Lebkuchen mit Sparpotenzial

Schulze produziert mit weniger Energie und Rohstoffen

Andreas Großpietsch

Erst backen, dann verzieren: Auf einer Fertigungsstraße von 150 Metern Länge wird bei Lebkuchen Schulze aus Teigrohlingen eine verkaufsfertig eingepackte Gebäckspezialität.Hier sind es Pfeffernüsse, die gerade ihre Zuckerglasur erhalten. - © Foto: Andreas Großpietsch
Erst backen, dann verzieren: Auf einer Fertigungsstraße von 150 Metern Länge wird bei Lebkuchen Schulze aus Teigrohlingen eine verkaufsfertig eingepackte Gebäckspezialität.Hier sind es Pfeffernüsse, die gerade ihre Zuckerglasur erhalten. (© Foto: Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Schlechte Nachricht für die heimischen Schweine: In ihren Mägen landete bislang vieles von dem, was bei Lebkuchen Schulze als Ausschuss produziert wurde. Dank externer Beratung und der Umsetzung etlicher Möglichkeiten zur Optimierung der Prozessabläufe sank der Ausschuss ganz erheblich. Für das Borgholzhausener Unternehmen bedeutet das finanziell spürbare Einsparungen und für die Umwelt eine erhebliche Entlastung. Nur für die Schweine ist es schlecht: Der Anteil von Ausschuss-Lebkuchen im Futter ist deutlich geringer geworden.

Herzensangelegenheit: Seit zehn Jahren beschriftet Bianca Lessing im Manufakturbereich des Unternehmens Lebkuchen mit Schrift und Verzierungen aus buntem Zuckerguss. - © A. Großpietsch
Herzensangelegenheit: Seit zehn Jahren beschriftet Bianca Lessing im Manufakturbereich des Unternehmens Lebkuchen mit Schrift und Verzierungen aus buntem Zuckerguss. (© A. Großpietsch)

Mit rund 40 Mitarbeitern produziert Peter Knaust, der das Unternehmen jetzt in sechster Generation führt, jährlich an die 700 Tonnen Gebäckspezialitäten in rund 100 Sorten. Der Vertrieb läuft nicht über die großen Discounter, sondern zu einem wesentlichen Teil über das eigene Ladencafé und Süßigkeitenstände auf kleinen und großen Kirmesveranstaltungen in ganz Deutschland.

Ob Hamburger Dom oder Münchener Oktoberfest – solche Termine stehen bei Schulze im Terminkalender. Denn in der Herzchen-Abteilung werden die Verzierungen immer noch von Hand aus Zuckerguss auf das Backwerk gespritzt. Und in München ist eben »I mog di« gefragt. Bianca Lessing ist seit zehn Jahren Verzierexpertin. Und besonders die großen Herzen machten ihr zu schaffen.

Nicht wegen der Verzierung, sondern weil sie beim Trocknen danach oft rissen und so zwar noch lecker, aber trotzdem Ausschuss waren. „Jetzt lassen wir die Rohlinge einen Tag länger trocknen und haben den Anteil fehlerhafter Herzen von 30 auf unter drei Prozent reduziert“, berichtet Peter Knaust. Auch dieser einfach umzusetzende Tipp kam von den Experten der Effizienz-Agentur NRW (siehe Infokasten).

Investitionen rechnen sich langfristig

Etwas mehr Aufwand in finanzieller oder technischer Art war mit der Verwirklichung weiterer Anregungen verbunden – doch lohnend ist das allemal. „Alle getroffenen Vorhersagen über die Einsparpotenziale sind eingetroffen“, so Knaust.

Endlich Urlaub: Diese Aufschrift auf dem Lebkuchenherz, das Peter Knaust hier hält, gilt nur für Kunden. Sein Unternehmen läuft in der zweiten Jahreshälfte unter Vollauslastung. - © Foto: Andreas Großpietsch
Endlich Urlaub: Diese Aufschrift auf dem Lebkuchenherz, das Peter Knaust hier hält, gilt nur für Kunden. Sein Unternehmen läuft in der zweiten Jahreshälfte unter Vollauslastung. (© Foto: Andreas Großpietsch)

Dass sich die Investitionen erst auf längere Sicht rechnen, ist für ein Unternehmen, das schon so lange existiert, kein Grund, sie nicht vorzunehmen. So gewinnt jetzt ein Wärmetauscher 40.000 Kilowattstunden Energie aus der Abluft des großen Ofens, die nutzbringend im Produktionsprozess eingesetzt werden. Ein besonders guter Rat war es zum Beispiel, die Glasurbereiter mit einem kegelförmigen statt eines flachen Bodens auszustatten. Dadurch bleiben erheblich weniger Zuckerrückstände in den Behältern. Weniger Energie- und Materialeinsatz, weniger Wasserverbrauch und weniger Abwasser – diese Rechnung lohnt sich.

„Für einen eigenen Prozessingenieur sind wir zu klein. Schön, dass wir auf diese Weise profitieren können“, sagt Peter Knaust. 1300 Kilogramm Rohstoffe weniger pro Jahr setzt seine Firma jetzt bei gleicher Produktionsmenge ein – Pech für die vierbeinigen Resteverwerter.

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