Schaeffler-Kündigungen: „Wir kämpfen noch um jede Stelle“

Jonas Damme

Ute Herkströter, Erste Bevollmächtigte IG Metall Bielefeld - © Foto: Marc Uthmann
Ute Herkströter, Erste Bevollmächtigte IG Metall Bielefeld (© Foto: Marc Uthmann)

Steinhagen. Am vergangenen Freitag hatte die IG Metall bundesweit zu einem Aktionstag bei der Schaeffler AG aufgerufen. Zeitgleich fanden an den Standorten Betriebsversammlungen statt, es wurden Flyer verteilt und über die Zukunft gesprochen. Die Mitarbeiter sollten mobilisiert und informiert werden, die Geschäftsleitung sollte merken, dass man bereit ist, um die bedrohten Arbeitsplätze zu kämpfen.

Wie berichtet sind in Steinhagen 200 der insgesamt rund 400 Stellen bis zum nächsten Jahr in Gefahr. Konkret will sich die Firmenleitung aber nach wie vor nicht festlegen. Weil der Autoteile-Bereich des internationalen Zulieferers schwächelt, sind besonders diese Mitarbeiter vom Stellenabbau bedroht.

Die IG Metall hatte angekündigt, den Stellenabbau nicht so einfach hinzunehmen. Zuletzt war eine unabhängige Unternehmensberatung beauftragt worden, die Sparpläne gegenzurechnen und eigene Konzepte zu entwickeln, wie Ute Herkströter, Geschäftsführerin der IG Metall Bielefeld, erklärte. „Die Berater haben nun Zahlen bekommen und sprechen mit Schaeffler darüber, was möglich ist", so Herkströter. Eine wichtige Frage sei: „Kann man vielleicht andere Produktionen nach Steinhagen verlagern?" Auch die Überlegung, wie die E-Mobilität in Deutschland Stellen schaffen könne, sei grundlegend. „Wir warten jetzt auf die Ergebnisse", so die Geschäftsführerin der IGM Bielefeld.

Schaeffler reagierte auf Gewinneinbrüche und einen extremen Einbruch der Aktien

Ihrer Erfahrung nach sei es ein gutes Zeichen, dass man noch nicht über Interessenausgleiche und den Sozialplan verhandele. „Wir kämpfen noch um jede Stelle."

Im März hatte die Schaeffler-Gruppe angekündigt, deutschlandweit rund 900 Stellen einzusparen. Die Streichung ist Teil eines Programms, mit dem Schaeffler auf starke Gewinneinbrüche und einen extremen Einbruch seiner Aktien an der Börse reagierte. Daran soll auch der Dieselskandal Schuld tragen.

Ein anderer Teil der Strategie ist offenbar die Verschiebung der Produktion nach Fernost. Kürzlich kündigte Schaeffler per Pressemitteilung an, in Vietnam 300 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Mit zuletzt 92.500 Mitarbeitern ist Schaeffler eines der weltweit größten Familienunternehmen und verfügt mit rund 170 Standorten in über 50 Ländern über ein weltweites Netz aus Produktionsstandorten und Vertriebsgesellschaften.

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