Neues Claas-Buch verrät, was das Unternehmen in Zukunft ernten will

Buchpräsentation: Mit einem 200 Seiten starken Werk liefert der Erntemaschinenhersteller, der sein Schulungszentrum in Brockhagen betreibt, eine Vorstellung davon, was pfiffige Köpfe im Unternehmen in 100 Jahren alles erfunden haben. Und was noch kommen kann

Burkhard Hoeltzenbein

Vernetzt: Auf die Landwirtschaft der Zukunft ist der Erntemaschinenhersteller Claas längst programmiert. Fotomontage: Claas - © Burkhard Hoeltzenbein
Vernetzt: Auf die Landwirtschaft der Zukunft ist der Erntemaschinenhersteller Claas längst programmiert. Fotomontage: Claas (© Burkhard Hoeltzenbein)

Harsewinkel. Auch die Zukunft kommt bei Claas nicht ohne den Blick zurück aus. Auf rund 200 Seiten eines neuen Hochglanzbuches zeigt der Erntemaschinenhersteller passend zur am Sonntag beginnenden Messe Agritechnica in Hannover, was er in 106 Jahren bereits an Ideen gesät hat. Und was er in Zukunft ernten will.

Schon der Einband des in einer Erstauflage von knapp 10.000 Exemplaren gedruckten Buches lässt erst auf den zweiten Blick erkennen, dass es sich hier nicht um eine klassische Ernteszene handelt. Denn der von oben gezeigte Mähdrescher ist nur oberflächlich auf einem grünen Feld unterwegs. Dieses stellt sich beim genauen Hinsehen als eine Aneinanderreihung von Computerchips heraus.

Die Verbindung zwischen der Landwirtschaft als Jahrtausende altem klassischen Kulturmerkmal der Menschheit und der industriellen Erntetechnik, wie sie Claas verkörpert, zieht sich wie ein saatengrüner Faden durch das Sachbuch. Das ist ausdrücklich nicht nur für Fachleute geschrieben. Das inflationär gebrauchte Wort »Innovation« erfährt bei Claas seine Berechtigung. „Wir haben in den 106 Jahren mehr als 5.000 Patente angemeldet", erklärt Volker Claas, Mitglied der Familie und des Gesellschafterrates sowie Marktforscher im eigenen Unternehmen.

Eine beachtliche Liste an technischen Neuerungen haben die Arbeiter und Ingenieure bei Claas seit mehr als 100 Jahren ausgeheckt. Aus dieser stattlichen Long List hat Tomislav Novoselac, Projektleiter des Buches, zusammen mit dem Konzeptteam und der Redaktion eine Short List von 30 bahnbrechende Erfindungen herausdestilliert, die das Unternehmen in seiner Historie jeweils entscheidend weiter gebracht haben.

Der Knoter bleibt der Inbegriff des Erfindungsgeistes

Da mögen technologisch noch so anspruchsvolle Großgeräte drunter sein, wie der 2018 eingeführte »Orbis«, ein Feldhäcksler der neuesten Generation, mit dem Claas seinen Vorsprung als Weltmarktführer in dem Maschinensegment verteidigen oder besser noch ausbauen will. Doch für Volker Claas bleibt der unscheinbare mechanische »Kopf«, der bis heute das Traditionswappen am Haupthaus ziert, die entscheidende Erfindung schlecht hin.

„Mit dem Knoter hat alles angefangen", erinnert der Familienspross an den entscheidenden Kick in der Firmenentwicklung. Als „erste Pionierleistung des Unternehmens" huldigt das Buch dem 1921 erfundenen Gerät, mit dem die Erntesäcke verlässlich in einem Arbeitsgang zugebunden wurden, was die Feldarbeit signifikant beschleunigte. Die prägende Innovation in der Landtechnik verhalf Claas zu jenem wirtschaftlichen Erfolg, mit dem die seit 100 Jahren in Harsewinkel beheimatete Firma ihren rasanten Aufstieg finanzieren konnte.

Ideenschmiede: Projektleiter Tomislav Novoselac (v. l.), Christian Ludewig (Verlags Delius Klasing), Gesellschafter Volker Claas und Thomas Grawe (Claas-Greenhouse) stellen das neue Imagebuch vor. - © Burkhard Hoeltzenbein
Ideenschmiede: Projektleiter Tomislav Novoselac (v. l.), Christian Ludewig (Verlags Delius Klasing), Gesellschafter Volker Claas und Thomas Grawe (Claas-Greenhouse) stellen das neue Imagebuch vor. (© Burkhard Hoeltzenbein)

In zwei großen Kapiteln stellt »Ideen säen. Zukunft ernten« die hauseigenen Erfindungen in loser Reihenfolge und in gut verständlicher Sprache dar. QR-Codes leiten zu bewegten Bildern weiter, die sich mit dem Smartphone abrufen lassen. „Wir wollen zeigen, wie sich Landtechnik in 100 Jahren entwickelt hat", erklärt Thomas Grawe, Leiter des Greenhouses. Die Präsentation des Buches in dem im vergangenen Jahr zum »Think Tank« umgebauten Hauses kommt nicht von ungefähr. Ein Kapitel ist genau diesem Ort gewidmet, an dem „Ideen wachsen können". „Dinge neu denken und ausprobieren", sei hier ausdrücklich gewünscht. Auch Rückschläge sind ausdrücklich mit eingepreist. Denn nicht jede Idee vom Reißbrett lässt sich auch in der Realität nutzen. „Bei uns ist auch eine Kultur des Scheiterns erlaubt", sagt Volker Claas.

Dass es bei allen Rückschlägen im Unternehmen immer weiter nach vorne gegangen sei, machen die Buchautoren nicht nur an den technologischen Fortschritten in der »Landwirtschaft 4.0« fest. Sondern auch an dem besonderen Arbeitsklima in dem familiengeführten Konzern. Firmenpatriarch Helmut Claas kommt in einem ausführlichen Kapitel zu Wort.

Das Sachbuch „Ideen säen. Zukunft ernten", erschienen im Delius Klasing Verlag, kommt nun zum Preis von 24,90 Euro in den Buchhandel.

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