Häufig beim Doktor? Ärztepräsident fordert Selbstbeteiligung

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Arztpraxis - © Foto: Karl-Josef Hildenbrand
«Man muss genauer hinsehen, wer wann und weshalb zum Arzt geht», sagt Ärztepräsident Klaus Reinhardt. Nicht jeder Besuch beim Arzt sei notwendig und sinnvoll. (© Foto: Karl-Josef Hildenbrand)

Berlin - Der neue Ärztepräsident Klaus Reinhardt tritt für eine finanzielle Selbstbeteiligung von Patienten gegen übermäßig häufige Arztbesuche ein.

«Bei mehrfachen und völlig unnötigen Arztbesuchen kann eine moderate wirtschaftliche Beteiligung zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit unseren knappen Ressourcen im Gesundheitswesen beitragen», sagte Reinhardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Nicht jeder Besuch beim Arzt ist notwendig und sinnvoll.» So gebe es Menschen, die zwei oder drei Hausärzte hätten und sich regelmäßig eine zweite oder dritte Meinung einholten. «Das geht nicht», sagte Reinhardt, der im Mai zum Präsidenten der Bundesärztekammer gewählt worden war.

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Bericht über Praxisgebühr

Der Erstzugang zum Arzt solle immer frei sein. «Aber man muss genauer hinsehen, wer wann und weshalb zum Arzt geht», so der Ärztepräsident. Nicht jeder Besuch beim Arzt sei notwendig und sinnvoll. «Die Patienten müssen lernen, verantwortungsvoll mit der Ressource Arzt umzugehen.» Wer das nicht tue, verbaue ernsthaft erkrankten Menschen den Weg zu ärztlicher Hilfe. Mit kleinen Geldbeträgen ließe sich das Verhalten der Patienten verändern. Das zeigten Erfahrungen aus anderen Ländern, in denen es eine Selbstbeteiligung gebe.

Grundsätzlich funktioniert habe die Praxisgebühr, sie sei aber falsch organisiert gewesen. Die Gebühr war zwischen 2004 und 2012 erhoben worden. Beim ersten Besuch beim Arzt pro Quartal waren zehn Euro fällig.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warf Reinhardt «maximale Patientenverunsicherung» vor. Schon die Praxisgebühr habe nichts gebracht, um Arztbesuche zu lenken, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Niemand setzt sich aus reiner Langeweile in ein Wartezimmer.» Auch sollte sich der Präsident der Bundesärztekammer zunächst mit seinen Praxiskollegen abstimmen. «Schließlich müssten die dann vor Ort entscheiden, welcher Patientenkontakt notwendig ist und welcher nicht.»

Reinhardt meinte, nötig sei mehr Gesundheitskompetenz. «Dann wüssten die Leute, dass sie bei einem Brechdurchfall ein paar Tage mit einer einfachen Diät auch selbst zurechtkommen.» Wenn die Zahl der Ärzte begrenzt sei, müsse man fragen, ob sich diejenigen, die unnötig im Wartezimmer säßen, solidarisch verhalten. Die Patienten müssten auch einmal nach dem Grund gefragt werden, «warum sie wegen derselben Erkrankung bei sehr vielen Ärzten waren». Heute werde das völlig unkommentiert hingenommen.

Laut Bundesärztekammer gibt es etwa eine Milliarde Arztkontakte von Patienten in den Praxen. Reinhardt sagte, jeder solle zu jedem Arzt gehen können. «Jeder sollte ohne Zugangsbarrieren die Meinung eines zweiten Arztes einholen können.» Aber das müsse in einem vertretbaren Rahmen bleiben.

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