InsolvenzstraftatenTennis-Ikone Boris Becker in London zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt

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Becker-Prozess in London - © Foto: Victoria Jones/PA Wire/dpa
Boris Becker gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Lilian de Carvalho Monteiro auf dem Weg zur Strafmaßverkündung in London. © Foto: Victoria Jones/PA Wire/dpa

London - Der ehemalige Tennisstar Boris Becker ist wegen seiner Insolvenzstraftaten zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das entschied ein Gericht in London am Freitag.

Die Verkündung des Strafmaßes für Ex-Tennisstar Boris Becker in London hat nach einer Verzögerung am Freitagnachmittag begonnen. Zunächst rekapitulierte Richterin Deborah Taylor den Fall, bevor sie ihre Entscheidung mitteilen wollte.

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Becker war 2017 gerichtlich für zahlungsunfähig erklärt worden und musste daraufhin sein Vermögen offenlegen. Dennoch verschwieg er mehrere Besitztümer. Eine Jury sprach den dreifachen Wimbledon-Sieger deshalb vor drei Wochen in 4 von 24 Anklagepunkten schuldig.

Die Laienrichter gelangten zu der Ansicht, dass Becker den Besitz einer Immobilie in seinem Heimatort Leimen verschleierte, unerlaubterweise hohe Summen auf andere Konten überwies sowie Anteile an einer Firma für künstliche Intelligenz und eine Darlehensschuld verschwieg.

Staatsanwältin Rebecca Chalkley sagte am Freitag, Becker habe einen schweren Vertrauensbruch begangen. Sie verwies zudem darauf, dass er in Deutschland wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden war. Chalkley nannte keine Strafmaßforderung, machte aber deutlich, dass sie eine Bewährungsstrafe nicht für ausreichend hält. Dass er am Tag nach der gerichtlich angeordneten Insolvenz noch hohe Summen überwiesen hatte, ähnele Geldwäsche.

"Verweifelte Lage"

Beckers Anwalt Jonathan Laidlaw hingegen bat um Milde und sprach sich für eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren aus. Bei den Überweisungen habe es sich um Zahlungen an seine Ex-Frau sowie seine Gattin Lilly und seine Kinder gehandelt, die von ihm abhängig gewesen seien. Laidlaw räumte ein, dass Becker damit das Gesetz gebrochen hatte, es sei aber kein schwerwiegender Fall. Der 54-Jährige habe sich in einer verzweifelten finanziellen Lage befunden.

Am Gerichtshof Southwark Crown Court herrschte zur Entscheidung an Freitag großer Andrang. Die Sitzung wurde deshalb in einen deutlich größeren Saal verlegt.

Beckers Partnerin Lilian De Carvalho Monteiro begleitete ihn jeden Tag ins Gericht, zuletzt war auch sein ältester Sohn Noah an seiner Seite. Die beiden waren auch am Freitag mit dabei.

Der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Dietloff von Arnim, bekräftigte vor der Strafmaßverkündung seine Loyalität mit Becker. Dieser habe für das deutsche Tennis «unstreitig herausragende Erfolge» gefeiert, sagte von Arnim am Freitag am Rande des Sandplatzturniers in München. «Wir stehen da, würde ich sagen, treu an der Seite unserer Tennis-Ikone.»

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