Konjunkturflaute

Trübe Aussichten: Mittelstand bremst Investitionen

Deutschlands Mittelständler blicken pessimistischer nach vorn als noch im Frühjahr. (Symbolbild) | © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

29.11.2025 | 29.11.2025, 05:04

Keine Entwarnung im Mittelstand angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute: Zwar bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage erstmals seit dem Frühjahr 2023 wieder etwas besser als ein halbes Jahr zuvor. Dafür trübten sich in der Herbstumfrage von DZ Bank und Bundesverband Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) die Erwartungen der Mittelständler für die nächsten sechs Monate ein.

Blickten im Frühjahr noch 30 Prozent der gut 1.000 befragten Unternehmen optimistisch auf die nächsten sechs Monate, sind es nun noch 26 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Mittelständler mit einem pessimistischen Blick auf die nähere Zukunft von 16 Prozent auf 20 Prozent. Mehrheitlich pessimistisch gestimmt hinsichtlich ihrer Geschäftsentwicklung sind Unternehmen im Agrarsektor, im Ernährungsgewerbe und im Baugewerbe.

Die geplanten Milliardeninvestitionen des Staates in Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie in Verteidigung sollten im nächsten Jahr die Wirtschaft ankurbeln. (Symbolbild) - © Arne Dedert/dpa
Die geplanten Milliardeninvestitionen des Staates in Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie in Verteidigung sollten im nächsten Jahr die Wirtschaft ankurbeln. (Symbolbild) (© Arne Dedert/dpa)

Vier von fünf Mittelständlern klagen über Bürokratie, hohe Lohn- und Gehaltskosten machen knapp zwei Drittel der Befragten zu schaffen, mehr als 60 Prozent der Unternehmen berichten über Fachkräftemangel. Zumindest Lieferengpässe sind für die große Mehrheit der Mittelständler derzeit kein Problem - obwohl im Handelskonflikt zwischen den USA und China wieder Sorge um die Versorgung mit seltenen Erden und Halbleitern aufgekommen ist.

Staatliche Milliarden könnten helfen - aber auch Reformen erwartet

Unternehmer sehen sich durch überbordende Bürokratie ausgebremst. (Symbolbild) - © Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa
Unternehmer sehen sich durch überbordende Bürokratie ausgebremst. (Symbolbild) (© Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa)

«Ein kleiner Lichtblick für die Zukunft könnten die vom Bund aufgelegten Fiskalpakete für die Infrastruktur und die Verteidigung darstellen», heißt es in der Analyse. «Zudem sollte die Kapazitätsauslastung ihre Talsohle langsam durchschritten haben. Angesichts des weiterhin sehr niedrigen Niveaus ist es hier aber noch zu früh für eine Entwarnung.»

Die Autoren der Studie «Mittelstand im Mittelpunkt», die BVR und DZ Bank zweimal im Jahr gemeinsam erstellen, mahnen: «Wünschenswert wären darüber hinaus längst überfällige, langfristig wirkende Reformen, aber auch stärkere Maßnahmen der Politik gegen die wichtigsten aktuellen Problemfelder Bürokratie, Lohnkosten und Fachkräftemangel. Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung sind hier allenfalls ein erster Schritt in die richtige Richtung.»

Investitionsbereitschaft so schwach wie in der Finanzkrise

Wegen des weiterhin unsicheren Umfelds stehen Deutschlands Mittelständler bei Investitionen auf der Bremse wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Weniger als zwei Drittel (62,8 Prozent) planen, im nächsten halben Jahr in ihr Unternehmen zu investieren. Das liegt den Angaben zufolge deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert von knapp 73 Prozent und sei das schlechteste Ergebnis seit dem Herbst 2009, als die globale Finanz- und Wirtschaftskrise für Verwerfungen sorgte.

Eine Mehrheit der befragten Mittelständler plant für die nächsten sechs Monate Personalabbau, um Kosten zu senken. Zudem wird es für die Kundschaft teurer: Wieder mehr Unternehmen beabsichtigen ihre Absatzpreise anzuheben.