Mittelständler rechnen mit weniger Auszubildenden

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"Start in die Zukunft" - © Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Der Anstieg der Azubi-Zahlen 2017 und 2018 war nur ein vorübergehendes Phänomen. (© Foto: Karl-Josef Hildenbrand)

Frankfurt/Main - Sinkende Schülerzahlen und der Trend zum Studium belasten die Ausbildung in mittelständischen Unternehmen.

Der leichte Anstieg der Azubi-Zahlen in den Jahren 2017 und 2018 sei nur ein vorübergehendes Phänomen gewesen, getragen vom Arbeitsmarktboom und der Integration von Flüchtlingen, erläuterte KfW-Ökonom Arne Leifels. «Schon für das gerade gestartete Ausbildungsjahr 2019 erwarte ich wieder einen leichten Rückgang der Neuverträge.»

Nach einer Umfrage der staatlichen Förderbank rechnen kleinere und mittlere Unternehmen mit weniger Auszubildenden im aktuellen Lehrjahr. Jeder fünfte Betrieb ging bei der Befragung davon aus, weniger Azubis als bisher zu beschäftigen. Nur 13 Prozent wollten mehr Lehrlinge einstellen. Zwei Drittel rechneten mit konstanten Zahlen. An der Erhebung in der ersten Jahreshälfte nahmen Verantwortliche von mehr als 10.000 Unternehmen teil.

Zwischen 2017 und 2018 war die Zahl der Azubis bundesweit noch leicht um 1,2 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt hatte. Nun seien die Vorzeichen andere, sagte KfW-Ökonom Leifels. Die duale Berufsausbildung kehre zu ihrem langfristigen Trend zurück, «der durch sinkende Schülerzahlen und steigende Studierneigung klar negativ ist».

In den Jahren von 2013 bis 2017 boten der KfW zufolge 14,1 Prozent der mittelständischen Unternehmen mindestens einen Ausbildungsplatz an. Dabei gab es zwischen den Bundesländern erhebliche Unterschiede. In Niedersachsen (inklusive Bremen) war der Anteil der ausbildenden Mittelständler mit 20,5 Prozent am höchsten. Schlusslichter waren Firmen in Berlin (9,5 Prozent) und Sachsen (10,3 Prozent).

Den Angaben zufolge sind es die großen Mittelständler mit mehr als 50 Mitarbeitern, die die Hauptlast der Ausbildung schultern. Von ihnen bilden etwa drei Viertel aus. Prinzipiell gilt, je kleiner ein Unternehmen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass es Lehrlinge beschäftigt. Von den Unternehmen mit weniger als fünf Mitarbeitern bildeten zuletzt nur fünf Prozent aus. Dabei machen diese Betriebe den größten Anteil (80 Prozent) des Mittelstandes aus.

Eine Ausbildung ist für die Arbeitgeber kostspielig: Wie teuer genau, sei je nach Branche unterschiedlich, doch im Schnitt zahle der Betrieb immer drauf, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer jüngst der Deutschen Presse-Agentur.

Nach der aktuellsten Kosten-Nutzen-Rechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (bibb) für das Ausbildungsjahr 2012/13 trägt ein Betrieb pro Azubi jährlich Kosten von etwa 18.000 Euro - zugleich erwirtschaftet der Lehrling rund 12.500 Euro. Das summiert sich bei drei Ausbildungsjahren auf Kosten von etwa 16.000 Euro.

Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sieben von Zehn Beschäftigten arbeiten in kleinen und mittleren Unternehmen. Auch als Ausbilder sind sie enorm wichtig: 90 Prozent der betrieblichen Lehrlinge arbeiten im Mittelstand. Die KfW zählt dazu Firmen mit einem Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro. Danach gibt es etwa 3,8 Millionen mittelständische Unternehmen.

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