Aus aller WeltWim Wenders: «Fotografieren ist eine Auszeit»

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Wim Wenders - © Foto: Rolf Vennenbernd
Wim Wenders will mit seinen Bildern Orte sprechen lassen. (© Foto: Rolf Vennenbernd)

Düsseldorf - Der preisgekrönte Regisseur Wim Wenders hat neben dem Film eine zweite Leidenschaft: das Fotografieren, und zwar konsequent analog, niemals digital. Das heißt aber nicht, dass Wenders, der im August 70 Jahre alt wird, Handy-Fotos als Teufelszeug ablehnt.

«Jede Menge» Fotos mache er mit dem Smartphone, verrät er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Aber das ist kein Fotografieren», betont er. Mit seinen Fotos will Wenders die Wirklichkeit zeigen, wenn auch aus einer subjektiven Perspektive. «Weil man im Kino so viel flunkert und fabuliert, möchte ich in der Fotografie nicht dazu verführt werden.»

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Frage: Wann haben Sie Ihre erste Kamera bekommen? Antwort: Mit sechs oder sieben. Es war eine ziemlich billige Plastikkamera, wo man oben rein guckt, wie bei einer Rolleiflex. Da war nichts automatisch dran, das musste man alles selbst einstellen. Aber ich kam mit dem Ding nie ganz klar, und meine Fotos waren immer schief. Ich war froh, dass ich später eine Kamera bekam, bei der man durch den Sucher gucken konnte. Später habe ich mir selbst eine Spiegelreflexkamera gekauft und hatte auch eine Dunkelkammer. Zum Abitur hat mein Vater mir seine Leica geschenkt.

Frage: Fotografieren Sie heute noch mit der Leica? Antwort: Die wurde mir leider geklaut. Frage: Wären Sie gern Fotograf geworden? Antwort: Das war überhaupt nicht im Bereich des Möglichen. Fotografie war zwar in der Familie ganz selbstverständlich, aber das als Beruf anzusehen, das war zu der Zeit in Deutschland noch überhaupt nicht drin. Fotografie hatte mit Journalismus zu tun, einen anderen Begriff von Fotografie gab es nicht.

Frage: Fotografieren ist für Sie die zweite Hälfte Ihrer Arbeit, sagen Sie. Was ist daran so schön? Antwort: Dass ich dafür niemanden brauche. Beim Film braucht man viele Menschen. Einen Film zu machen, das ist eine echt soziale und höchst kommunikative Arbeit. Beim Fotografieren muss ich niemandem etwas erklären. Ich mache alles allein und nehme auch niemanden mit. Mein Equipment kann ich noch gut selbst schleppen, selbst die große Panoramakamera. Für die Art von Fotografie, die ich mache, bin ich darauf angewiesen, dass ich allein unterwegs bin und allein vor all diesen Orten stehe. Das ist eine Bedingung dafür, dass ich mich ganz auf Orte einlassen und mich darin verlieren kann. Und nur so kann ich rauszukriegen, was die uns über uns erzählen können.

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