Digital statt analog: Der schlaue Stromzähler kommt

Heiko Kaiser

Alte Technik: Drehende Rädchen und mechanische Anzeige werden in einigen Jahren Geschichte sein. Ab 2032 soll es nur noch digitale Stromzähler geben. In Halle werden von der TWO jährlich 1250 moderne Messeinrichtungen eingebaut. Foto: ©Kzenon – stock.adobe.com - ©Kzenon - stock.adobe.com
Alte Technik: Drehende Rädchen und mechanische Anzeige werden in einigen Jahren Geschichte sein. Ab 2032 soll es nur noch digitale Stromzähler geben. In Halle werden von der TWO jährlich 1250 moderne Messeinrichtungen eingebaut. Foto: ©Kzenon – stock.adobe.com (©Kzenon - stock.adobe.com)

Halle. Der alte Stromzähler hat ausgedreht. Er ist schlichtweg nicht mehr schlau genug. Das jedenfalls findet die Bundesregierung. Sie hat dem alten Drehrädchen mit dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende den Schwung genommen. Seit Anfang 2018 werden daher auch in Halle die analogen Zähler schrittweise durch sogenannte moderne Messeinrichtungen ersetzt.

Das sind digitale Stromzähler mit Gedächtnis. „Auf ihnen kann der Verbrauch der zurückliegenden 24 Monate abgefragt werden", sagt Stefan Vogt, bei der TWO zuständig für den Geschäftsbereich Netze. Wer also wissen will, wie viel Strom er in einem beliebigen Zeitraum der vergangenen zwei Jahre verbraucht hat, kann das zukünftig tagesgenau ablesen. Der Schlüssel zu diesem Archiv ist eine PIN-Nummer, die die TWO auf Anfrage an die Verbraucher herausgibt. „Damit wird verhindert, dass beispielsweise in Mehrfamilienhäusern der Nachbar in den Zähler blicken kann", sagt Vogt.

Das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) schreibt vor, dass bis 2032 alle Zähler digitalisiert sein sollen. Das geschehe in Halle im Rahmen des turnusgemäßen Wechsel am Ende der Eichfrist von zwölf Jahren, erklärt Vogt. Laut Plan sollen 2018 und 2019 jeweils 1250 Zähler ausgetauscht werden.

Beim Einbau entstehen den Kunden keine zusätzlichen Kosten

Für die Kunden entstehen beim Einbau der neuen Messeinrichtungen zunächst keine Kosten. Allerdings, und auch das ist im MsbG geregelt, darf der Messstellenbetreiber jährliche Kosten für den Betrieb eines modernen Messsystems an die Kunden weitergeben. Die Obergrenze ist hier bei 20 Euro brutto pro Jahr gezogen. Genau diesen Betrag stellt die TWO in Rechnung.

Die Umstellung auf digitale Zähler ist jedoch nur der erste Schritt zum angestrebten Ziel, das Stromnetz besser steuerbar zu machen. Das ist aufgrund der teilweise stark schwankenden Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien notwendig geworden.

Diese Funktion kann ein digitaler Stromzähler allein jedoch nicht leisten. Erst durch Ergänzung mit einer Kommunikationseinheit, dem sogenannten Smart Meter Gateway, wird die moderne Messeinheit tatsächlich zum intelligenten Stromzähler, der Verbrauchsdaten automatisch über das Internet versenden und gleichzeitig auch Daten empfangen kann.

Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr und Betreiber von Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von mehr als sieben Kilowatt sollen schon seit 2017 diese intelligenten Messsysteme erhalten. Ab einem Jahresverbrauch von 6.000 Kilowattstunden ist ein Pflichteinbau von 2020 an vorgesehen.

Bislang allerdings hat erst ein Hersteller die hohen Anforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik erfüllt. Die Sicherheitshürden sind hier sehr hoch. Zurecht, wie die Verbraucherzentrale erklärt: „Wie bei jedem Gerät, das Daten über Funk oder Kabel versendet, ist ein intelligentes Messsystem durch Personen mit kriminellen Absichten grundsätzlich angreifbar. Aus den gespeicherten Messwerten könnten diese Erkenntnisse über Alltag, Gewohnheiten und Lebensstandard der Bewohner gewinnen", sagt sie auf ihrer Website.

So bleibt es erst einmal noch Zukunftsmusik, dass ein intelligenter Stromzähler automatisch die vorbereitete Waschmaschine einschaltet, wenn der Strom besonders billig ist oder die Solaranlage den Strom einspeist, wenn dafür ein besonders hoher Preis vergütet wird. So schlau sind digitale Zähler eben auch nicht.

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