HalleSkater fordern Erneuerungen

Uwe Pollmeier

Skaterplatz an der Masch: Andreas Hortig (von links) zeigt vor den Augen seiner Kumpels Dirk Rösen, Maik Lemcke, Florian Schepers und Kai Schuller einige Tricks auf der relativ neuen Halfpipe. - © Uwe Pollmeier
Skaterplatz an der Masch: Andreas Hortig (von links) zeigt vor den Augen seiner Kumpels Dirk Rösen, Maik Lemcke, Florian Schepers und Kai Schuller einige Tricks auf der relativ neuen Halfpipe. © Uwe Pollmeier

Halle . „Wenn man ein neues Haus baut, soll ja auch der Vorgarten perfekt sein", sagt Kai Schuller . Gleiches sollte auch für die Fläche neben dem Schulzentrum Masch gelten. Dort wird für voraussichtlich 2,67 Millionen Euro ein neues Sportzentrum gebaut, aber das Eingangstor soll weiterhin die 26 Jahre alte Skateranlage bilden.

„Die Anlage ist total marode. Andere Kommunen investieren, aber wir haben eine Anlage, auf der man nicht trainieren kann", sagt der mehrfache deutsche Meister Andreas Hortig . Die große Halfpipe von 1992 wurde im Laufe der Jahre mehrfach verschoben und hat sich dadurch verzogen. Sie steht schief, da sie sich auf der einen Seite in den durch intensive Sonneneinstrahlung zeitweise weich gewordenen Asphalt reingedrückt hat. Der Aluminiumbelag war Anfang der 90er angesagt, heute ist er jedoch verbeult und macht beim Drüberrollen richtig Lärm. Zudem gibt es überall Stolperfallen durch die tiefen Abdrücke der einst dort gestandenen Geräte.

Stolperfallen: Abdrücke alter Sportgeräte haben auf dem Asphalt gefährliche Spuren hinterlassen. - © Uwe Pollmeier
Stolperfallen: Abdrücke alter Sportgeräte haben auf dem Asphalt gefährliche Spuren hinterlassen. (© Uwe Pollmeier)

Die Rampe sei für Skater, die an Wettbewerben teilnehmen, unbefahrbar. Daher werde sie auch kaum noch genutzt. Viele Talente seien längst wieder verschwunden, da sie in Halle nicht trainieren können und nicht mobil genug sind, um an anderen Orten fahren zu können: „Es ist wie ein Auto von 1992. Es fährt vielleicht noch, aber schön und konkurrenzfähig ist es nicht mehr", erklärt Schuller .

Die Skater und BMX-Fahrer aus Halle wünschen sich seit Jahren bessere Bedingungen, denn grundsätzlich bietet die Anlage beste Voraussetzungen. „Die Lage ist super. Schön ruhig und idyllisch", sagt Schuller . Er kenne auch einige Fahrer aus Bielefeld, die gerne ein- oder zweimal die Woche hierherkommen, weil es ihnen auf dem Kesselbrink einfach zu laut und zu voll ist.

Gerne erinnert man sich an die 1980er und 90er Jahre. „Halle war damals in der Szene ein Vorreiter", erinnert sich Schuller . Er selbst und einige seiner Freunde haben vordere Plätze bei deutschen Meisterschaften belegt und sind als Teilnehmer zu Weltmeisterschaften gefahren. „Aber das ist lange her, jetzt, zwei Jahre bevor Skateboarding olympisch wird, haben die Nachbarstädte Halle längst abgehängt", sagt Schuller . Dabei gehöre eine gute Skateranlage heute einfach zum Stadtbild dazu.

„Skaten sei nicht nur Sport, sondern eine Jugendkultur, die sich weiterentwickelt", sagt Florian Schepers . Zwar habe man zwischendurch immer mal wieder Teile der Anlage ersetzt, aber leider mit wenig fachmännischem Sachverstand. „Dieses Teil ist von einem Anbieter für Spielplatzgeräte", sagt Andreas Hortig und zeigt auf die kleine weiße Pyramide in der Mitte des Platzes. Kleinste Regentropfen reichen aus, um das Teil sehr glatt werden zu lassen. „Das kann man einfach nicht benutzen", sagt Hortig , der sich wünscht, dass die Verwendung vorhandener Gelder mit Kennern der Szene abgesprochen wird. „Es nützt doch nichts, Geld für etwas auszugeben, was niemand nutzen kann", sagt Hortig .

„Wir stehen bereits in Kontakt und haben die Skater gebeten, sich über ihre Wünsche Gedanken zu machen", sagt Fachbereichsleiterin Regina Bresser . Sie erwartet in Kürze den entsprechenden Antrag dazu, so dass das Thema dann im Fachausschuss direkt nach den Sommerferien aufgegriffen werden kann. „Dann müssen wir die Kostenvoranschläge der Politik vorlegen und die Sache nimmt ihren Lauf", sagt Bresser . Die Anregungen von außen nehme man gerne an, schließlich sei die Skateanlage zunächst kein Bestandteil des Sportentwicklungskonzepts gewesen.

Dabei ist die Anlage immer noch beliebt: Bis zu 80 BMX-Fahrer und Skateboarder kämen regelmäßig vorbei, der ganz aktive Kreis umfasse etwa 25 Fahrer. „Hier ist jeder willkommen", sagt Hortig . Es handele sich um eine offene Freizeitgestaltung, ganz ohne Verein und somit unabhängig. „Es ist ein Treffpunkt für alle", fasst Hortig zusammen, schließlich gebe es Skater kurz vor der Volljährigkeit, aber auch ebenso kurz vor Erreichen des Rentenalters.

„Wir wollen nur auf die Situation aufmerksam machen und wollen uns nicht gegen die Stadt stellen", sagt Schuller , der am 14. Juli an den deutschen Meisterschaften auf dem Kesselbrink teilnehmen wird. Um zu zeigen, wie groß das Interesse an einem modernen Skatepark ist, hat er eine Onlinepetition gestartet und sammelt Unterschriften. Ein Anfang sei bereits die vor wenigen Jahren neu aufgestellte kleine Halfpipe gewesen. „Das ist die beste Minirampe im Umkreis von 50 Kilometern", lobt er. „Wir hoffen, das noch etwas mehr passiert."

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