Zelte aufschlagen am Teuto: Warum Campingurlauber zu uns kommen

Zwei offizielle Plätze bietet Steinhagens Nachbarschaft. Wir haben vorbeigeschaut, in Quelle und am Johannisberg – und ganz unterschiedliche Abenteurer getroffen.

Ivonne Michel

Auf der Durchreise nach Polen: Anna Freyberg und ihre Söhne Frederik (4) und Lukas (9, vorne) aus der Nähe von Köln haben auf dem Drei-Sterne-Platz in Quelle ihr Zelt aufgebaut. Auf der Kochplatte auf ihrem Klapptisch brodelt das Nudelwasser. Nicht nur das Abendessen ist beim Camping abenteuerlicher als Zuhause. - © BARBARA FRANKE
Auf der Durchreise nach Polen: Anna Freyberg und ihre Söhne Frederik (4) und Lukas (9, vorne) aus der Nähe von Köln haben auf dem Drei-Sterne-Platz in Quelle ihr Zelt aufgebaut. Auf der Kochplatte auf ihrem Klapptisch brodelt das Nudelwasser. Nicht nur das Abendessen ist beim Camping abenteuerlicher als Zuhause. (© BARBARA FRANKE)

Steinhagen/Quelle. Dauerstellplatz? „Da kann ich Sie nur mit auf die Warteliste setzen", antwortet die gute Seele und Empfangschefin des Campingparks in Quelle den Interessenten, die an der Rezeption anfragen. Sie gibt gern Auskunft, möchte namentlich aber nicht in die Zeitung. Ja, auch in Quelle sei der Campingboom zu spüren: Aus Bielefeld und der Umgebung, aber auch aus den Niederlanden, Italien, Norwegen oder Finnland kommen die Gäste, darunter viele Großeltern mit ihren Enkelkindern. „Um ihnen zu zeigen, wie sie früher Urlaub gemacht haben." Besonders die etwa 300 Dauerstellplätze seien momentan sehr gefragt, auch wegen des Badesees an der Grenze zu Steinhagen. Der soll, wie mehrfach berichtet, 2020 fertig sein.

Anna Freyberg und ihre Söhne Frederik (4) und Lukas (9) sitzen vor ihrem Zelt, auf der Kochplatte auf dem Klapptisch brodelt das Nudelwasser. Die Familie aus der Nähe von Köln ist auf der Durchreise: „Wir wollen nach Polen an die Ostsee", berichtet Freyberg. Zelten sei immer auch ein bisschen Abenteuer für alle. Im vergangene Jahr waren sie in Bayern, und ein Wochenende in Holland.

„Es ist immer spannend, neue Kinder kennenzulernen", sagt Lukas. Frische Luft, viel Bewegung, wenig Technik, keine Termine, spontan entscheiden zu können, wo man anhält, entschleunigen und zumindest ein bisschen mehr im Rhythmus der Natur leben, schätzt die Mama, die als Kind bei den Pfadfindern war, am Camping. Im Hotel sei man doch irgendwie immer etwas abgeschirmt.

Alle Gesellschaftsschichten seien unter den Campern zu finden, ergänzt die freundliche Campingplatz-Mitarbeiterin. Von einfachen Zeltern bis zu Luxus-Campern sei alles vertreten. Der Drei-Sterne-Campingplatz in Quelle hat einiges zu bieten: einen großen Spielplatz mit Matschanlage und Seilbahn, Trampolin, Fußballbillard, Tischtennis, Beachvolleyball, Gokarts und Partyraum. Und exotische Tiere: Kakadus, Kängurus und Lisztaffen mit Nachwuchs tummeln sich in ihren Gehegen rund um die Anmeldung.

Im Biergarten gegenüber des Spielplatzes, der täglich auch für externe Besucher geöffnet ist, stehen Wildspezialitäten auf der Karte. Rolf Meyer zu Bentrup, der den 1956 gegründeten Campingplatz vor zehn Jahren übernommen hat, hat nicht nur ein Faible für exotische Tiere, sondern auch für die Jagd. Im Hofladen können die Gäste Erdbeeren, Gurken und Tomaten aus eigenem Anbau und andere Produkte bekommen. Brötchen und Kaffee, Eis, Infos und Ausflugstipps für die Umgebung gibt’s am Empfang.

"Wenn's nicht gefällt, einfach weiterfahren"

Eine weitere offizielle Campingmöglichkeit besteht am Johannisberg. Seit Juli 2011 gibt es dort zehn voll ausgestattete Wohnmobil-Stellplätze, Aufenthaltsdauer: bis zu fünf Tage. Kosten: 5 Euro pro Übernachtung inklusive Brauchwasserentsorgung, zuzüglich Strom und Frischwasser. Gezahlt wird am Automaten. Ursula und Erich Wolters sind für ein langes Wochenende aus Wietmarschen in der Nähe der holländischen Grenze angereist. Erst einmal ausschlafen ist ihre Devise, dann wird gemütlich im voll ausgestatteten Camper gefrühstückt. Etwa jedes zweite Wochenende sind die beiden in ihrem fahrbaren Zweitwohnsitz unterwegs. „Beim Campen ist man so frei, kann machen, was man will", sagt Ursula Wolters. „Wenn’s einem irgendwo nicht gefällt, fährt man einfach wieder."

Einen 600 Seiten starken Atlas haben sie dabei, in dem 6.300 Campingplätze in Deutschland beschrieben werden. Darin haben sie auch den Platz am Johannisberg gefunden. „Die citynahe Lage direkt im Naturpark Teutoburger Wald und das abwechslungsreiche Kultur- und Freizeitangebot in unmittelbarer Nachbarschaft machen den Wohnmobil-Standort für Besucher attraktiv", wirbt die Stadt Bielefeld dafür auf ihrer Internetseite. Tierpark, Stadtbummel und der Wald: Wolters gefällt’s.

Egal wohin sie kommen: Die Plätze seien immer gut belegt. „Man merkt überall, dass immer mehr Leute Campingurlaub machen", berichten die beiden.

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