BilanzEspelkamper Harting-Gruppe erstmals mit Milliardenumsatz

Das Technologieunternehmen meldet einen Umsatzsprung um mehr als 20 Prozent. Für das angebrochene neue Geschäftsjahr allerdings sind die Aussichten gedämpfter.

Martin Krause

Führt die Harting-Gruppe in Espelkamp: Philip Harting. - © Harting
Führt die Harting-Gruppe in Espelkamp: Philip Harting. © Harting

Espelkamp. Die in OWL stark vertretene Elektronikbranche hat allen Krisen zum Trotz starke Jahre erlebt, und die Harting-Gruppe gehört zu den Aushängeschildern der Branche: Erstmals in der Unternehmensgeschichte hat Harting im Geschäftsjahr 2021/21 die Schwelle von einer Milliarde Euro Umsatz überschritten. Um satte 21,8 Prozent wuchsen die Erlöse auf 1,06 Milliarden Euro.

„Wir haben unsere Ziele erreicht“, erklärte Unternehmenschef (CEO) Philip Harting in Espelkamp. „Wir haben geliefert“, konnte er im Rückblick auf die vor einem Jahr abgegebene Prognose, ein zweistelliges Wachstum zu realisieren, erfreut feststellen. Es heißt, auch das Ergebnis sei „auskömmlich“ gewesen.

Die Harting Technologiegruppe, die als Harting Stiftung & Co. KG firmiert, sieht sich als einen der weltweit führenden Anbieter von industrieller Verbindungstechnik. Das Unternehmen ist gefragt bei der Automation von Fabriken und liefert wichtige elektromechanische Komponenten für moderne Fertigungsanlagen. Produziert werden aber etwa auch Kassenzonen für den Einzelhandel oder Ladeequipment für Elektrofahrzeuge. Als Zulieferer für Elektroautos sieht das Unternehmen weiteres Wachstumspotenzial.

Harting verfügt über 14 eigene Produktionswerke und Niederlassungen in 44 Ländern. Das Unternehmen zählt weltweit 6.446 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (plus 256), davon sind rund 2.500 am Sitz in Espelkamp beschäftigt.

Lieferkettenproblematik entspannt sich inzwischen

Für das angebrochene neue Geschäftsjahr zeigte sich Harting deutlich zurückhaltender: Erwartet wird eine Seitwärtsbewegung, also ein stagnierender Umsatz auf hohem Niveau, wobei zugleich steigende Kosten das Ergebnis beeinträchtigen dürften. Die Auftragsbücher seien noch gut gefüllt, aber der Auftragseingang sinke merklich. Entscheidend werde nun sein, wie sich die Energie- und Materialpreise entwickelten, die das Investitionsklima belasteten. Auch die Entwicklung des Krieges in der Ukraine oder die Spannungen um Taiwan hätten weiterhin Einfluss auf die Konjunktur.

Ein Lichtblick: Die Lieferkettenproblematik hat sich zuletzt entspannt, „die Verfügbarkeit von Materialien und Vorleistungen normalisiert sich“, so Unternehmenssprecher Detlef Sieverdingbeck.

Für die Zukunft ist die Gruppe „gut aufgestellt“, zeigt sich Philip Harting überzeugt. In den Ausbau der Werke in Rumänien und den USA sowie in die Neubauten in Mexiko und Indien sei im vergangenen Geschäftsjahr ebenso investiert worden wie in die Digitalisierung und in zusätzliche Entwicklungskapazitäten. Die im Sommer von der Familie Harting übernommene Schweizer Firma Studer Cables AG (400 Mitarbeiter) soll der Harting-Gruppe im Rahmen einer Partnerschaft ebenfalls neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

Rekordinvestitionen im neuen Jahr eingeplant

Im laufenden Geschäftsjahr 2022/23, das am 1. Oktober begann, seien Rekordinvestitionen in Höhe von 80 Millionen Euro geplant. Und noch ein Ziel für die Zukunft: „Bis 2030 wollen wir an allen Produktionsstandorten weltweit klimaneutral sein“, kündigte der CEO an. Der Kohlenstoff-Fußabdruck solle für alle vor- und nachgelagerten Prozesse gleichzeitig um 50 Prozent gesenkt werden.

Das Thema Nachhaltigkeit sei bereits seit Jahrzehnten im Fokus der Gruppe: „Der Ausbau der erneuerbaren Energiegewinnung ist für uns nicht erst seit den Energieengpässen infolge des Ukraine-Krieges eine Verpflichtung“, so Harting. Durch verschiedene Maßnahmen sei der Kohlendioxid-Ausstoß des Unternehmens seit dem Geschäftsjahr 2010/11 von damals 19.203 Tonnen auf 1.556 Tonnen – also auf ein Zwölftel – reduziert worden.

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