DFB-PokalfinaleLeipziger Meilenstein oder Dortmunder Machtdemonstration?

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Julian Nagelsmann - © Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann hofft auf einen Erfolg im Pokalfinale gegen den BVB.. © Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin - Julian Nagelsmann gönnte sich auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions einen Kick mit seinen Trainerkollegen, Marco Reus grinste einen Tag vor dem großen Pokalfinale tiefenentspannt.

Bei RB Leipzig und Borussia Dortmund gab man sich vor dem für beide Teams wichtigsten Spiel der Saison betont gelassen. «Persönlich bin ich sehr entspannt, weil man schon ein paar Finals gespielt hat. Es geht einfach darum, den Pott nach Dortmund zu holen», sagte BVB-Kapitän Reus vor dem Highlight am Donnerstag (20.45 Uhr/ARD und Sky).

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Für Dortmund wäre es der fünfte Triumph im Pokal und ganz nebenbei wohl die Rettung einer mäßigen Saison sowie eine Machtdemonstration gegenüber Leipzig im Duell der Bayern-Jäger. «Es wird ein ganz besonderer Abend für uns», betonte BVB-Coach Edin Terzic. «Die Kunst ist, es ganz normal aussehen zu lassen. Wir werden unsere normalen Abläufe beibehalten in dem Wissen, dass etwas Besonderes passieren kann.»

Immerhin wird Terzic auf den zuletzt verletzten Erling Haaland zurückgreifen können: «Seine Qualitäten sind europaweit bekannt. Aber auch ohne ihn haben wir in den letzten zwei Spielen acht Tore geschossen.» Gegen Leipzig hat Haaland eine herausragende Quote. In bisher zwei Spielen erzielte der Norweger vier Treffer. Unter einem Doppelpack macht er es nicht. Beim 3:2-Sieg des BVB in der Bundesliga am Samstag fehlte der 20-Jährige verletzt.

Ein besonderer Abend soll es natürlich auch für Leipzig werden. Immerhin kann die erste Trophäe der Clubgeschichte in die Vitrine wandern. Und für Nagelsmann wäre es ein wahrlich krönender Abschluss, bevor er sich zum FC Bayern München verabschiedet. Ein Titel, der wohl auch die Fans versöhnen würde. Der Coach will das Interesse aber nicht allein auf sich beziehen. «Es geht darum, mit der Mannschaft gemeinsam etwas zu feiern», sagte der 33-Jährige. Bei der Kleiderwahl will sich der bisweilen modisch mutige Nagelsmann vielleicht auch deshalb zurückhalten: «Das wird nichts Spektakuläres, sondern gute modische Hausmannskost.»

RB will es besser machen als vor zwei Jahren, als man beim 0:3 gegen die Bayern letztlich chancenlos war. «Wenn man Endspiele hat, lernt man daraus und wird reifer. Eine schöne Erinnerungen ist das natürlich nicht», gab Kapitän Marcel Sabitzer zu. Bis auf das Ergebnis habe es 2019 viel Spaß gemacht. Nun wisse man, was man für einen Sieg tun muss.

Der Pokal wird übrigens nicht vom vor seinem Rücktritt stehenden DFB-Präsidenten Fritz Keller überreicht. Stattdessen übernehmen das zwei Nachwuchsfußballer. «Fritz Keller hat entschieden, dass kein Offizieller des DFB auf dem Platz stehen wird», sagte DFB-Sprecher Jens Grittner. «Es soll eine Geste der Verbundenheit zwischen Amateur- und Profifußball sein. Es ist eine Solidaritätsaktion und ein Zeichen, das raus gesendet werden soll in allen Krisen, die der DFB hatte.»

Dass die Anhänger beider Clubs nicht im Stadion sein können, schmerzt Spieler und Trainer natürlich. «Man hätte sich in den Jahren alles ausmalen können, aber nicht, dass so ein Finale vor null Zuschauern stattfinden wird», sagte Terzic. Man werde die Herausforderung annehmen, zumal beide Teams dasselbe Problem haben.

Die Anwesenheit von Fans hätte zudem wohl für zusätzlichen Zündstoff gesorgt. Denn es gibt nicht viele Vereine, die ihre Sicht auf den Fußball unterschiedlicher vermarkten. Hier die Borussia mit der «echten Liebe» und der Tradition, dort das mit österreichischen Brause-Millionen hochgezogene Kunstprodukt mit der «You can do anything»-Einstellung. Unvergessen ist, wie der Konflikt 2017 in Dortmund mit gewalttätigen Angriffen auf Leipziger Fans eskalierte.

In der Führungsetage hat man mittlerweile einen gemeinsamen Nenner gefunden. «In den letzten Jahren sind wir enger zusammengerückt, weil wir als junger Club immer schauen, was wir von den erfolgreichen Vereinen lernen können», sagte RB-Boss Oliver Mintzlaff der «Sport Bild» - und BVB-Boss Joachim Watzke spielte den Ball sauber zurück: «Ideologische Grabenkämpfe liegen hinter uns.»

Bleibt also der Kampf um die Nummer zwei im Land hinter dem FC Bayern. Hier hat der BVB bei diversen Parametern noch die Nase vorn, ein Sieg in Berlin wäre ein Statement. Andererseits könnte ein Pokalsieg von Leipzig ein erstes nachhaltiges Zeichen einer Wachablösung sein. Mintzlaff versprach: «Wir attackieren! Das ist unsere Rolle.»

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

RB Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Konaté, Upamecano - Mukiele, Kampl, Sabitzer, Henrichs - Olmo, Nkunku - Forsberg

Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Akanji, Hummels, Guerreiro - Dahoud, Bellingham - Reyna, Reus, Sancho - Haaland

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