Die Berlinale, die Frauen und die K-Frage

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69. Berlinale - Jury - © Foto: Jens Kalaene
Die Berlinale-Jury: Trudie Styler (unten l-r), Juliette Binoche, Sebastian Lelio, Rajendra Roy (oben l-r), Sandra Hüller und Justin Chang. (© Foto: Jens Kalaene)

Berlin - Die Berlinale rückt die Frauen in den Fokus - zumindest schon mal auf einem T-Shirt. Zum Beginn des Festivals trägt Jurymitglied Rajendra Roy einen Spruch auf seinem Oberteil: «The Future of Film is Female» - «Die Zukunft des Films ist weiblich».

Tatsächlich sind in diesem Jahr 7 von 17 Wettbewerbsfilmen unter weiblicher Regie entstanden. Das ist noch immer nicht die Hälfte, aber mehr als zuletzt in Cannes oder Venedig. Für die diesjährige Jurypräsidentin Juliette Binoche ist es «ein gutes Zeichen»: «Das ist ein guter Schritt nach vorn.»

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Die Internationalen Filmfestspiele Berlin gehören zu den wichtigsten Festivals der Welt. Ein Markenzeichen: die Förderung des politisch engagierten Kinos. Diesmal sucht die Berlinale das Politische im Privaten. Binoche findet das konsequent. Alles, was sich menschlich anfühle, sei auch politisch, sagt die 54-Jährige am Donnerstag.

Und so erzählt bereits der Eröffnungsfilm eine private Geschichte. «The Kindness of Strangers» von der dänischen Regisseurin Lone Scherfig spielt im Winter in New York. Eine Mutter haut mit ihren Kindern vor dem Ehemann ab. In der anonymen Millionenmetropole trifft sie auf hilfsbereite Fremde.

Der Film sollte am Abend seine Weltpremiere feiern. Auf dem roten Teppich wurden Binoche und ihre Jurymitglieder, viel deutsche Filmprominenz und der britische Schauspieler Bill Nighy erwartet (der gealterte Rockstar aus «Tatsächlich... Liebe»). Er spielt in Scherfigs Film den Besitzer eines russischen Restaurants.

Ob «The Kindness of Strangers» einen Preis verdient hat, entscheidet am Ende die Jury. Unter den 17 Wettbewerbsfilmen sind auch Beiträge von drei deutschen Regisseuren. Gleich an diesem Freitag geht Nora Fingscheidt mit «Systemsprenger» ins Rennen, am Samstag kommt Fatih Akins Horrorfilm «Der Goldene Handschuh».

Debatten wird es aber nicht allein um die Filme geben, das hatte Direktor Dieter Kosslick schon vorab klar gemacht. Der 70-Jährige leitet die Berlinale zum letzten Mal. Für Diskussionen wird diesmal auch ein US-Unternehmen sorgen. Mit Isabel Coixets «Elisa y Marcela» läuft ein Film des Streamingdienstes Netflix im Wettbewerb.

Das wäre in Cannes nicht möglich gewesen, in Venedig dagegen schon. Aber warum eigentlich der Hickhack um Regeln zu Netflix? Streamingdienste produzieren immer mehr Filme, die sie schnell online stellen. Dort kann man sie gegen Bezahlung sehen, oft aber nicht im Kino. «Roma», der Gewinnerfilm aus Venedig, zum Beispiel lief nur kurze Zeit in wenigen Kinos.

Die Kinobetreiber ärgert das, weil sie um ihr Geschäftsmodell fürchten. Die Besucherzahlen in Deutschland sind zuletzt ohnehin drastisch gesunken. Dass Kosslick nun einen Netflix-Film im Wettbewerb zeigt, wird also zwiespältig aufgenommen. Kosslick betont, dass «Elisa y Marcela» in Spanien ins Kino kommen soll.

«Die Berlinale muss sich entscheiden: Will sie ein Kinofilmfestival sein oder ein Fernsehfilmfestival?», sagt Christian Bräuer vom Verband AG Kino - Gilde deutsche Filmkunsttheater. Im Raum schwebt also während des Festivals auch die K-Frage: Wie hält es die Berlinale mit dem Kino? Und wie geht es in der Branche weiter?

Erstmal gibt es nun einigen Glamour mit Stars wie Catherine Deneuve, Diane Kruger und Charlotte Rampling. Und dazu mehr Filme, als man sehen kann: Rund 400 Komödien, Dramen oder auch Dokumentationen laufen bis zum 17. Februar.

Kritiker überstehen den Marathon mit viel Kaffee, Schokolade und kurzen Nickerchen zwischendurch. Viele Fans stehen schon morgens in der Kälte an den Absperrungen, um irgendwann einen Blick auf einen Star oder ein Autogramm zu ergattern. Das spricht gegen das gern beschworene Ende des Kinos. Jurymitglied Sebastián Lelio glaubt fest an ein Überleben der Kinos: Der Tod des Kinos sei schon oft erklärt worden. Aber alle wissen: Bisher hat es überlebt.

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