Vergewaltigung einer 14-Jährigen: Neun junge Männer vor Gericht

Die jungen Männer sind angeklagt, weil sie vor zwei Jahren in Harsewinkel eine Jugendliche sexuell schwer missbraucht und die Tat gefilmt haben sollen. Nicht alle erscheinen vor Gericht.

Nicole Hille-Priebe

Zwei der Angeklagten mit ihren Verteidigern im Bielefelder Landgericht. - © Andreas Frücht
Zwei der Angeklagten mit ihren Verteidigern im Bielefelder Landgericht. (© Andreas Frücht)

Harsewinkel/Bielefeld. Obwohl die Anklagebank im größten Saal des Bielefelder Landgerichts die längste ist, die es dort gibt, müssen mehrere Beschuldigte mit ihren Anwälten auf andere Plätze ausweiche. Neun junge Männer zwischen 16 und 21 Jahren sind angeklagt, vor zwei Jahren eine damals 14-Jährige in Harsewinkel in einen Partykeller gelockt und das erheblich alkoholisierte Opfer vergewaltigt zu haben.

Weil nicht alle mitgemacht, sondern einige "nur" zugesehen oder später Filmaufnahmen der Tat versendet haben sollen, wird vier Beschuldigten keine Vergewaltigung, sondern unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen.

Ein Angeklagter hat den Termin offenbar vergessen und ist zur Schule gefahren

Für die vorsitzende Richterin Beate Schlingmann beginnt der Prozessauftakt mit Hindernissen: Noch bevor die Anklageschrift verlesen werden kann, kommt es zu mehreren Unterbrechungen. Erst stecken einige Anwälte mit ihren Mandanten in dem Riesenstau fest, der an diesem Vormittag ganz Bielefeld lahm legt.

Dann stellt sich heraus, dass der jüngste Angeklagte, der zur Tatzeit erst 14 Jahre alt war, den Termin vergessen hat und stattdessen zur Schule gefahren ist. Als er eine gute Stunde später neben seinem Anwalt Platz nimmt, fehlt nur noch einer: Der 18-jährige T. ist der einzige, der nicht aus Harsewinkel stammt und heute in Wuppertal gemeldet ist. Die IV. Strafkammer beschließt, ihn polizeilich vorladen zu lassen.

Erst Monate später wurde die Tat öffentlich

Es sind nicht die ersten Verzögerungen in der Aufklärung dieser Tat, die sich bereits am 3. November 2017 in Harsewinkel ereignet haben soll und die erst Monate später - nicht zuletzt wegen der Filmaufnahmen, die unter den Jugendlichen kursierten - öffentlich wurde. Zwei Jahre sind bis zur Anklageerhebung vergangen: Ausschlaggebend hierfür waren offenbar vor allem die zahlreichen Übersetzungen der Dokumente, da alle Beschuldigten einen Migrationshintergrund haben. Damit ihre Eltern den Prozess verfolgen können, sind mehrere Dolmetscher anwesend.

Keiner der Angeklagten versucht, sein Gesicht zu verdecken

Keiner der Angeklagten versucht, sein Gesicht zu verdecken, solange Fotografen und TV-Teams anwesend sind. Alle Beschuldigten sollen sich dem Vernehmen nach einlassen, allerdings mit jeweils unterschiedlichen Versionen: Für den Bielefelder Anwalt Martin Mauntel, der den 17-jährigen D. vertritt, handelt es sich bei den mutmaßlichen Tätern um "eine typische Gruppe von Jugendlichen, eine Clique von Jungs" und bei der Tat um einen "Lehrbuchfall der Gruppendynamik", der nichts mit dem Kulturkreis, aus dem sie stammen, zu tun habe. "Das ist eher typisch für ihr jugendliches Alter, da wurde von der Pornografie abgeguckt", sagt er während der Prozessunterbrechung.

Der Gütersloher Anwalt Martin Rother, der einen heute 18-jährigen Angeklagten verteidigt, hält sich mit Details zu diesem Zeitpunkt hingegen noch zurück. Er nutzt die Pause bis 15 Uhr, um in der Geschäftsstelle des Gerichts einen Blick auf die Filmsequenzen aus jener Nacht zu werfen, die letztlich zur Identifizierung der mutmaßlichen Täter geführt hatten.

Die Berichterstattung wird fortgesetzt (Stand: 25. September, 15 Uhr).

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