In Steinhagen fällt eine halbe Pfarrstelle weg

Frank Jasper

Kirchengemeinde im Umbruch: Ralf Engelhardt vom Presbyterium (von links), Pfarrerin und Presbyteriumsvorsitzende Kirsten Schumann und Pfarrer Ulrich Potz, der sich nächstes Jahr in den Ruhestand verabschiedet, laden zur Gemeindeversammlung ein. - © Frank Jasper
Kirchengemeinde im Umbruch: Ralf Engelhardt vom Presbyterium (von links), Pfarrerin und Presbyteriumsvorsitzende Kirsten Schumann und Pfarrer Ulrich Potz, der sich nächstes Jahr in den Ruhestand verabschiedet, laden zur Gemeindeversammlung ein. (© Frank Jasper)

Steinhagen. Die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde ist unter die 8000er-Marke geraten. Für das Gemeindeleben hat das gravierende Folgen. Zum Beispiel bei der Nachfolgeregelung von Pfarrer Ulrich Potz.

Denn er wird Ende April nächsten Jahres in den vorzeitigen Ruhestand ausscheiden. Das bestätigte er während eines Pressegesprächs. Seine Stelle wird lediglich mit einer halben Pfarrstelle neu besetzt. Grund dafür sind sinkende Mitgliederzahlen der evangelischen Kirchengemeinde Steinhagen. Laut Verteilungsschlüssel wird ab einer Zahl von 2.700 bis 3.000 Gemeindegliedern eine Pfarrstelle eingerichtet. Mit nunmehr knapp unter 8.000 Gemeindegliedern sind nur noch zweieinhalb Stellen vorgesehen.

In der Folge sollen die Pfarrbezirksgrenzen in Steinhagen neu gezogen werden. Auf einer Gemeindeversammlung am Sonntag, 9. September, will das Presbyterium die Gemeindeglieder über die anstehenden Veränderungen informieren. Dazu sind alle Interessierten um 11.30 Uhr in das Dietrich-Bonhoeffer-Haus eingeladen.

Noch hat die Kirchengemeinde drei volle Pfarrstellen, die von den Pfarrern Ulrich Potz, Kirsten Schumann und Dagmar Schröder besetzt sind. Die Pfarrer im Entsendungsdienst, Christhard Greiling und Petra Isringhausen, spielen beim Verteilschlüssel keine Rolle.

"Jeder hat die freie Wahl, wo er zur Kirche geht"

Künftig soll das Gemeindegebiet oberhalb der Autobahn zu einem Pfarrbezirk mit knapp 3.000 Gläubigen zusammengefasst werden. Die Bereiche um das Johannes-Busch-Haus und das Friedrich-von-Bodelschwingh-Haus fallen in diesen Bezirk, der von Pfarrerin Dagmar Schröder betreut wird. Der Ortskern südlich der Autobahn mit der Dorfkirche als Mittelpunkt hat rund 2.800 Gemeindeglieder, für die Pfarrerin Kirsten Schumann verantwortlich sein wird.

Das Gebiet südlich der Autobahn, westlich der Bahnhofstraße soll den dritten Pfarrbezirk bilden, der von Ulrich Potz’ Nachfolger betreut wird. Dieser Bezirk zählt etwa 1.340 Gläubige. Auch für sie werden Dorfkirche und Bonhoeffer-Haus das Zentrum bilden.

Noch unklar ist, welchem Bezirk die Siedlung unterhalb der Langen Straße in Obersteinhagen zugeschlagen wird, in der 450 Gemeindeglieder leben. „Das soll auf der Versammlung besprochen werden", kündigt Pfarrerin und Presbyteriumsvorsitzende Kirsten Schumann an. Pfarrer Potz betont: „Natürlich hat auch weiterhin jeder die freie Wahl, wo er zur Kirche geht. Es geht bei der Neuregelung der Pfarrbezirke um die Zuständigkeit bei den Amtshandlungen."

Pfarrerin Schumann: Es wird einige Einschnitte geben

Der Wegfall einer halben Pfarrstelle hat weitere Konsequenzen. Zwar hob Ulrich Potz hervor, dass die pastorale Grundversorgung keine Beeinträchtigung erfahren werde, Pfarrerin Schumann leugnete jedoch nicht, dass es an anderen Stellen Einschnitte geben müsse. „Aus dem Hospizteam werde ich ausscheiden, und wir müssen schauen, ob künftig zu jedem 80. Geburtstag ein Pfarrer vorbeischaut", nannte sie Beispiele.

Laut Pfarrer Potz stehe die Gemeinde Steinhagen trotz des Wegfalls einer halben Stelle nach wie vor vergleichsweise gut da: „Wir leisten uns noch einen hauptamtlichen Küster, eine Kantorin und Jugendreferenten. Das gibt es in vielen anderen Gemeinden längst nicht mehr."

Kommentar: Kirche muss den Menschen nahe bleiben

Die Reduzierung einer Pfarrstelle um die Hälfte ist eine schlechte Nachricht für die Kirchengemeinde. Und es ist nicht die erste. Bereits der Umbau des Friedrich-von-Bodelschwingh-Hauses vom Gemeindezentrum zur Diakoniestation (immerhin mit Andachtsraum) war ein Schlag ins Kontor. Nun entsteht der Eindruck: Die Kirche zieht sich immer mehr zurück. Stimmt. Das ist aber in erster Linie eine Reaktion darauf, dass sich immer mehr Menschen aus der Kirche zurückziehen.

Weniger Gemeindeglieder bedeuten weniger Kirchensteuereinnahmen bedeuten weniger Geld für Personal. Brenzlig wird es dort, wo seelsorgerische Aufgaben nicht mehr erfüllt werden können. Vor allem hier muss die Kirche im persönlichen Kontakt den Menschen nahe bleiben. Pfarrer sollten darum von Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Denn gerade die seelsorgerischen Funktionen können nicht mal eben an ehrenamtliche Laien delegiert werden.

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