Sport aus aller WeltRad-Supertalent Evenepoel mit furioser Radrennen-Show

Von Stefan Tabeling, dpa

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Remco Evenepoel (r) konnte den Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich für sich entscheiden. © Eric Lalmand/BELGA/dpa

Mit einem beeindruckenden Ritt durch die Ardennen hat das belgische Supertalent Remco Evenepoel seinen ersten großen Frühjahrsklassiker gewonnen und die Landsleute in Radsport-Euphorie versetzt.

Der 22-Jährige, in seiner Heimat bereits als der neue Eddy Merckx gefeiert, holte sich nach 257,2 Kilometern und zehn giftigen Anstiegen den Sieg bei der 108. Auflage von Lüttich-Bastogne-Lüttich. Er gewann im Alleingang vor seinen beiden Landsmännern Quinten Hermans und Wout van Aert. Evenepoel war bei seiner Lüttich-Premiere eigentlich nur als Helfer von Weltmeister Julian Alaphilippe vorgesehen, doch nach einem schweren Sturz des Franzosen hatte der Jungstar freie Fahrt.

Vorentscheidung im vorletzen Anstieg

Evenepoel sorgte an der Côte de la Redoute, dem vorletzten Anstieg, für die Vorentscheidung, als er mit einer kraftvollen Attacke ausriss und in Zeitfahrer-Manier seinem bisher größten Erfolg entgegenfuhr. Am letzten Anstieg hängte er dann den Franzosen Bruno Armirail ab und hatte im Ziel 48 Sekunden Vorsprung. Im Ziel konnte er sein Glück kaum fassen und schlug die Hände vor das Gesicht.

Den beiden Altstars und Ex-Siegern Alejandro Valverde (41 Jahre/Spanien) und Philippe Gilbert (39/Belgien) blieb dagegen bei ihrer letzten Lüttich-Teilnahme ein Podiumsplatz verwehrt. Titelverteidiger und Tour-de-France-Champion Tadej Pogacar musste wegen eines Trauerfalls in der Familie kurzfristig passen.

Als Jahrhunderttalent gefeiert

Als Evenepoel 2019 in den Radsport kam, war schnell von einem Jahrhunderttalent die Rede. Schon in seinem Premierenjahr gewann er die Clasica San Sebastian und wurde Vize-Weltmeister im Zeitfahren. Dabei ist Evenepoel ein Alleskönner. Mit 16 Jahren spielte er in der belgischen Fußball-Juniorenauswahl, den Halbmarathon lief er in beachtlichen 1:13 Stunden. Doch Evenepoel zog es in den Radsport, eine große Karriere war programmiert. Der Karriereknick kam ein Jahr später, als er sich bei der Lombardei-Rundfahrt das Becken brach und gut neun Monate pausieren musste.

Überschattet wurde das Rennen gut 62 Kilometer vor dem Ziel von einem heftigen Massensturz, der auch die Hoffnungen von Weltmeister Julian Alaphilippe zunichte machte. Der Franzose klagte über Rückenschmerzen und begab sich in einen Krankenwagen. Damit setzte sich seine Pleitenserie bei La Doyenne, dem ältesten Rad-Klassiker, fort. Den so sehnlichst erhofften Sieg bei seinem Lieblingsrennen hatte ihm 2021 Pogacar auf den letzten Metern weggeschnappt. Ein Jahr zuvor hatte Alaphilippe bereits die Arme zum Jubeln hochgerissen, als sich Primoz Roglic noch vorbeischob. Später wurde er sogar wegen eines Manövers im Zielsprint auf Platz fünf zurückversetzt.

Deutsche Fahrer spielten nach der krankheitsbedingten Absage von Maximilian Schachmann, dem Lüttich-Dritten von 2019, keine Rolle.

Im Frauen-Rennen fuhr Liane Lippert (Friedrichshafen) auf den achten Platz. Der Vize-Europameisterin fehlten nach 142,1 Kilometern im Ziel 1:58 Minuten auf Solo-Gewinnerin Annemiek van Vleuten. Die niederländische Zeitfahr-Olympiasiegerin, die immerhin schon 39 Jahre alt ist, setzte sich vor Grace Brown aus Australien und Landsfrau Demi Vollering durch.

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