Corona-Kontaktpersonen: Gesundheitsamt kann Fälle kaum noch nachvollziehen

Positiv auf das Corona-Virus getestete Patienten geben meist zahlreiche Menschen an, mit denen sie Kontakt hatten. Das Gesundheitsamt kann die Fälle kaum noch nachvollziehen.

Marc Uthmann

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Altkreis Halle. Dieser Fall aus einer Hausarztpraxis im Altkreis Halle stellt wohl ein sehr gutes Beispiel für die Probleme dar, vor denen die Verantwortlichen des Kreises Gütersloh derzeit stehen: Nach einem positiven Corona-Test hatte der Patient stolze 120 Personen angegeben, mit denen er jüngst Kontakt hatte. Theoretisch müsste das Gesundheitsamt diese nun alle nachverfolgen und telefonisch benachrichtigen.

Doch dass die Behörde dabei zunehmend an Grenzen stößt, hatte Thomas Kuhlbusch, Leiter des Dezernats Gesundheit und des aktuellen Krisenstabes, bereits am Montag in einer Videobotschaft des Kreises klargestellt: Die Laborbestätigungen erreichten den Kreis nur mit Verzögerung, weshalb die Zahl der Fälle weiter ansteigen werde. „Hinzu kommen viele Verdachtsfälle – wir müssen uns in der Bearbeitung jetzt konzentrieren." Es sei nicht mehr alles zu leisten, nicht jede Frage von Bürgern könne beantwortet werden. Der Kreis nehme mit den positiv Getesteten Kontakt auf, damit diese in häusliche Quarantäne gehen könnten. Bei deren Kontaktpersonen werde das Gesundheitsamt nur noch mit jenen in Verbindung treten, die im medizinischen oder pflegerischen Tätigkeitsbereich sowie in der kritischen Infrastruktur – sprich Feuerwehr oder Polizei – tätig seien. „Alles andere müssen wir im Moment nach hinten packen", stellte Kuhlbusch klar.

Und der Gesundheitsdezernent räumt in einer weiteren Videobotschaft ein: „Wir wissen nicht mehr genau, wer sich infiziert hat." Darum rät er: „Halten Sie Kontakt, aber Abstand. Und das, was wir an Abstand haben, können wir durch Freundlichkeit und Zuwendung ausgleichen."

Das ist zweifellos eine unbefriedigende Auskunft für manchen Allgemeinmediziner im Kreis, auch die Hausärztin im geschilderten Beispiel hatte darauf gesetzt, dass die genannten Kontakte lückenlos nachverfolgt werden. Immerhin bemüht sich der Kreis hier, seine Kapazitäten auszubauen: „Wir versuchen weiterhin, sämtliche Kontaktpersonen zu ermitteln, und haben dafür weitere zehn Leute abgestellt", berichtet Kreissprecher Jan Focken auf Anfrage des Haller Kreisblattes. Es sei allerdings dennoch fraglich, ob es bei Fällen mit 120 Kontaktpersonen Aussicht auf vollständigen Erfolg gebe. Wer selbst erfahren hat, dass er in Kontakt mit einem Infizierten war, sollte sich direkt an die Hotline des Gesundheitsamtes unter ` (0 52 41) 8 5- 45 00 (8 bis 17 Uhr) oder die kassenärztliche Bundesvereinigung unter ` 116-117 (ab 17 Uhr) wenden. Die Behörden entscheiden dann darüber, ob der Betroffene als Verdachtsfall in Quarantäne muss.

Zweite Phase im Kampf gegen das Virus

Ohnehin sei man im Kampf gegen das Virus aus Sicht des Gesundheitsamtes längst in einer anderen Phase angekommen. „Die Zeit, in der wir versuchen, Corona durch lückenlose Nachverfolgung der Kontaktpersonen nachzuverfolgen, ist längst vorbei. Jetzt geht es darum, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Und in der dritten Phase werden wir uns auf die Behandlung der schwereren Fälle konzentrieren", erklärt Jan Focken. Dafür rüsteten sich die Krankenhäuser im Kreis Gütersloh derzeit, indem sie ihre Intensivkapazitäten aufstocken.

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