KrankenversicherungKrankenkassen erwarten 2024 Rekorddefizit und drastischen Beitragssprung

Auch 2024 wird in der gesetzlichen Krankenversicherung mit tiefroten Zahlen gerechnet. Nach Einschätzung des Verbandes der Ersatzkassen dürfte das Defizit noch deutlich höher ausfallen als in diesem Jahr.

Tim Szent-Ivanyi

Bereits zum Anfang diesen Jahres waren bei vielen Krankenkassen die Beiträge angehoben worden. Das könnte sich Anfang 2024 wiederholen. - © Jens Kalaene
Bereits zum Anfang diesen Jahres waren bei vielen Krankenkassen die Beiträge angehoben worden. Das könnte sich Anfang 2024 wiederholen. © Jens Kalaene

Die gesetzlichen Krankenkassen rechnen für 2024 mit einem drastischen Anstieg der Beitragssätze um rund zwei Punkte auf dann über 18 Prozent, sollte die Politik nicht gegensteuern. Der ehrenamtliche Chef des Verbandes der Ersatzkassen (VDEK), Uwe Klemens, sagte in Berlin, im kommenden Jahr werde ein Defizit von „30 Milliarden plus x“ erwartet.

„Die nachhaltige Finanzreform der gesetzlichen Krankenversicherung muss deshalb ganz weit oben auf der politischen Agenda stehen“, mahnte er. Der Verband rechnet nach seinen Angaben 2023 mit einem Anstieg der Ausgaben um fünf und 2024 um weiter vier Prozent. Im Vergleich zu diesem Jahr fielen zudem Einnahmen von neun Milliarden Euro weg, weil der Bundeszuschuss sinke und die Kassen ihre Finanzreserven bereits abgebaut hätten.

Unterm Strich ergibt sich so ein Defizit von über 30 Milliarden Euro. Um das Loch auszugleichen, müsste der Zusatzbeitrag von heute durchschnittlich 1,6 Prozent auf rund 3,6 Prozent steigen. Der insgesamt erhobene Beitrag für die gesetzliche Krankenversicherung stiege dann von heute 16,2 auf etwa 18,2 Prozent. Bei einem Einkommen von 3.500 Euro wäre das im Monat eine Mehrbelastung von immerhin 70 Euro, die sich Versicherte und Arbeitgeber teilen.

Der Verband forderte erneut die Absenkung des Mehrwertsteuersatzes für Arzneimittel von 19 auf sieben Prozent, was Einsparungen von sechs bis sieben Milliarden Euro bringen würde. Zudem verlangen sie kostendeckende Beiträge des Bundes für die Empfänger des Bürgergeldes. Das würde den Kassen Mehreinnahmen von rund zehn Milliarden Euro bringen. Letzteres steht zwar im Koalitionsvertrag der Ampelparteien. Doch Finanzminister Christian Lindner (FDP) hat bisher keine Ambitionen gezeigt, deutlich mehr Steuergeld für die gesetzlichen Krankenversicherung auszugeben. „Was nicht mehr geht, ist die Finanzlöcher aus den Rücklagen der Krankenkassen und der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds zu finanzieren“, warnte Klemens.

Bereits zum Anfang diesen Jahres waren bei vielen Krankenkassen die Beiträge angehoben worden. Das für die gesamte Krankenversicherung erwartete Loch von 17 Milliarden Euro war von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nur teilweise durch Einsparungen gedeckt worden.

Völlig unklar ist, wie der Minister die weiteren Defizite auffangen will. Bisher hat er nur Reformen angekündigt, die zunächst mehr Geld kosten, wie etwa die geplante Krankenhausreform. Neben der Krankenversicherung dürfte auch die Pflegeversicherung deutlich teurer werden, weil auch hier großer Reformbedarf besteht und rote Zahlen geschrieben werden.

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