Hamburger SVJatta und kein Ende: Anklage gegen HSV-Profi

veröffentlicht

Bakery Jatta - © Foto: Guido Kirchner/dpa
Soll unter anderem gegen das Aufenthaltsgesetz verstoßen haben: HSV-Profi Bakery Jatta muss vor Gericht. © Foto: Guido Kirchner/dpa

Hamburg - Der Fall Bakery Jatta schien eigentlich schon erledigt, nun wollen die Strafverfolger den HSV-Profi doch noch vor Gericht bringen.

Mehr als zwei Jahre nach Beginn der kontroversen öffentlichen Debatte um die Identität des Fußballers aus Gambia hat die Staatsanwaltschaft überraschend Anklage vor dem Jugendrichter des Amtsgerichts Hamburg-Altona erhoben. Jatta soll eigentlich Bakary Daffeh heißen und zweieinhalb Jahre älter sein.

Links zum Thema
Daten Jatta auf hsv.de

Damit habe der Mittelfeldspieler des Zweitligisten Hamburger SV in vier Fällen gegen das Aufenthaltsgesetz verstoßen sowie in einem weiteren Fall «mittelbare Falschbeurkundung» begangen, heißt es in der Anklage. Vor einem Jugendrichter muss Jatta erscheinen, weil er «teils Heranwachsender, teils Erwachsener war», wie die Staatsanwaltschaft erklärte.

Der Hamburger SV steht hinter Jatta

Jattas Anwalt Thomas Bliwier ist erstaunt: «Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man auf Basis der Ermittlungen Anklage erheben kann», sagte der Jurist der Deutschen Presse-Agentur. «Wir sind der Auffassung, Herr Jatta hat seine Identität eindeutig nachgewiesen. Wir werden Stellung nehmen und beantragen, die Hauptverhandlung nicht zuzulassen.»

Auch der HSV stellte sich erneut hinter seinen Profi. Zu einem Bild von Jatta im Kreis seiner jubelnden Teamkollegen twitterte der Club nur: «Statement genug». Der Deutsche Fußball-Bund teilte mit, dass das Ermittlungsverfahren des DFB-Kontrollausschuss im Fall Jatta fortgeführt werden soll. «Im Hinblick auf die neue Sachlage werden wir zunächst das Ergebnis des staatlichen Verfahrens abwarten», erklärte Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses. Der DFB-Kontrollausschuss hatte vor mehr als zwei Jahren die Causa Jatta geprüft und am 15. August 2019 unter anderen den Spieler befragt.

Die Staatswanwaltschaft will den Fall nicht auf sich beruhen lassen. Ist Jatta also ein Betrüger, der sich die Aufenthaltserlaubnis in Deutschland erschlichen hat? Bekannt ist: 2015 floh der damalige Jungprofi aus seinem Heimatland Gambia über Italien nach Deutschland. In Bremen erhielt der Mann ohne Papiere Unterkunft, spielte Fußball, bis der HSV auf ihn aufmerksam wurde. Seit der Saison 2016/17 trägt der schnelle Mann mit den raumgreifenden Schritten das Trikot mit der Raute, zunächst im Regionalliga-Team, dann bei den Profis.

Hinweise auf gefälschte Identität unbestätigt

Im August 2019 berichtete die «Sport Bild» über Jatta und äußerte Zweifel an seiner Identität. Die Zeitschrift hatte Hinweise, dass es sich um den älteren Bakary Daffeh handeln könnte, der die Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland auf Grundlage falscher Angaben erhalten habe. Denn als damals 17-Jähriger und damit Minderjähriger unterlag Jatta anderen Kriterien für eine Bleibeberechtigung.

Die Ermittlungen der Behörden erbrachten jedoch kein Ergebnis für eine gefälschte Identität. Die Staatsanwaltschaft Bremen und das Hamburger Bezirksamt Mitte hatten im Spätherbst 2019 nach monatelanger intensiver Prüfung ihre Ermittlungen eingestellt. Zudem bestätigten gambische Behörden die Echtheit der Jatta-Papiere. Der 1. FC Nürnberg, der VfL Bochum und der Karlsruher SC, die Einspruch gegen die Niederlagen in den Zweitliga-Spielen gegen den HSV eingelegt hatten, zogen diesen zurück. Der HSV stellte sich stets hinter seinem Profi und versicherte die Korrektheit der Personalien.

Fans: Jatta ein Beispiel für gelungene Integration

Bei einer Durchsuchung von Jattas Wohnung im Sommer 2020 waren elektronische Datenträger wie Handy und Laptop beschlagnahmt worden. Es wurden auch Kontobewegungen des HSV-Profis überprüft. Dabei sei man auf Kontakte gestoßen, «die für uns nicht nachvollziehbar waren», teilte die Staatsanwaltschaft mit. Diese hatte zudem ein anthropologisch-morphologisches Gutachten an einem Institut in Freiburg in Auftrag gegeben. Ergebnis: Jatta und Daffeh seien «mit hoher Wahrscheinlichkeit ein und dieselbe Person».

«In der Regel kommen solche Gutachten bei Schwerstverbrechen zur Anwendung. Wir finden das total überzogen», sagte damals Deniz Celik von der Linksfraktion der Hamburger Bürgerschaft. HSV-Fans stellten die Frage: Wem würde er eigentlich schaden, selbst wenn er falsche Angaben gemacht hat? Schließlich zahle er jetzt reichlich Steuern an den deutschen Staat und sei ein Beispiel für gelungene Integration.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.