foto: Kerstin Spieker

Versmold/Bielefeld. „Dass alles klappt, das kommt höchstens einmal im Jahr vor, vielleicht Weihnachten." Der Zeuge Manfred S. (Name von der Redaktion geändert), der am Freitagvormittag vor der 1. Zivilkammer am Bielefelder Landgericht seine Aussage machte, ließ keinen Zweifel an dem hohen Anspruch, der an einen Abteilungsleiter bei der Fleisch verarbeitenden Firma Wiltmann gestellt wird. Personal- und Rohstoffplanung, Maschinenauslastung, Ansprechpartner bei Problemen und Problemchen – in fast anderthalb Stunden schilderte er detailliert den Tagesablauf und vor allem die Verantwortlichkeiten, die die Position mit sich bringt.

Ein von der Versicherung eingeschalteter Gutachter war zu dem Ergebnis gekommen, dass Johannes Diekriede zwar eingeschränkt sei, ihm aber vier bis fünf Stunden Erwerbstätigkeit am Tag durchaus zugemutet werden könnten. Auf dieses Gutachten stützt sich die Argumentation der Versicherung.

Zwar firmiert der Versicherer inzwischen unter Athene Lebensversicherung, an seiner Bereitschaft zur gütlichen Einigung hat sich allerdings wenig geändert. Das machte gestern vor Gericht der Anwalt der Athene Lebensversicherung deutlich. Man habe im Dezember 2016 ein Angebot für einen Vergleich abgegeben. An der Höhe von 50.000 Euro halte die Athene fest.

Johannes Diekriede hatte bereits damals erklärt, das sei ihm zu wenig. Die tatsächliche Versicherungssumme betrage rund 116.000 Euro. Ziehe er von den gebotenen 50 000 Euro alle anfallenden Kosten ab, bliebe ihm noch die Hälfte. Das Angebot, das seine Anwältin der Gegenseite unterbreitete liegt bei 71.000 Euro. Der Versicherer lehnte ab.

Dass Johannes Diekriede sich überhaupt auf einen Vergleich einlassen würde, begründet er allein mit dem Umstand, dass ihn der sich hinziehende Prozess inzwischen gesundheitlich stark belaste. „Ich will, dass das ein Ende hat – aber ein würdiges", ist ihm wichtig. Würde er sich einem aus seiner Sicht zermürbenden Prozess gewachsen fühlen, würde er über einen Vergleich nicht nachdenken wollen, sagt er. Denn aus seiner Sicht steht außer Zweifel, dass er seinen zuletzt bei Wiltmann ausgeübten Job nicht mehr ausfüllen kann.

Das hatte er bereits im Dezember vor Gericht versucht deutlich zu machen und den Druck beschrieben, unter dem man als verantwortlicher Mitarbeiter an dieser Stelle nun einmal stehe. Die Gegenseite zog seine Schilderungen in Zweifel und forderte einen Zeugen. Was Manfred S. gestern vor Gericht schilderte, stützte jedoch die Aussagen Johannes Diekriedes in vollem Umfang. „Ich denke, die Grundlage für einen vernünftigen Kompromiss ist durch die Aussage eine bessere geworden", schätzt seine Anwältin die Situation ein.

Bis zum 30. Juni haben die Parteien nun noch Zeit, den Prozess durch einen Vergleich abzuschließen. Danach würde erneut ein Sachverständiger eingeschaltet. Eine Verhandlung auf dieser Grundlage könnte sich nach Einschätzung aller Beteiligten noch über einige Jahre hinziehen.