Eingeschweißte Post-Werbesendung: Unerwünschter Plastikmüll?

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Post-Werbesendung «Einkauf Aktuell» - © Foto: Oliver Berg
Eine Gratis-Werbezeitung «Einkauf Aktuell» der Post steckt in einem Briefkasten. (© Foto: Oliver Berg)

Bonn - Für die Post ist es ein lukrativer Markt, aber für manchen Verbraucher unerwünschte Werbung und vor allem eine Umweltsünde: die eingeschweißte Werbebroschüre «Einkauf aktuell», die der Post zufolge wöchentlich bis zu 20 Millionen Haushalte erreicht.

Nach Angaben der Bürgerinitiative Letzte Werbung landen jährlich 33 Kilogramm Werbung in jedem Briefkasten. Und vor allem das Werbeblatt der Post sei für große Mengen Plastikmüll und Altpapier verantwortlich - pro Jahr etwa rund eine Milliarde Plastikverpackungen. Nun bereitet die Initiative Klagen gegen den Dax-Konzern vor. Zuvor hatte die «Welt am Sonntag» darüber berichtet.

Links zum Thema
Post über "Einkauf Aktuell"
Ingede über "Einkauf aktuell"
Eigenbeschreibung Letzte Werbung

Dabei argumentiert Letzte Werbung, dass Haushalte die «Einkauf aktuell» auch dann bekommen, wenn sie dem Erhalt schriftlich widersprochen haben. Eine Sprecherin erhebt schwere Vorwürfe. Die Post habe keinen Widerspruch akzeptiert, schrieb Katharina Wallmann der Deutschen Presse-Agentur in einer E-Mail.

«Sie bietet auch keinen alternativen Weg, um sich einfach von der unerwünschten Plastikpost abzumelden.» Das Unternehmen sei nicht an einer ergebnisoffenen Diskussion interessiert. «Wir sehen uns daher gezwungen, den rechtlichen Weg zu gehen.»

Bei der Post zeigt man sich verwundert. Die Annahme, dass die meisten Haushalte solche Werbesendungen nicht erhalten wollten, sei «schlicht falsch», teilte ein Post-Sprecher der dpa mit. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach habe vielmehr ergeben, dass eine Mehrheit diese Werbeform positiv oder neutral beurteile. «Viele Haushalte sehen in den Prospekten in erster Linie eine wichtige Orientierungshilfe im aktuellen Angebot des örtlichen Einzelhandels.»

Der «WamS» teilte der Dax-Konzern mit, er ermögliche Kunden bisher nicht die schriftliche Kündigung, weil es in einem Massengeschäft nicht möglich sei, «einzelne Empfänger über Namenslisten auszunehmen». Die Plastikfolie sei notwendig, damit die Hefte «vollständig und nicht verdreckt oder nass» ankämen. Der Post-Sprecher ergänzte: Ein Aufkleber wie etwa «Keine Werbung» auf dem Briefkasten reiche aus, dass die «Einkauf aktuell» nicht mehr zugestellt werde. «Ein schriftlicher Widerspruch ist nicht nötig.»

Und auch das Umweltargument lässt die Post nicht gelten. Der Konzern sei sich «der Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst» und versuche kontinuierlich, «unser Produkt so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten.» Die Umweltfreundlichkeit der Zeitschrift sei konsequent verbessert worden: So sei das verwendete Papier immer leichter geworden und werde emissionsarm gedruckt. Und auch die Folie sei immer dünner geworden.

Das Unternehmen stützt sich dafür auf eine Einschätzung des Papierherstellers Ingede. «Die Perforation der Folien ermöglicht es tatsächlich, dass die Umhüllung im Recyclingprozess aufbricht und nahezu 100 Prozent des Papiers verwertet werden kann», heißt es bei Ingede. Das Unternehmen schränkt allerdings ein: «Es bleibt allerdings das Problem, dass die Papierfabrik neben anderen im Altpapier enthaltenen Abfällen auch die Folien entsorgen muss.»

Und «Einkauf aktuell» ist bei weitem nicht die einzige folienverpackte Zeitschrift, deren Recycling Papierfabriken und Entsorgungsbranche vor Herausforderungen stellt. Hinzu kommen Computerzeitschriften mit folienverpackten DVDs, Kindermagazine mit eingeschweißtem Spielzeug oder diskret verhüllte Erotikhefte. Bei den Zeitschriften sind es vor allem die nicht ausgepackten Rückläufer, die in der Papierfabrik Probleme bereiten.

Neu ist das Thema nicht. Vor knapp fünf Jahren etwa hatte ein 19-Jähriger der Post knapp 140 000 gesammelte Unterschriften gegen die Plastikfolie übergeben. Rückendeckung erhielt er von der damaligen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die Post kündigte an, die Verpackung zu überdenken.

Letzte Werbung will nun aus mehr als 100 klagebereiten Personen bis zu 10 auswählen. Voraussetzung: Diese Haushalte müssen trotz Widerspruchs die «Einkauf aktuell» in ihrem Briefkasten finden. «Sobald das passiert ist, können die Betroffenen Klage einreichen. Wir rechnen damit, dass das Mitte August passieren wird», so Initiative-Sprecherin Wallmann.

Wie die «WamS» berichtet, geht es der Initiative um ein Grundsatzurteil - das letztlich das Geschäftsmodell der Post bedrohen könnte. Der Konzern gibt für diesen Geschäftsbereich zwar keine Finanzzahlen bekannt. Dem Zeitungsbericht zufolge soll sich der Erlös aber auf 300 Millionen Euro im Jahr belaufen. Mit Blick auf die angekündigten Klagen kritisiert die Post, die Initiative meine, «einen geeigneten öffentlichkeitswirksamen Präzedenzfall gefunden zu haben».

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