50 Jahre Interstil Diedrichsen: In der Garage fing alles an

Birgit Nolte

Fassade aus Fachwerk: Manfred Diedrichsen und Sohn Jens freuen sich über das besondere Geschenk, das ihnen das Mitarbeiter-Team zum 50-jährigen Bestehen geschenkt hat – das Firmengebäude in Kuchenform. Fotos: Birgit Nolte - © bno
Fassade aus Fachwerk: Manfred Diedrichsen und Sohn Jens freuen sich über das besondere Geschenk, das ihnen das Mitarbeiter-Team zum 50-jährigen Bestehen geschenkt hat – das Firmengebäude in Kuchenform. Fotos: Birgit Nolte (© bno)

Steinhagen. Schon als kleiner Junge hat Manfred Diedrichsen gerne getüftelt. Und selbstständig wollte er sein. „Am liebsten hätte ich eine Tischlerwerkstatt aufgemacht, aber dafür brauchte man so viel Werkzeug. Das war für den Sohn einer Kriegswitwe einfach nicht drin", berichtet der heute 77-Jährige. Also lernt er Polsterer. Aus rein pragmatischen Gründen: „Mit zwei Böcken konnte man da gleich loslegen." Mit viel Fleiß, guten Ideen und unternehmerischem Geschick ist daraus innerhalb von 50 Jahren ein Familienbetrieb mit 120 Angestellten und 18 Millionen Euro Jahresumsatz geworden.

Richtfest in den Achtzigern: Der Firmenchef plante das Gebäude. Das Team baute die Fertigteile. An einem Wochenende wurde es an der Liebigstraße zusammengefügt. - © Foto: Diedrichsen
Richtfest in den Achtzigern: Der Firmenchef plante das Gebäude. Das Team baute die Fertigteile. An einem Wochenende wurde es an der Liebigstraße zusammengefügt. (© Foto: Diedrichsen)

Nicht von ungefähr ist Interstil Diedrichsen Marktführer. „Diese komischen Gardinenschienen waren früher eine einzige Katastrophe", erinnert sich Diedrichsen. So wie bei Bill Gates beginnt 1967 alles in einer Garage. Ehefrau Marianne schmeißt zwei Jahre lang das Büro im Eigenheim.

Mit im Boot sitzt KfZ-Mechaniker Alfred Scharkowski. Gemeinsam entwickelt das Gespann die ersten Maschinen, die bald jene Artikel produzieren, die der Hausfrau das Gardinenaufhängen leichter machen sollen. Bis heute ist die eigene Maschinenplanung und deren Produktion das Herzstück des Unternehmens geblieben. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal in der Branche.

Doch zu Beginn ist erst einmal Klinken putzen angesagt. Diedrichsen klappert mit seiner Gardinenschiene unterm Arm etliche Raumausstatter ab. Im Kaufhaus Quelle hat er Glück, der erste Großabnehmer ist gefunden.

Von da an gibt es nur eine Richtung: bergauf. Das junge Unternehmen zieht in das erste Firmengebäude gegenüber Jung-Pumpen, das wird schnell zu klein. Brockhagen ist ab 1972 die nächste Adresse, direkt neben Hörmann. Der Torhersteller will sich 1985 erweitern. Diedrichsen verkauft und baut an der Liebigstraße neu. Als Erster und ganz besonders fix: „Wir haben schon angefangen bevor die Baugenehmigung da war. Das wäre heute völlig unmöglich", berichtet Diedrichsen, der den Bau plante und die Fertigbauteile auch in seinem Unternehmen herstellen ließ.

Programm für die ganze Familie: Yvonne und Sohn Ben-Marlon Störmer probieren Segways aus. - © Birgit Nolte
Programm für die ganze Familie: Yvonne und Sohn Ben-Marlon Störmer probieren Segways aus. (© Birgit Nolte)

„Am Anfang hielten gleich ganze Reisebusse vor dem Gebäude, weil sie hinter der heimeligen Fachwerkfassade ein Restaurant vermuteten", erinnert sich Thomas Sterhoff bei der Jubiläumsfeier. Der Banker ist nicht von ungefähr Laudator. Als Chef der Steinhagener Filiale hat Sterthoff, mittlerweile Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, entscheidende Firmenphasen begleitet und unterstützt.

Etwa als sich das Unternehmen vor acht Jahren dazu entschließt, den direkten Vertriebsweg zu gehen. Aus einem Dutzend Großhändler, die sonst auf dem Auslieferungszettel stehen, werden so auf einmal 4000 Kunden. Eine Entscheidung, die Sohn Jens mitträgt. Seit 18 Jahren gehört der 49-Jährige zur Unternehmensfamilie. Genauso lang ist Designer Frank Greiser Teil des Teams, dessen Arbeit mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden ist.

Vater und Sohn sind heute beide als Geschäftsführer tätig, was glücklicherweise gut funktioniert, denn der Senior denkt gar nicht ans Aufhören. „Früher musste ich auch die Pflicht erledigen. Heute mache ich nur noch die Kür", sagt Manfred Diedrichsen lächelnd. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, sich im Rahmen der Jubiläumsfeier nicht nur bei Familie und Mitarbeitern, sondern auch bei Gott mit einem Gebet zu bedanken.

Wenig überraschend, dass er auch gerne gibt. Für den geplanten Neubau der Kinderklinik Bethel überreicht Diedrichsen vor 500 Gästen einen Spendenscheck in Höhe von 50.000 Euro an Projektleiterin Dr. Maren Thäter.

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