Das große Baumsterben in Halle

Trockenheit und Schädlingsbefall: Heißer Sommer und trockener Winter – jetzt kämpfen Fichten und Buchen ums Überleben. Ein weitere Hitzeperiode hätte katastrophale Folgen

Heiko Kaiser

Buchenhochwald im Mai: Statt in sattem Grün präsentiert sich der Haller Stadtwald oberhalb des Friedhofs mit vielen braunen Stellen. Das ist nur der Anfang. In den kommenden zwei Jahren könnten die Folgen der Trockenheit noch deutlicher werden. - © Ulrich Fälker
Buchenhochwald im Mai: Statt in sattem Grün präsentiert sich der Haller Stadtwald oberhalb des Friedhofs mit vielen braunen Stellen. Das ist nur der Anfang. In den kommenden zwei Jahren könnten die Folgen der Trockenheit noch deutlicher werden. (© Ulrich Fälker)

Halle. Die Lage ist dramatisch. Daran lässt Johannes Otto Lübke keinen Zweifel aufkommen. Noch zeichnen sich die Auswirkungen des heißen Sommers vor allem am Fichtenbestand ab. „Das sieht traurig aus", sagt der Förster. Dieses Trauerspiel ist unter anderem am Künsebecker Weg zu beobachten, wo an vielen Stellen ganze Baumbestände dem Tod geweiht sind.

„Sie sterben aber nicht wegen Wassermangels, sondern durch den Befall des Borkenkäfers", stellt Lübke klar. Dass der Schädling allerdings im vergangenen Jahr statt wie gewöhnlich eine Generation Nachkommen dreimal so viel produzierte, ist Folge der lang anhaltenden warmen und trockenen Wetterlage. Sollte 2019 ein ähnlich warmer Sommer folgen, würde sich die ohnehin schon hohe Borkenkäferpopulation weiter dramatisch erhöhen. „Daran möchte ich gar nicht denken", sagt Lübke.

Die Buchen im Stadtwald sind besonders gefährdet

Denn auch ein großer Teil des Buchenbestandes würde eine weitere lang andauernde Hitzeperiode nicht überstehen. Vor allem die Bäume im Stadtwald oberhalb des Friedhofs sind hier offensichtlich gefährdet. Dazu haben gleich mehrere Faktoren beigetragen: Durch die Südlage sind sie besonders von dem heißen trockenen Sommer betroffen. Außerdem wachsen sie hier auf steinigem kalkhaltigem Boden, der zwar sehr nährstoffreich ist, aber nur über eine geringe Wasserspeicherungskapazität verfügt. Durch den Stress, den die Buchen erlitten haben, waren sie angreifbarer für den Pilzbewuchs, der ihre Vitalität weiter geschwächt hat.

Kiefern am Künsebecker Weg: Der Borkenkäfer hat den Baumbestand in Totholz verwandelt. - © Heiko Kaiser
Kiefern am Künsebecker Weg: Der Borkenkäfer hat den Baumbestand in Totholz verwandelt. (© Heiko Kaiser)

„Noch sieht man die Schäden nicht in ihrem ganzen Ausmaß. Erst im kommenden und übernächsten Jahr wird klar sein, wie viele Bäume so schwer beschädigt sind, dass sie nicht überleben werden", sagt Johannes Otto Lübke. Er hofft auf einen feuchten Sommer. „Dann könnten sich viele Bäume erholen. Einen weiterern heißen Sommer aber würden sie nicht überleben."

Die Situation wird Thema im Umweltausschuss

Die Handlungsmöglichkeiten sind gering. „Man kann lediglich das Totholz aus dem Wald herausholen und versuchen es zu verkaufen. Aber derzeit sind die Preise im Keller und die Nachfrage zu gering, als dass man es loswerden könnte", sagt Lübke.

Die Situation des Haller Stadtwaldes ist am Mittwoch, 5. Juni, dem Tag der Umwelt, Thema im Haller Umweltausschuss. Um sich ein Bild von der Lage zu machen, treffen sich die Ausschussmitglieder bereits um 15.45 Uhr am Holzplatz Storckenweg. Förster Johannes Otto Lübke wird die Führung übernehmen. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind dazu eingeladen.

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