GewerkschaftVerdi will 2022 wieder für höhere Löhne kämpfen

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Verdi - © Foto: Axel Heimken/dpa
Eine Fahne der Gewerkschaft Verdi. © Foto: Axel Heimken/dpa

Berlin - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi strebt in diesem Jahr bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen für rund vier Millionen Beschäftigte in Deutschland an. Das erklärte die Gewerkschaft zum Wochenauftakt auf ihrer Jahrespressekonferenz in Berlin.

In den kommenden Monaten stünden Tarifverhandlungen in mehreren Branchen an. Zu den größten gehörten die Tarifrunden im privaten Bankgewerbe (246.000), bei Versicherungen (170 000), der Druckindustrie (134.000) und der Telekom Deutschland (62.000).

Oberstes Ziel seien «Reallohnzuwächse», wie die stellvertretende Verdi-Chefin Andrea Kocsis erläuterte. Je nach Branche oder Unternehmen fordert Verdi demnach Lohnerhöhungen von einem Euro pro Stunde bis zu einem Plus von sechs Prozent. Darüber hinaus würden Arbeitszeitthemen und das Recht auf Homeoffice eine Rolle bei den Verhandlungen spielen, erläuterte Kocsis.

Transparenzbericht vorgelegt

Bei den Forderungen will die Gewerkschaft nach eigenen Angaben auch die schwierigen Bedingungen in Branchen berücksichtigen, die von Corona hart getroffen seien - etwa in der Luftfahrt. Eine «coronabedingte Streikzurückhaltung» werde es aber nicht geben. «Nach wie vor gilt: Geschenke gibt's von Arbeitgeberseite nicht», sagte Kocsis.

Wie aus dem erstmals publizierten internen Transparenzbericht von Verdi hervorgeht, waren 2021 mehr als 50.000 Mitglieder
in den Ausstand getreten - und das insgesamt 250.000 Mal. Einige hätten sogar bis zu 50 Tage lang gestreikt. Die meisten Streiks gab es den Angaben zufolge im Handel, wo es im vergangenen Jahr «keine Woche ohne Streik» gegeben habe.

Die Gewerkschaft hat nach eigenen Angaben aktuell rund 1,9 Millionen Mitglieder. Im vergangenen Jahr habe das Anwerben neuer Mitglieder unter der Corona-Pandemie gelitten, erklärte Verdi-Chef Frank Werneke. So habe es im Vergleich zu den Vorjahren etwa 30.000 Eintritte weniger gegeben. Die Einnahmen von Verdi seien aber mit 483,3 Millionen Euro erneut auf einem «Höchststand» gewesen.

Für dieses Jahr erwartet Verdi zum Teil «sehr harte Verhandlungen» - auch wenn die Haupt-Tarifrunden erst wieder im Jahr 2023 anstünden.

Sozial- und Erziehungsberufe im Visier

Rund 400.000 öffentlich Beschäftigte in den Sozial- und Erziehungsberufen können nach langer pandemiebedingter Unterbrechung wieder auf höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen hoffen. Hier werden die im März 2020 auf Eis gelegten Tarifverhandlungen am 25. Februar wieder aufgenommen. Erreichen will Verdi für die sozialen Berufe, etwa für Erzieherinnen in Kitas und Horten, eine bessere Eingruppierung und einen Rechtsanspruch auf Qualifizierung.

«Während der Pandemie wurde mehr als deutlich, wie unverzichtbar und wertvoll die Sozial- und Erziehungsberufe für die Gesellschaft sind. Trotzdem wird die Arbeit, die die Beschäftigten täglich leisten, viel zu wenig anerkannt», sagte Christine Behle, ebenfalls Vize-Chefin von Verdi.

Behles Angaben zufolge gibt es in der Sozialen Arbeit insgesamt rund 1,6 Millionen Beschäftigte - von denen 83 Prozent weiblich seien. Davon arbeiteten etwa 400.000 im öffentlichen Dienst - und seien somit direkt von der nun wieder aufgenommenen Tarifrunde betroffen.

Bei seinem Jahresausblick machte Verdi-Chef Werneke auch auf die immer weiter steigenden Energiepreise für Verbraucherinnen und Verbraucher aufmerksam. Die Bundesregierung sei in der Pflicht, den Bürgern einen finanziellen Ausgleich zu bieten, erklärte Werneke. Höhere Tarifabschlüsse und eine vorzeitige Streichung der EEG-Umlage würden alleine nicht reichen, um die sozialen Folgen abzumildern.

Steigende Energiepreise

Verdi schlägt unter anderem vor, die Mehrwertsteuer auf Energie in Höhe von 19 Prozent vorübergehend auszusetzen und Familien einen einmaligen Kinderbonus von 200 Euro zu zahlen. Auch müssten nach dem Willen der Gewerkschaft Grundsicherungsempfänger einen zusätzlichen Beitrag von 200 Euro erhalten.

«Die steigenden Strom- und Gaspreise sind zu einer ernsthaften Belastung für viele Haushalte geworden», sagte der Verdi-Chef. Eine Familie mit zwei Kindern könne bis zu 850 Euro im Jahr sparen, würden die vorgeschlagenen Maßnahmen greifen.

Auch ein Bündnis aus mehreren Verbänden, darunter der Sozialverband VdK forderte die Bundesregierung am Dienstag auf, noch mehr als bislang gegen die steigenden Energiepreise zu unternehmen und die EEG-Umlage sofort, und nicht erst zeitnah, abzuschaffen.
«Die Regierung muss endlich handeln. Viele Menschen mit
geringen Einkommen wissen nicht mehr, wie sie die steigenden
Energiekosten stemmen sollen. Es reicht nicht nur
anzukündigen, dass die EEG-Umlage abgeschafft wird, es muss jetzt passieren», sagte etwa VdK-Präsidentin Verena Bentele.

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