EnergieversorgungHabeck für mehr Tempo bei Wasserstoff - mithilfe der Emirate

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Wirtschaftsminister Robert Habeck führt in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) Gespräche über mögliche Energieimporte. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Abu Dhabi - Robert Habeck steht vor einer Solaranlage in der Wüste - ein Ort, der für die Energiewende in Deutschland einmal wichtig werden soll.

Mit grünem Wasserstoff, der ohne CO2-Emissionen auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wird, soll der riesige Transformationsprozess etwa der deutschen Stahl- und Chemieindustrie ermöglicht werden. Die Vereinigten Arabischen Emirate sollen dabei ein wichtiger Partner sein.

Deswegen flog Habeck nach seinem Besuch in Katar nach Abu Dhabi, die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und führte am Montag Gespräche mit mehreren Ministern. Die VAE setzen stark auf Solarenergie und wollen ein «global player» in Sachen grüner Wasserstoff werden. Habeck besuchte am Montag auch die geplante große Öko-Modellstadt Masdar City bei Abu Dhabi und eine Solaranlage in der Nähe.

Weniger Abhängigkeit von russischem Gas

Am Sonntag in Katar ging es für Habeck darum, Geschäfte deutscher Firmen zur Versorgung mit Flüssigerdgas (LNG) anzubahnen - das Ziel: die Abhängigkeit von russischem Gas verringern. Langfristig aber will Deutschland weg von fossilen Energien, hier kommen die Vereinigten Arabischen Emirate ins Spiel. Die Wasserstoffzusammenarbeit zwischen Deutschland und den VAE soll nun beschleunigt werden.

Die VAE verfügten über sehr gute Voraussetzungen für die kostengünstige Produktion von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien, so das Ministerium. Projekte seien sehr weit fortgeschritten. 2022 sollten erste Wasserstofflieferungen nach Deutschland ermöglicht werden. Im Rahmen des Besuchs von Habeck wurden fünf Kooperationen zum Aufbau einer Wasserstoffwertschöpfungskette zwischen Deutschland und den VAE unterzeichnet.

Grüner Wasserstoff: Erst am Anfang

In der Branche aber ist von einem «Marathonlauf» die Rede, man stehe bei grünem Wasserstoff erst am Anfang. Habeck sagte, man werde zwischendurch auf blauen Wasserstoff setzen, also die Abscheidung von CO2-Molekülen und der Speicherung in den Emiraten. «Wir haben einfach keine Zeit zu verlieren.» Man können jetzt nicht 10 bis 15 Jahre warten, bis es genügend grünen Wasserstoff gebe, um dann von der Kohle zu «switchen».

Habeck will mehr Tempo. «Je schneller wir mit dem Wasserstoff sind, umso weniger brauchen wir dann auch noch Gas.» Er könne die Geschwindigkeit nicht vorhersagen, sagte Habeck. «Aber dass die alten Pläne nicht ausreichend sind, das sieht jetzt jeder.»

Ziel: CO2-neutral bis 2045

Bis 2045 soll Deutschland CO2-neutral sein. Dafür müssen Produktionsprozesse etwa in der Stahl- und Chemieindustrie komplett umgestellt werden, alleine der Stahlkonzern Thyssenkrupp braucht riesige Mengen - Vorstandschefin Martina Merz war Teil von Habecks Wirtschaftsdelegation.

Zwar soll der Anteil des Ökostroms aus Wind und Sonne in Deutschland massiv gesteigert werden. «Wir können sehr viel Strom, wenn wir gut sind, selber produzieren, aber wir werden immer Energie importieren müssen», sagte Habeck. Deutschland sollte aber nicht den Fehler machen, sich auf einen Staat zu konzentrieren - das ist die Lehre aus der Abhängigkeit von russischen fossilen Energieimporten. «Wir müssen uns breiter aufstellen», sagte Habeck. Dazu kommt, dass wie Katar auch die VAE wegen der Menschenrechtslage ein nicht einfacher Partner ist.

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