Auf der Harley Davidson bis Lissabon: Borgholzhausener on tour

Claus Meyer

Borgholzhausen (HK/clam). „Etwas nicht Alltägliches" nennt Christian Zepernick das, was er in diesem Sommer absolviert hat. Mit seiner Harley Davidson ist er losgefahren. Nicht etwa zum Nordseestrand oder in den Taunus. Ziel war die portugiesische Hauptstadt Lissabon. Knapp 2.500 Kilometer hin, knapp 2.500 Kilometer zurück. „Alleine durch mehrere Länder, ohne große Planung, einfach los und in der Erwartung, doch noch einige kleine Abenteuer zu erleben", umreißt Zepernick die Eckpunkte des Trips auf seiner »Road Elly«.

Ein Motel in Nordfrankreich war der erste Stopp. Das Bike hatte Zepernick direkt vor der Tür des leicht muffeligen Zimmers gestellt – fast wie in Amerika. Durch Paris bis kurz hinter Bordeaux verlief der zweite Tag ohne große Komplikationen. „Nur der Kopf und seine Gedanken wurden immer freier, wie wohl bei einer Sanduhr. Es rieselt einfach nach unten weg", beschreibt der Borgholzhausener seine Gefühle.

"Sanduhr leer, Kopf frei"

Nach einer weiteren Nacht in Südfrankreich warteten die Ausläufer der Pyrenäen entlang der Bucht von Biskaya auf Zepernick und seine Harley. Der Himmel verdeckt durch viele graue Wolken und in der ständigen Erwartung mächtiger Regenfälle sollte der Piumer Motorradfahrer mit dem Wetter an diesem stürmischen Ort aber Glück haben.

Road Elly: Seine Harley Davidson brachte Christian Zepernick von Borgholzhausen bis Lissabon. Foto: Privat - © Privat
Road Elly: Seine Harley Davidson brachte Christian Zepernick von Borgholzhausen bis Lissabon. Foto: Privat (© Privat)

Bei Irun warf Zepernick einen kurzen Blick auf den Atlantik. Dann ging es in Nordspanien in Richtung Burgos und weiter nach Valladolid, Salamanca und letztlich auf Portugal zu. Etappenziel war die Grenzstation Vilar Formoso. Von hier sind es noch rund 350 Kilometer bis Lissabon. Ein kleiner Kaffee, dazu die portugiesische Leckerei Natas de Belem und nicht zuletzt eine Flasche Sagres mini verliehen dem Borgholzhausener und seiner »Road Elly« Flügel.

„Mit dem Grenzübertritt nach Portugal war die Sanduhr leer", sagt Zepernick. „Kopf frei. Etwas, das sich viele mal wünschen, da bin ich mir sicher." Er fuhr nun eine Zeit lang nicht mehr allein, sondern mit einem Motorradclub aus Frankreich. Die Einladung, mit zu einem Biker-Treffen im südportugiesischen Faro zu kommen, schlug Zepernick aber aus.

Am Ziel: Christian Zepernick in Lissabon. Foto: Privat - © Privat
Am Ziel: Christian Zepernick in Lissabon. Foto: Privat (© Privat)

Für ihn ging es weiter nach Lissabon, wo er abends gegen 21 Uhr ankam. Hier wartete in Graca schon die mit dem Flugzeug angereiste befreundete Familie – der hoch gelegenen Stadtteil ist laut Zepernick ein Geheimtipp für Lissabonhungrige.

„Mein Hintern und das Kopfsteinpflaster wollten keine weitere Probe unternehmen"

Den mitgenommenen zweiten Helm brauchte der Borgholzhausener an seinem Zielort nicht. „Irgendwie wollten mein Hintern und das Kopfsteinpflaster in Lissabon keine weitere Probe unternehmen", sagt Zepernick. Das Taxi wurde in der Atlantikmetropole zum bevorzugten Transportmittel.

Zehn Tage später ging es zurück nach Deutschland. Den Großteil der Strecke absolvierte Zepernick im Regenkombi, nur das Teilstück von Bordeaux nach Paris konnte er richtig genießen. Dank der französischen Gelbwesten sparte er 23,80 Euro: Die Protestierenden legten vor Paris eine Mautstation lahm. „Ein bisschen Rebellion sitzt schon in jedem drin, oder?", sagt Zepernick.

In Remscheid-Ost kam die klimatische Wende: „Sonntagmittag, bis zu 24 Grad Celsius und Sonnenschein. Mein Regenkombi wurde überflüssig in die Seitentasche gepackt. Borgholzhausen, die Metropole in Ostwestfalen, erreichte ich trocken und ohne böse Verletzungen am Hintern."

Zepernicks Dank geht an sein Motorrad: „Danke Elly, dass du mich heile durch halb Europa gebracht hast." Ein Wunder ist das aber nicht. Die Harley Davidson handelte ganz nach dem Motto ihres Besitzers: „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom."

Die Fahrt mit der Harley:

Die Durchschnittsgeschwindigkeit von Christian Zepernick lag bei 79 Stundenkilometern.

In der Spitze fuhr »Elly« 115 Stundenkilometer.

Das größte gefahrene Teilstück waren die rund 1.100 Kilometer von Bordeaux nach Lissabon.

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