Mysteriöses Meisensterben erreicht den Kreis Gütersloh

Der NABU bittet die Bevölkerung um Unterstützung bei der Aufklärung der unbekannten Krankheit. Die betroffenen Vögel zeigen ganz bestimmte Symptome.

Nicole Hille-Priebe

Hübsche Gartenfreunde mit Problemen: Die Blaumeise ist besonders von einer neuartigen und unbekannten Vogelkrankheit betroffen. - © Pixabay/Symbolbild
Hübsche Gartenfreunde mit Problemen: Die Blaumeise ist besonders von einer neuartigen und unbekannten Vogelkrankheit betroffen. (© Pixabay/Symbolbild)

Gütersloh. Im vergangenen Jahr traf es die Amseln, jetzt sind offenbar die Meisen dran: Eine noch nicht identifizierte Infektionskrankheit rafft seit wenigen Wochen viele der niedlichen Gartenbewohner dahin und breitet sich immer weiter aus. Besonders betroffen sind offenbar die Blaumeisen. Auch im Kreis Gütersloh wurden jetzt erste Fälle gemeldet, erklärt NABU-Sprecherin Iris Barthel. Kurz vor Ostern hatte der Bundesverband alle Gartenbesitzer dazu aufgerufen, bei der Aufklärung des mysteriösen Meisensterbens zu helfen.

Seitdem sind beim NABU laut Barthel bereits insgesamt deutlich über 8.000 Fälle toter und kranker Blaumeisen gemeldet worden, darunter auch im Kreis Gütersloh dokumentierte Fälle. Nur selten sei auch von anderen Arten wie Kohlmeisen, Rotkehlchen oder Haussperlingen über ähnliche Symptome berichtet worden. „Labordiagnosen zum Auslöser stehen noch aus, die Labore sind zurzeit einfach viel mit Corona beschäftigt. Einige Eigenschaften der Krankheitswelle würden jedoch gut zu einer für Menschen ungefährlichen bakteriellen Infektion passen, die in der Vergangenheit vor allem in Großbritannien zu Lungenentzündungen bei Meisenarten geführt hat und seit 2018 in geringem Ausmaß auch aus Deutschland bekannt ist."

Meistens in der Umgebung von Futterstellen

Laut NABU werden die erkrankten Vögel meistens in der Umgebung von Futterstellen in Gärten beobachtet und fallen dadurch auf, dass sie nicht mehr auf ihre Umwelt reagieren. Es wurde beobachtet, dass Blaumeisen, die kurz darauf starben, apathisch und aufgeplustert auf dem Boden saßen und keine Fluchtversuche bei sich nähernden Menschen unternahmen. Weitere Symptome der Krankheit: Die Vögel wirken, als hätten sie Atemprobleme, Teile des Kopfgefieders sind ausgefallen, die Augen wirken verklebt. Sie nehmen kein Futter mehr auf oder können anscheinend nicht mehr schlucken. Manche Meisen wirken, als hätten sie unstillbaren Durst. Es liege nahe, schlussfolgert der NABU, dass die Krankheit besonders dort übertragen werde, wo viele Vögel aufeinandertreffen, Daher raten die Naturschützer grundsätzlich dazu, bei Beobachtungen von mehr als einem kranken Vogel, die Fütterung und die Bereitstellung von Tränken sofort einzustellen – sozusagen als „Social Distancing" für Vögel.

Man kann die toten Vögel auch einschicken

Wer kranke oder tote Vögel registriert, kann dies in einem Formular auf der Internetseite des NABU dokumentieren: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/krankheiten/meisensterben.html. Bei der Meldeaktion geht es aber auch darum, die toten Tiere selbst einzuschicken. Die Vögel sollten baldmöglichst eingesammelt und tiefgefroren oder frischtot beim Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNI) eingeschickt werden. Dabei sind allerdings einige Punkte zu beachten: Neben einem zügigen Versand und einer sicheren Verpackung sollten die Vögel mit einem Tiefkühlakku versehen, gut gepolstert und wasserdicht verpackt versendet werden. „In der Regel nehmen Untersuchungsämter aller Bundesländer die toten Tiere an und leiten diese weiter. Privatpersonen können den Amtstierarzt des Kreises aufsuchen, der sie an das jeweilige Untersuchungsamt leitet" so der NABU.

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