Profis und Amateure für Keller als DFB-Präsident

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Fritz Keller - © Foto: Andreas Gora
Designierte DFB-Präsident: Fritz Keller. (© Foto: Andreas Gora)

Berlin - Nach fünfeinhalb Stunden Berliner Vorstellungsmarathon verschlug es dem zum großen DFB-Reformer auserkorenen Fritz Keller die Sprache.

Lobesbekundungen aller führenden Fußball-Funktionäre von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge bis DFL-Chef Christian Seifert prasselten auf den nun offiziell zum DFB-Präsidentschaftskandidaten ernannten Clubchef des SC Freiburg. «Nach der Rede von Reinhard Rauball traue ich mich gar nichts mehr zu sagen», konstatierte der 62-Jährige, als ihn auch der scheidende Ligapräsident für seine Bewerbungsreden vor Amateur- und Profifunktionären gepriesen hatte.

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«Er hat heute ganz genau den Nerv getroffen. Er ist fachlich und charakterlich überzeugend», sagte Rauball am Mittwoch über Keller, der dann doch rechtzeitig die Worte wiederfand. Als aktiver und kritischer Moderator will der Boss des SC Freiburg nach seiner nun praktisch sicheren Wahl zum 13. Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes beim Bundestag am 27. September den seit Jahren um Orientierung ringenden Verband auch im operativen Geschäft aus der größten Krise seiner Geschichte führen.

Von Grüß-August kann dabei keine Rede sein. «Zuerst kommt eine Analyse, dann kommt eine konkrete Vorstellung», kündigte er an, sich ohne jede zeitliche Vorgabe zunächst in allen Bereichen des DFB genau die Abläufe anzuschauen - bis hin zur Nationalmannschaft unter der Leitung seines Schwarzwälder Landsmannes Joachim Löw.

Erst wenn Keller die Tagesarbeit beim DFB geordnet hat, will er sich aus dem operativen Geschäft wieder zurückziehen und im Stile eines Aufsichtsrats die Abläufe kontrollieren. Dass ihm durch die Strukturreform die bisher gültige Richtlinienkompetenz des DFB-Chefs nicht mehr zugebilligt wird, stört den Top-Winzer nicht. «Ich sehe mich als Teamplayer. Eine One-Man-Show wird es nicht geben», versprach er.

Mit seinem Wahlkampfprogramm in einem Rucksack über der Schulter war er am Vormittag zur Sitzung der Amateurverbände geschritten und hatte auch die als kritisch geltenden Delegierten überzeugt. «Er hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen», sagte Bernd Schultz, der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes im Anschluss an die mehrstündige Sitzung. «Es gab viele Fragen», äußerte Erwin Bugar, der Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes.

Aber Keller habe den Eindruck vermittelt, «dass er die anstehenden Aufgaben bewältigen wird». Nur der Sächsische Verband verweigerte Keller vorerst die Zustimmung - offiziell, weil dessen Präsident Hermann Winkler im Urlaub weilt. Gepunktet haben dürfte Keller bei den Amateuren mit seinem Programm für den Verein als Kernzelle des Fußballs. Diese seien für ihn eine «heilige Kuh» und in der deutschen Geschichte «die ersten Orte der Demokratie».

Ganze 20 Minuten brauchte Keller bei den Vertretern der 36 Profi-Clubs, um sein Programm vorzustellen. Die Deutsche Fußball Liga, die am Mittwoch die eigene Strukturreform absegnete und ihren Präsidenten Rauball verabschiedete, ließ über Seifert, den neuen Sprecher des Präsidiums, ausrichten: «Die DFL steht voll und ganz hinter Fritz Keller und seinem Programm. Er lebt für den Fußball und ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die für Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit steht.»

Eine erste Sach- und Personalentscheidung traf Keller schon. DFB-Vize Rainer Koch wird für den DFB die Ämter bei FIFA und UEFA anstreben. Er selbst wolle auch Zeit haben, bei einem Oberliga-Spiel «eine Wurst zu essen und eine Schorle zu trinken». Internationale Aufgaben könnten ihn für die Arbeit an der Basis zu viel Zeit rauben. «Er verkörpert Bodenständigkeit, Integrität, Glaubwürdigkeit», pries ihn Koch, der zu den Gewinnern des Umbruchs gehört.

Das Kernthema des Tages hatte Keller schnell erkannt. Die «Einheit des deutschen Fußballs», wolle er sichern, also den Dauerkonflikt zwischen Profis und Amateuren befrieden. Für die nächste Verhandlungsrunde für den Grundlagenvertrag mit der DFL machte er aber schon klar, dass er wisse, welchen «Hut ich aufhabe». Profi-Mann Seifert wird sich also auf harte Verhandlungen einrichten können.

Über die Keller-Personalie gerieten die Personal- und Sachfragen der Proficlubs bei deren Vollversammlung fast in den Hintergrund. Mit einem eindringlichen Appell zur Einheit im deutschen Profi-Fußball hat sich Rauball von den Delegierten der 36 Vereine verabschiedet.

Seifert, wird sich künftig wohl noch mehr um den Interessenausgleich zwischen den finanzstarken Branchenführern FC Bayern sowie den nicht mehr im DFL-Präsidium vertretenen Dortmundern und den kleineren Clubs speziell aus der 2. Liga kümmern müssen. Bei der Wahl zum DFL-Präsidium setzten sich überwiegend Kandidaten aus dem Mittelbau und den unteren Ebenen des Profifußballs durch. Auch Oliver Leki vom kleinen Keller-Club SC Freiburg wird künftig im DFL-Präsidium vertreten sein.

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