Integrationscafé geschlossen, weil Frauen nicht Deutsch sprechen wollten

Es bildete sich eine immer größer werdende Clique arabisch sprechender Frauen. Die anderen Frauen fühlten sich ausgeschlossen, es kam zum Krach.

Sonja Faulhaber

Integration funktioniert nicht nur in eine Richtung. Diese Erfahrung hat gerade das Familienzentrum Steinhagen gemacht. - © CCO Pixabay
Integration funktioniert nicht nur in eine Richtung. Diese Erfahrung hat gerade das Familienzentrum Steinhagen gemacht. (© CCO Pixabay)

Steinhagen. Integration funktioniert dort am besten, wo alle Beteiligten sich bemühen, Deutsch zu sprechen. Wenn aber ein Teil der Anwesenden nur noch in der Muttersprache spricht und damit die anderen ausschließt, wird es schwierig mit der Gemeinsamkeit. Eine Erfahrung, die Elisabeth Zsizka, Leiterin des Familienzentrums, gerade machen musste. Das 2009 initiierte »Internationale Café« musste Ende vergangenen Jahres eingestellt werden. „Schweren Herzens", wie Elisabeth Zsiska im Sozialausschuss Dienstagabend den Anwesenden erklärte. „Doch es kamen immer weniger."

Dieser Entscheidung vorangegangen war ein schleichender Prozess. Von Beginn an trafen sich vor allem Mütter mit Kindern im »Internationalen Café«. Diese kamen aus über einem Dutzend verschiedener Herkunftsländer. Manche sprachen gut Deutsch, andere gebrochen. „Aber wir haben immer interveniert, dass hauptsächlich Deutsch gesprochen wurde", so Zsiska. Ein Konzept, das aufging – bis vor gut zwei Jahren. Zu diesem Zeitpunkt besuchten immer öfter arabisch sprechende Flüchtlinge das »Internationale Café«. Manche konnten kein Wort Deutsch, andere waren nicht bereit, sich auf Deutsch zu unterhalten. Dadurch bildete sich eine immer größer werdende Clique arabisch sprechender Frauen. Die anderen Frauen fühlten sich ausgeschlossen, es kam zum Krach. „Am Ende blieben viele weg", so Zsiska.

Neustart gescheitert

Der Versuch von Elisabeth Zsiska, gemeinsam mit den Flüchtlingen das Café neu zu beleben, gelang Ende vergangenen Jahres nicht. Zwar war der Wunsch da, gemeinsam Ausflüge zu machen, doch zu den Terminen kam kaum jemand. Daher gehört das »Internationale Café« seit Jahresbeginn nicht mehr zum Angebot des Familienzentrums.

Die Sprachlotsen dagegen werden immer noch gebraucht. In 2018 wurden sie 37 Mal eingesetzt. Insgesamt 13 Personen mit Kenntnissen in elf verschiedenen Sprachen – von Farsi über Arabisch bis zu Französisch – arbeiten in Steinhagen. Da viele von ihnen mittlerweile voll berufstätig sind, sollen im nächsten Jahr neue Lotsen ausgebildet werden. „Besonders in Schulen und Kindergärten brauchen wir diese Unterstützung dringend", so Zsiska.

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