Herzstück steckt noch im Winterschlaf

Reportage: Ein Streifzug durch den neuen Generationenpark

Florian Gontek

Ganz schön hoch das Ding: Baumel-Bänke entlasten Knie und Sprunggelenke. Nur an Silvester wollte in Borholzhausen davon keiner etwas wissen. - © Florian Gontek
Ganz schön hoch das Ding: Baumel-Bänke entlasten Knie und Sprunggelenke. Nur an Silvester wollte in Borholzhausen davon keiner etwas wissen. (© Florian Gontek)

Borgholzhausen. Es ist kurz vor 12, das Thermometer auf dem Smartphone zeigt neun Grad und es ist der letzte Tag im letzten Monat des Jahres. Gerade dann einen Park zu besuchen, der dazu inspirieren soll, seine „Sinne zu entspannen und zu kommunizieren", wie es sich Altbürgermeister Klemens Keller bei Eröffnung des selbigen vor fast vier Monaten gewünscht hat, ist gewagt. Doch schwärmte nicht schon Lessing von der Züchtigkeit und Anständigkeit der simplen Natur. Das gilt doch fürs ganze Jahr, oder?

Den ersten Test besteht der Park mit Bravour. Solange man sich den Borgholzhausenern als unwissender Haller vorstellt und vorgibt, noch nie in den Genuss der neuen Grünanlage für alle Generationen gekommen zu sein, wird man stets freundlich zur Oase gelotst. Aus der Dorfmitte. Vom Freibad. Und auch vom Laufstadion.

Blick in den Park: Vor rund vier Monaten wurde der Generationenpark mit rund 150 offiziellen Gästen eröffnet. Die Stadt Borgholzhausen musste „nur“ gut 40.000 Euro in das Projekt investieren, weil auch Firmen, Vereine und Privatpersonen tat- und finanzkräftig zum Gelingen des Generationenparks beigetragen haben. - © Florian Gontek
Blick in den Park: Vor rund vier Monaten wurde der Generationenpark mit rund 150 offiziellen Gästen eröffnet. Die Stadt Borgholzhausen musste „nur“ gut 40.000 Euro in das Projekt investieren, weil auch Firmen, Vereine und Privatpersonen tat- und finanzkräftig zum Gelingen des Generationenparks beigetragen haben. (© Florian Gontek)

Auch, wenn man noch nie einen Fuß nach Borgholzhausen gesetzt hat, ist man also schnell da, am Park, wo der Violenbach fließt. Und man ist schnell wieder allein – zumindest heute. Ja, die Bänke sind nass und auch die Fitnessgeräte, die »Twister« oder »Double Airwalker« heißen und zum partnerschaftlichen Training an Koordination, Bauch- und Rückenmuskulatur aufrufen, stehen im Regen. Genauso wie ich.

Also flaniere durch die 1800 Quadratmeter große Grünanlage. Vielleicht kommt ja noch jemand. Ob Jung oder Alt ist eigentlich egal. Ein bisschen von der Kommunikation, die Keller und sein Park-Planer Eckhard Strob hier verwirklicht sehen wollen, die möchte ich schon auch noch mitbekommen.

Zumindest den ersten Teil des altbürgermeisterlichen Versprechens kann ich bestätigen. Beim Flanieren – entlang des Hochbeetes mit Gewürzpflanzen, die für diese Jahreszeit noch erstaunlich gut aussehen – und dem beschuhten Übergang über den kleinen Barfußpad, fühlt man schon so etwas wie Entspannung. Schade ist es trotzdem, dass Klaus Kersten und die Freunde des Borgholzhausener Boulesports nicht zufällig zum Jahresausklang zu einer Partie auf ihrer Spielfläche laden. Ich wäre dabei gewesen.

Allein mit dem Notizblock im Park – wie ein Exot

Für Menschen, die mit Golden Retriever am Fahrrad oder hektisch zu Fuß am Generationenpark vorbeigehen, und in diesem Moment augenscheinlich vieles lieber täten, als sich mit mir zu unterhalten, muss ich wie ein Exot wirken. Allein mit Notizblock im Park. Dass die Natur in ihrem unendlichen Reichtum den großen Künstler ausbildet, hat zwar nicht Lessing sondern Goethe gesagt, gibt mir in diesem Moment aber irgendwie Hoffnung. Inmitten des Bachrauschens, verfrühten Böllerns und Blökens der Nachbarschafe könnte man wirklich meinen, man stünde gemeinsam mit Hilfspolizist Schäffer gemeinsam in Hengasch und ermittle in einem »Mord mit Aussicht«. Fehlen nur die Gänse.

Erlebnis für die Füße: Ob glatte Steine oder Rindenmulch: Im Generationenpark kann man den gestressten Füßen etwas Gutes tun, gilt Barfußlaufen doch als extrem gesund. - © Florian Gontek
Erlebnis für die Füße: Ob glatte Steine oder Rindenmulch: Im Generationenpark kann man den gestressten Füßen etwas Gutes tun, gilt Barfußlaufen doch als extrem gesund. (© Florian Gontek)

Da ist es gut, wenn jemand wie Waldi Schultz vorbeikommt und einen mal wieder an seine eigentliche Aufgabe erinnert. Auch Schultz geht nicht in den Generationenpark, aber daran vorbei – und möchte sogar mit mir reden. Wenn auch nicht lange. Schultz, der unweit der Neuen Feuerwache wohnt, geht fast täglich auf dem Weg zur Arbeit am Park vorbei.

Auch wenn er die Anlage selber kaum besucht, freut er sich darüber, dass die neuen Angebote zur Fitness und Entspannung angenommen werden: „Hier sind schon viele Leute, junge und alte“, sagt Schultz. Was ihn störe, schiebt er schon etwas strenger nach, seien die Hundebesitzer, die sowohl zum Früh- als auch zum Spätdienst ihre Vierbeiner ausführen und ihr Geschäft im Park verrichten ließen. „Sonst gibt es hier aber überhaupt keine Probleme und alles ist friedlich“, sagt er.

Auch Bürgermeister Dirk Speckmann kann das bestätigen. „Vandalismus ist im Generationenpark bislang überhaupt kein Problem, aber das Gelände ist mit seinen danebenliegenden Wohnhäusern auch sehr gut einsehbar.“

Fitness und Freifunk sollen gefördert werden

Überhaupt werde die Generationen-Oase mit ihren Sport- und Entspannungsmöglichkeiten von den Bürgern bislang „sehr gut“ angenommen, sagt Speckmann und hat auch schon Pläne für die Zukunft.

Das Fitnesstrio im Park soll schon bald durch Barren- und Reckstange ergänzt werden. Die Trimm-dich-Bewegung kommt halt wieder in Mode, trägt heute in ähnlichem Gewand aber hochtrabendere Namen wie »Freeletics«, »Crossfit« oder »Calisthenics«. Da macht auch der gemeine Ostwestfale mit.

Bald, stellt Speckmann in Aussicht, soll auch im Generationenpark als einem von mehreren öffentlichen Plätzen das Freifunk-Projekt gestartet werden. „In der Nähe befindet sich zwar kein öffentliches Gebäude, aber da setzen wir auch auf die Initiative von heimischen Unternehmen und Privatpersonen, die ihr Netzwerk freigeben wollen“, sagt Speckmann.

Dann komme auch ich noch einmal wieder. Nicht des W-Lans wegen. Vielmehr wegen Klimmzugstange und Baumel-Bank. „Lass deine Beine und deine Seele baumeln“ steht darauf. Das geht zwar auch im Winter, aber im Sommer haben bestimmt mehr Menschen die gleiche Idee. Dann klappt’s hoffentlich auch mit dem Reden besser.

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