Dirk Speckmann ist neuer Bürgermeister

Borgholzhausen hat sich klar entschieden

Andreas Großpietsch, Kerstin Spieker

Strahlender Sieger: Lächelnd kann Dirk Speckmann (links) hier die Gratulation seines Kontrahenten Jan Brüggeshemke entgegennehmen. Die faire Geste war der passende Abschluss eines von Fairness gezeichneten Wahlkampfs. - © Foto: Andreas Großpietsch
Strahlender Sieger: Lächelnd kann Dirk Speckmann (links) hier die Gratulation seines Kontrahenten Jan Brüggeshemke entgegennehmen. Die faire Geste war der passende Abschluss eines von Fairness gezeichneten Wahlkampfs. (© Foto: Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen hatte die Wahl und hat sich klar entschieden: Mit 75,89 Prozent der Stimmen sichert sich Dirk Speckmann (SPD) das Amt des Bürgermeisters. Sein CDU-Herausforderer Jan Brüggeshemke gratulierte ihm zum Traumergebnis. Die besondere Situation, dass es nach den vielen Amtsjahren von Klemens Keller am Ende des Tages auf jeden Fall einen neuen Bürgermeister geben würde, schlug sich in einer relativ hohen Wahlbeteiligung jenseits der 50-Prozent-Marke nieder. Wie groß das Interesse am Ausgang der Wahl war, zeigte sich ab 18 Uhr im Rathaus: Der Saal platzte aus allen Nähten, neben Lokalpolitik-Größen drängten sich viele normale Bürger in den Räumen. Sie alle wollten aus erster Hand erfahren, wer die Geschicke Borgholzhausens in den nächsten sechs Jahren entscheidend mitbestimmen wird. Dirk Speckmann wird diese Aufgabe ab 0 Uhr am 21. Oktober 2015 wahrnehmen – so lange erfüllt Klemens Keller seinen Arbeitsvertrag.

Um 18 Uhr schlossen die Wahllokale und schon um 18.11 Uhr war die Luft raus aus der Frage um die Besetzung des Bürgermeisterstuhls im Borgholzhausener Rathaus. Da nämlich leuchtete auf der Leinwand an der Stirnseite des Rathaussaals das erste Ergebnis auf. Der Wahlbezirk sechs war am schnellsten ausgezählt und zeigte mit 94 Stimmen für den SPD-Kandidaten Dirk Speckmann und 32 Stimmen für den CDU-Kandidaten Jan Brüggeshemke deutlich, wohin die Reise gehen sollte.

Die Anspannung Dirk Speckmanns machte einer gelösten Stimmung Platz. Dass er die nächsten sechs Jahre die Geschicke der Stadt Borgholzhausen lenken würde, war ihm wohl mit der Bekanntgabe dieses ersten Ergebnisses klar. Einzig spannend blieb die Frage nach der Deutlichkeit seines Wahlsieges. Und die – das zeigten dann die nächsten Einzelergebnisse – ließ nicht zu wünschen übrig. 75,89 Prozent entfielen auf den SPD-Kandidaten. „Mit einem so deutlichen Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, bedankte sich Dirk Speckmann am Ende für das „große Vertrauen“, das ihm die Wählerschaft entgegenbrachte.

Kommentar

Ein Sieg der Demokratie

Von Andreas Großpietsch

Am Ende war das Ergebnis deutlicher, als es viele erwartet haben. Dirk Speckmann genießt offenbar das Vertrauen seiner Mitbürger und kann gestärkt von einem Traumergebnis an seinen neuen Job gehen. Jan Brüggeshemke hat einen guten, engagierten Wahlkampf geliefert, am Ende aber nicht genug Wählerinnen und Wähler überzeugen können. Gewonnen hat in Borgholzhausen aber vor allem die Demokratie: Zum einen dadurch, dass es überhaupt zwei Bewerber gab, was in kleinen Städten nicht mehr unbedingt üblich ist. Und zum anderen durch die Wahlbeteiligung von 52,32 Prozent. Man mag sie mit Recht als zu niedrig kritisieren, doch im Vergleich zu der beschämenden Tatsache, dass in einer kleinen Großstadt wie Gütersloh die Nichtwähler mit über 60 Prozent die stärkste Partei sind, ist das Ergebnis durchaus anständig. Für Dirk Speckmann beginnt jetzt die Aufgabe, den Vertrauensvorschuss zu rechtfertigen. Sicher ist: Allen Borgholzhausenern wird er es nicht recht machen können.

Speckmanns Dank galt gestern Abend auch seinem Herausforderer Jan Brüggeshemke. Er habe mit seiner Kandidatur den Borgholzhausenern erst eine echte demokratische Wahl ermöglicht. „Wir haben uns zu Beginn des Wahlkampfes versprochen, dass wir nicht schlecht über den jeweils anderen, sondern nur gut über uns selbst reden wollen, und das haben wir auch so gehalten“, attestierte Speckmann sich und seinem Mitbewerber um das Bürgermeisteramt zudem einen fairen Wahlkampf.

Jan Brüggeshemke ein fairer Widersacher

Und Jan Brüggeshemke zeigte sich nicht nur im Wahlkampf, sondern auch nach der Wahl als fairer Widersacher. Er gratulierte Dirk Speckmann herzlich. „Es ist ein klares Ergebnis und das ist auch gut so. Wenn ich mit nur drei Stimmen Abstand verloren hätte, wäre ich wahrscheinlich ziemlich sauer“, sagte er. Er führte den klaren Sieg Speckmanns auf die langjährige Erfahrung des Sozialdemokraten in der Lokalpolitik zurück. Im Wahlkampf habe er aber immer das Gefühl gehabt, man sei sich auf Augenhöhe begegnet. „Ich sehe in dem Ergebnis keine persönliche Niederlage.“

Unter den Fraktionsvertretern wurde das Wahlergebnis mit Ruhe registriert. „Ich setze auf eine gute Zusammenarbeit“, sagte CDU-Fraktionschef Arnold Weßling. Speckmann habe ihm versichert, kein SPD-Bürgermeister, sondern Bürgermeister aller Borgholzhau-sener sein zu wollen. Dadurch, dass Jan Brüggeshemke den Mut gehabt hätte, für die CDU anzutreten, sei die Bürgermeisterwahl in Borgholzhausen eine Wahl und keine Proklamation geworden. Dafür verdiene Brüggeshemke Dank und Respekt.

Ähnliche Worte fand auch Dieter Rerucha von der BU. „Was Dirk Speckmann betrifft, so kenne ich ihn schon seit 20 Jahren. Wir waren nicht immer einer Meinung, aber wir haben immer einen Weg gefunden, miteinander umzugehen.“

SPD-Fraktionschef Rolf Syassen freute sich sichtlich. Und dann konnte den erfahrenen Sozialdemokraten eine Frage doch noch aus dem Konzept bringen: Die nach der Nachfolge Dirk Speckmanns, der als Bürgermeister die Fraktion verlassen wird. Syassen konnte das schnell klären: Silke Koch rückt in den Rat nach.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.