Viele Favoriten in Cannes: Wer gewinnt die Goldene Palme?

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Filmfestspiele in Cannes - Diel + Pachner - © Foto: Petros Giannakouris/AP
Können sie am Ende strahlen? «A Hidden Life» mit August Diehl und Valerie Pachner hat durchaus Chancen auf die Goldene Palme. (© Foto: Petros Giannakouris/AP)

Cannes - Deutsche Regisseure haben es in diesem Jahr zwar nicht in den Wettbewerb des Filmfestivals Cannes geschafft - dennoch könnte das deutsche Kino am Ende zu den großen Gewinnern gehören.

Zu den Favoriten für die Preisvergabe an diesem Samstag zählt schließlich «A Hidden Life», ein Film, der maßgeblich in Deutschland produziert und mit deutschsprachigen Schauspielern gedreht wurde. August Diehl und die Österreicherin Valerie Pachner laufen in diesem bildgewaltigen Drama unter der Regie des US-Amerikaners Terrence Malick zur Hochform auf.

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Basierend auf einer wahren Geschichte stellt Malick einen österreichischen Bauern in den Mittelpunkt, der im Zweiten Weltkrieg nicht für die Wehrmacht kämpfen wollte und dafür hingerichtet wurde. Vor einer atemberaubenden Bergkulisse entfaltet der Regisseur ein zeitloses, emotional aufgeladenes Epos, das viele im Publikum noch lange beschäftigte.

Doch «A Hidden Life» ist kein klarer Favorit. Der Wettbewerb der vergangenen Tage war vielmehr so stark, dass noch mindestens zwei weitere Filme weit oben in der Kritikergunst liegen: Pedro Almodóvars «Dolor y Gloria» und Ken Loachs «Sorry We Missed You». Der Spanier Almodóvar begeistert mit dem stimmungsvollen Porträt eines schwulen Regisseurs (wofür auch Hauptdarsteller Antonio Banderas einen Preis verdient hätte); der Brite Loach hingegen trifft in seinem harschen Sozialdrama genau die richtigen Töne, um Missstände moderner Gesellschaften anzuprangern.

Für Almodóvar wäre es die erste Goldene Palme, für Malick nach «The Tree of Life» die zweite und für Loach nach «Ich, Daniel Blake» und «The Wind that Shakes the Barley» sogar schon die dritte - das hat bisher noch keiner geschafft. Alle drei Regisseure gehören zu den etablierten Cannes-Stammgästen, bei der Preisverleihung wird die Jury um ihren Präsidenten Alejandro González Iñárritu aber wahrscheinlich auch einige jüngere Filmemacher auszeichnen.

Der 30-jährige Kanadier Xavier Dolan erzählt auf visuell sehr einfallsreiche Weise von «Matthias and Maxime», zwei jungen Männern, die seit Langem befreundet sind und sich dann ineinander verlieben. Ladj Ly wiederum ermöglicht mit seinem dokumentarisch anmutenden Spielfilmdebüt «Les Misérables» einen schonungslosen Blick in den von Gewalt bestimmten Alltag in einem Pariser Vorort, während der Südkoreaner Bong Joon-ho mit seinem originellen Beitrag «Gisaengchung (Parasite)» und einer Mischung aus Komödie, Horror und Gesellschaftskritik überrascht.

Ein Tiefpunkt des Wettbewerbs war dagegen kurz vor dem Abschluss das neue Werk von Abdellatif Kechiche, der mit «Blau ist eine warme Farbe» 2013 die Goldene Palme gewonnen hatte. In «Mektoub, My Love: Intermezzo» fokussiert der 58-Jährige auf eine Gruppe junger Menschen, ist aber vor allem an den spärlich bekleideten Körpern der Frauen interessiert. Immer wieder gleitet die Kamera an ihren Brüsten und Hinterteilen auf und ab - das wirkt nicht nicht nur voyeuristisch, sondern in Zeiten der #MeToo-Bewegung auch mehr als unpassend.

Dass Festivalleiter Thierry Frémaux diesen Film überhaupt in den Wettbewerb aufgenommen hat, verärgerte viele. Überhaupt war in diesem Jahr wieder viel über Frauen diskutiert worden, genauer gesagt über die Beteiligung von Regisseurinnen: 4 der 21 Wettbewerbsbeiträge stammen von Frauen. Entscheidend war jedoch, dass sie sich alle auch einen Platz im Wettbewerb verdient hatten und am Ende ebenfalls über eine Auszeichnung jubeln könnten - es wäre erst die zweite Goldene Palme für eine Regisseurin.

Die Französin Céline Sciamma begeisterte in «Portrait Of A Lady On Fire» viele mit ihrer einfühlsamen Darstellung zweier junger Frauen, die sich im 18. Jahrhundert lieben. Einen ungewöhnlichen Ansatz wählte die Österreicherin Jessica Hausner, die mit «Little Joe» von genmanipulierten Blumen erzählt und damit Fragen nach unserem Umgang mit vermeintlich großartigen Neuerungen aufwirft. Ein Preis hierfür wäre auch ein Erfolg für den Filmstandort Deutschland: «Little Joe» ist ebenfalls eine deutsche Koproduktion.

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