Kirchengemeinde Brockhagen feiert 450 Jahre

Frank Jasper

Blick in den Altarraum: Anfang der 1960er Jahre sah die St. Georgskirche noch so aus. - © Foto: HK Archiv
Blick in den Altarraum: Anfang der 1960er Jahre sah die St. Georgskirche noch so aus. (© Foto: HK Archiv)
Laden ein zum Gemeindegeburtstag: Monika Tuxhorn (von links), Pfarrer André Heinrich, Sigrid Fleming und Maren Gerling bereiten das Fest vor. - © Frank Jasper
Laden ein zum Gemeindegeburtstag: Monika Tuxhorn (von links), Pfarrer André Heinrich, Sigrid Fleming und Maren Gerling bereiten das Fest vor. (© Frank Jasper)

Steinhagen-Brockhagen. Ein Blick in die Chronik der Brockhagener Kirche gibt Aufschluss darüber, wie vor 450 Jahren alles begann. Kurt Kükenshöner erinnert darin auch an die Zeit vor der Gemeindegründung, als Brockhagen noch zur Kirchengemeinde Halle gehörte. Eine eigene Kapelle hatte Brockhagen schon damals. Sie wurde aber lediglich als Friedhofskapelle genutzt. Wenn die Brockhagener am Sonntag einen Gottesdienst besuchen wollten, mussten sie sich zu Fuß auf den zehn Kilometer langen Weg nach Halle machen. So entstand mit der Zeit der Wunsch nach einem eigenen Pastor – und einer eigenen Kirche.

Also schrieb Wolfgang von Closter, damaliger Besitzer des Gutes Patthorst, einen Bittbrief an den zuständigen Landesherrn Hofrat zu Jülich, um „den armen Leuten in Brockhagen zu helfen". Doch die beiden hatten die Rechnung ohne den Abt zu Iburg gemacht, der mit der Abspaltung der Gemeinde Brockhagen von der Haller Muttergemeinde nicht einverstanden war. Auch die Kirchengemeinde Halle wehrte sich energisch gegen die Verselbständigung Brockhagens, schließlich gingen dadurch nicht nur Gemeindeschäfchen verloren, sondern auch Einkünfte. Doch davon ließen sich die Brockhagener nicht beeindrucken.

Böser Seitenhieb Richtung Halle auf dem Kirchturm

So alt wie die Gemeinde: Die St. Georgskirche ist der Mittelpunkt des Dorfes. - © Foto: Jonas Damme
So alt wie die Gemeinde: Die St. Georgskirche ist der Mittelpunkt des Dorfes. (© Foto: Jonas Damme)

In der Chronik heißt es: „Nicht selten geschah es, dass man Wagenkolonnen, welche Steine für den Kirchenbau aus dem Teutoburger Wald nach Brockhagen holten, überfiel, und ihre schwer beladenen Wagen umwarf. Die Brockhagener schafften es aber dennoch." Auf der Nordseite ihres Kirchturms – also in Richtung Halle – brachten sie ihren Unmut in einer Inschrift zum Ausdruck: »Help Got aues Noet, Afgunst ist gros« – »Helf Gott uns aus der Not, die Abgunst ist groß«.

Blick in die Chronik: Kurt Kükenshöner (vor zehn Jahren beim 440. Kirchengeburtstag in der Uniform eines Ausrufers) hat sich intensiv mit Brockhagens Kirchenhistorie befasst. - © Bild: Birgit Nolte
Blick in die Chronik: Kurt Kükenshöner (vor zehn Jahren beim 440. Kirchengeburtstag in der Uniform eines Ausrufers) hat sich intensiv mit Brockhagens Kirchenhistorie befasst. (© Bild: Birgit Nolte)

Am 31. Januar 1568 wurde die Kirche in Brockhagen eingeweiht, und Bartholdus Custodis wurde als erster Pfarrer in sein Amt eingeführt.

Benannt wurde das Gotteshaus nach dem Heiligen Georg. viele Legenden ranken sich um den Ritter und christlichen Märtyrer. „Besondere Berühmtheit erlangte die Legende vom Kampf des Heiligen Georgs mit einem Drachen, der in einem See vor der Stadt Silena in Lybia hauste und die Stadt mit seinem Gifthauch verpestete", erfährt man aus der Gemeindechronik. „Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte."

Nach der Abtrennung Brockhagens von Halle wurde auch in Hörste der Wunsch laut, einen eigenen Prediger zu erhalten und eine selbständige Kirchengemeinde zu bilden. Die Hörster mussten aber noch bis 1707 warten, bis der Bauernschaft Hörste durch den König Friedrich I. von Preußen am 3. Mai 1707 ein eigener Prediger bewilligt wurde.

Weil die Gemeinde wuchs, war die Brockhagener Kirche im 18. Jahrhundert zu klein geworden, so dass sie 1752 erweitert wurde. Von 1960 bis 1963 fanden unter dem damaligen Pfarrer Walter Schönewald umfangreiche Renovierungsarbeiten in dem Gotteshaus statt. Im Presbyterium wurde über viele Detailfragen gestritten. Vergangenes Jahr und somit rechtzeitig vor dem 450. Geburtstag der St. Georgskirche, wurde der Innenraum erneut einer Generalüberholung unterzogen.

Von 1926 bis 2011 hatte die Kirchengemeinde Brockhagen ein Gemeindehaus an der Lutherstraße, für das sich der eigens gegründete Saalbauverein stark gemacht hatte. Der Posaunenchor, der seit 1898 existiert, und der Kirchenchor, den es seit 1924 gibt, profitierten davon ebenso wie die Frauenhilfe.

Heute nutzen die kirchlichen Gruppen das Kantorhaus, das 1769 gleich neben der Kirche entstand und ursprünglich als Schulhaus genutzt wurde.

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